Grosser Rat Aargau
«Was habe ich falsch gemacht?»: Die «grüne Rote» nimmt den Hut

Nicht ganz freiwillig verabschiedet sich Rosmarie Groux, SP, aus dem Grossen Rat. Nach vier Legislaturen ist nun Schluss. Rückblickend wäre sie heute einer anderen Partei beigetreten.

Pascal Bruhin
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Auf Gemeindeebene will Rosmarie Groux weiterhin aktiv bleiben.

Auf Gemeindeebene will Rosmarie Groux weiterhin aktiv bleiben.

Britta Gut

«Die Zeit verging wie im Flug», blickt Rosmarie Groux zurück. 16 Jahre lang vertrat die Berikerin die SP-Fraktion des Bezirks Bremgarten im Grossen Rat. Nach vier Legislaturen ist nun Schluss. Am Dienstagabend wurde Groux anlässlich der letzten Sitzung des Jahres des Grossen Rates gemeinsam mit dem zurücktretenden Regierungsrat Urs Hofmann und den anderen abtretenden oder nicht wiedergewählten Grossratsgspändli verabschiedet.

Auch Grouxs Abgang war nicht ganz freiwillig. «Gerne hätte ich noch zwei Jahre weitergemacht», gibt sie im Interview mit dieser Zeitung unverhohlen zu. Bei den Grossratswahlen am 18. Oktober – übrigens der Geburtstag ihres Ehemanns – vereinte die 66-Jährige 3395 Stimmen auf sich und platzierte sich hinter Thomas Leitch-Frey und Arsène Perroud auf dem dritten Platz.

Wahlverluste kosteten die SP ihren dritten Sitz im Bezirk

Da die SP jedoch fast 2,4 Prozent Wählerstimmen im Bezirk einbüsste, musste die Partei ihren vor vier Jahren gewonnen dritten Sitz wieder abgeben und Groux verpasste so ihre Wiederwahl. «Die Abwahl von Rosmarie Groux ist ein Schock», kommentierte SP-Bezirksparteipräsident Stefan Dietrich nach der Wahl. Groux äusserte sich am Freitag erstmalig zu ihrer Niederlage.

«Ich war völlig konsterniert, als ich von meiner Abwahl erfuhr», sagt Groux. «Es war schon eine gewisse Frustration da und ich musste mich fragen: Was habe ich falsch gemacht?»

Im Februar 2005 in den Grossen Rat gewählt

2020 sei auch für die Politik ein schräges Jahr gewesen, meint sie. «Es gab keine Bezirkssitzungen, keine Generalversammlung, keine Wahlveranstaltungen. Vielleicht war ich einfach zu wenig präsent für die Menschen auf der Strasse», mutmasst sie. Auch dem Wahlsystem des Doppelten Pukelsheim, das Kleinparteien bevorzugt, gibt sie eine Mitschuld an ihrer Nicht-Wiederwahl. «Nachträglich ärgert es mich, dass ich das Geld für meine Wahlwerbung stattdessen nicht in soziale Projekte investiert habe.»

Umwelt- und Energiethemen liegen ihr am Herzen

Im Februar 2005 wählte das Stimmvolk die Beriker Gemeinderätin Rosmarie Groux in den Grossen Rat. «Ich war unglaublich stolz, dass ich es in den Grossen Rat geschafft hatte, trotz der Verkleinerung», sagt sie. Damals wurde der Grosse Rat von 200 auf 140 Mitglieder reduziert. Nachdem sie anfänglich in der Justizkommission tätig war, wechselte Groux nach der ersten Legislatur in die Kommission für Umwelt, Bau, Verkehr, Energie und Raumordnung, die sie zuletzt präsidierte.

Umwelt- und Energiethemen liegen der Präsidentin des Natur- und Vogelschutzvereins Berikon und Umgebung am Herzen. Im Grossen Rat und als Gemeinderätin engagierte sie sich für einen schonenden Umgang mit Landreserven und die Förderung von Sonnen- und Windenergie. Scherzhaft nennt sich Groux die «grüne Rote».

Im Herzen war Groux schon immer eine Grüne

Rückblickend würde sie heute wahrscheinlich der Grünen Partei beitreten. Doch als Groux 2001 für den Gemeinderat kandidierte und deshalb einer Partei beitreten wollte, gab es in Berikon noch keine Ortspartei. Ein Wechsel kam für sie später nicht in Frage. «Ich habe aber immer versucht, auch in der SP grüne Themen miteinzubringen», sagt sie. «Manchmal habe ich dabei zwei Seelen in meiner Brust», gibt Groux zu. «Einerseits bin ich Naturschützerin, andererseits setzte ich mich für nachhaltige Energiegewinnung ein.» Manchmal führe dies in ein Dilemma, wenn für Wasserenergie Flüsse gestaut werden, was zwar gut für die Umwelt, aber schlecht für die Natur sei.

Als ein Highlight ihrer Karriere bezeichnet die Stiftungsrätin der Stiftung Reusstal die Verhinderung des Richtplaneintrags für den Golfplatz in Niederwil. Politisch aktiv wird Groux als Vizeamtsfrau von Berikon weiterhin bleiben. Ob sie für eine weitere Amtszeit als Gemeinderätin zur Verfügung steht, lässt sie offen. Definitiv nicht mehr kandidieren will sie für den Grossen Rat in vier Jahren. «Dieses Kapitel habe ich für mich nun abgeschlossen.»