Oberlunkhofen

Was diese Sägerei herstellt, ist eine echte Seltenheit – und sie beliefert sogar Paris

Erich Sidler wusste, dass seine Sägerei keine Zukunft haben würde, und stieg auf die Brettstapelherstellung um.

Erich Sidler wusste, dass seine Sägerei keine Zukunft haben würde, und stieg auf die Brettstapelherstellung um.

Die Firma Sidler Holzbau AG ist eine von nur drei Schweizer Firmen, die Brettholzstapel herstellen

«Vor einigen Jahren lieferten wir unsere Brettholzstapel für den Bau eines Schulgebäudes nach Paris», erzählt Erich Sidler, Geschäftsführer der Sidler Holzbau AG in Oberlunkhofen. Obwohl die Firma mit sieben Mitarbeitern eher klein ist, konnte sie sich etablieren. Denn der Familienbetrieb ist einer von nur drei Firmen in der Schweiz, die Brettholzstapel herstellen.

Aber was ist das eigentlich? «Es handelt sich um Bretter, die durch einen Buchendübel zusammengehalten werden», erläutert er. «Sie werden hauptsächlich als Geschossdecken verwendet, können aber auch in Wänden verbaut werden.»

Bei anderen Verarbeitungsmethoden werden Bretter zusammengeleimt. «Das Dübeln hat den Vorteil, dass das Produkt ohne Leim auch keine Giftstoffe enthält», erklärt der Ottenbacher. «Ausserdem dehnt sich Holz bei Feuchtigkeit um etwa vier Prozent aus, bei Trockenheit zieht es sich wieder zusammen. Durch diese Art der Verarbeitung kann verhindert werden, dass sich grössere Lücken bilden.»

An einem kleinen Ausschnitt einer Geschossdecke zeigt er dies genauer: «Wenn das Holz zu einem Stück zusammengeleimt wird, dehnt sich das ganze Stück aus. Vier Prozent sind bei einer Geschossdecke oder einem Wandelement ganz schön viel. Bei Brettholzstapeln hat es durch die Dübel zwischen den einzelnen Brettern kleine Spalten, die dem Holz Raum für seine Bewegungen lassen. Die Gesamtbreite des Elements bleibt so immer gleich.»

Keine Zukunft für Sägerei

An der Technikerschule hörte Sidler zum ersten Mal von Brettholzstapeln. «Die ETH Lausanne erfand sie in den 90er-Jahren», erzählt Sidler. «Ich wusste damals schon, dass unsere Sägerei keine Zukunft haben würde. Wir waren viel zu klein, um mit der Massenproduktion mithalten zu können.»

Er bewegte seine Eltern dazu, Stück für Stück auf die Brettholzstapelproduktion umzusteigen. «Unser grösster Vorteil war, dass wir durch die Sägerei schon viele Maschinen hatten, denn die Anschaffungskosten sind enorm», erzählt der Säger. «Wahrscheinlich ist das der Grund, weshalb es schweizweit nur drei Produzenten gibt.»

Die Herstellung gestaltet sich einfach. «Das noch eher unbekannte Produkt wird immer öfter eingesetzt, da es viele Vorteile mit sich bringt.» Zuerst werden die Bretter gehobelt, um sie von Ästen zu befreien. Anschliessend werden sie nebeneinandergelegt und in jedes Brett wird ein Loch gebohrt. Dort werden die Buchendübel eingesetzt. «Die Feuchtigkeit wurde aus den Dübeln gepresst.

In den Löchern gehen sie durch die Feuchtigkeit in der Luft auf und halten so die Bretter zusammen.» Anschliessend werden noch Öffnungen für Lampen oder Lüftungsschächte gebohrt. Die Elemente liefert der Betrieb direkt auf die Baustelle. Die Firma Sidler hat gebenüber ihren beiden Mitbewerbern auf dem Schweizer Markt einen entscheidenden Vorteil: «Die beiden anderen Schweizer Firmen sind gleichzeitig Zimmereien. Somit stellen sie für andere Bauunternehmen eine Konkurrenz dar, wohingegen wir eng mit ihnen zusammenarbeiten, da wir ihnen nur die nötigen Rohteile liefern.»

Holzbau auf dem Vormarsch

Die Brettholzstapelnachfrage ist in den letzten Jahren gestiegen. Verantwortlich für diese Entwicklung ist laut Sidler der Bauboom der letzten Jahre. Gleichzeitig möchten viele die Bauzeiten immer mehr verkürzen. «Hier ist der Holzbau klar im Vorteil», erläutert er. «Denn der kommerzielle Bau arbeitet mit nassem Zement. Dieses braucht viel Zeit zum Trocknen. Holzbauten sind nicht feucht, die Bauzeit ist hier viel kürzer.»

Sein Holz bezieht der Geschäftsmann zu 60 Prozent aus der Schweiz, den Rest aus Deutschland oder Österreich. Damit beliefern sie die ganze Schweiz und sogar das Ausland. Doch: «Bei den aktuellen Europreisen gestalten sich Lieferungen ins Ausland eher schwierig.» Derzeit werden hauptsächlich Mehrfamilienhäuser mit ihren Produkten gebaut. «Aber durch die neuen Brandschutzverordnungen haben wir endlich die Möglichkeit, auch grössere Gebäude zu bauen», erklärt Sidler. «Man könnte auch ganze Hochhäuser aus Holz bauen.»

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