Aschermittwoch
Warum sich die Christen ein Aschekreuz aufs Haupt streuen

Die Fasnacht 2018 ist Schnee von gestern, denn der Aschermittwoch leitet die 40-tägige Buss- und Betzeit vor Ostern ein. Zu deren Beginn streuen sich die Christen Asche über den Kopf – sie steht für den Kreislauf des Lebens.

Christian Breitschmid
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Am vergangenen Samstagabend verbrannten die Gläubigen in Merenschwand ihre Palmzweige vom Vorjahr, um gesegnete Asche für den heutigen Aschermittwoch zu erhalten.

Am vergangenen Samstagabend verbrannten die Gläubigen in Merenschwand ihre Palmzweige vom Vorjahr, um gesegnete Asche für den heutigen Aschermittwoch zu erhalten.

Christian Breitschmid

Als diese Zeilen gedruckt wurden, tanzten angefressene Fasnächtler noch im siebten Himmel. Als diese Zeitung dann auf dem Weg in den Abonnentenbriefkasten war, da begegnete der hellwache Verträger oder die muntere Verträgerin auf der Strasse sicher noch der einen oder anderen «Fasnachtsleiche». Wenn dieses Druck-Erzeugnis heute Abend auf dem Altpapierstapel landet, dann ist die Fasnacht nach altem Brauch beendet und es beginnt die Fastenzeit.

Als Gegenstück zum Schmutzigen Donnerstag, dessen Name auf die in reichlich Fett (Mittelhochdeutsch: schmotz oder schmutz) gebackenen Küchlein verweist, leitet der Aschermittwoch die 40-tägige Buss- und Betzeit vor Ostern ein.

Als Zeichen der Bussbereitschaft und der Besinnung lassen sich Christen an diesem Tag von ihrem Seelsorger ein Aschekreuz auf den Kopf streuen oder auf die Stirn malen. Dazu spricht er wahlweise die Worte: «Bedenke, Mensch, dass du Staub bist, und zum Staub kehrst du zurück» oder «Kehrt um, und glaubt an das Evangelium».

Francesco Marra, Diakon im Pastoralraum Muri AG und Umgebung, Bezugsperson für die Pfarrei Bünzen, wählt zur Ascheverteilung auch gerne ein anderes Bibelzitat: «Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer!»

Dabei betont der studierte Theologe, dass das Aschermittwochsritual zwei Aussagen miteinander kombiniert: «Das irdische Leben ist nicht unendlich, und alles vergeht. Aber wir sind vor allem Gottes Abbild und ihm ähnlich. So sind wir fähig zu Grossem, zu ewigem Leben durch Christus. Also ja, wir sind Asche – und gleichzeitig viel mehr als Asche.»

46 Tage dauert streng genommen die ganze Fastenzeit. Weil aber die Sonntage als «Feiertage der Auferstehung» nicht zur Fastenzeit zählen, verbleiben die hinlänglich bekannten 40 Tage. Die aktuelle Fastenordnung der Kirche gebietet nur gerade zwei Fasttage, den Aschermittwoch und den Karfreitag.

Biologisch abbaubar

Wer sich während der Fasnacht ohne Skrupel die unterschiedlichsten Mischgetränke hinter die Binde giesst und dazu dem Magen allerlei Deftiges zu verdauen gibt, der fragt am Aschermittwoch wohl auch nicht nach der Herkunft der Asche auf seinem Brummschädel. Dabei ist diese rein organisch und erfüllt alle Bedingungen eines biologisch abbaubaren Reinigungsmittels.

«Die schönste Asche kriegt man, wenn man nur Palmblätter und Stechpalmenzweige verbrennt», erklärte die Sakristanin von Merenschwand, Jannette Klausner, anlässlich der diesjährigen Palmzweigverbrennung vor der Pfarrkirche. «Diese Blätter ergeben eine ganz feine, fast weisse Asche. Buchs und andere Pflanzen werden dagegen sehr dunkel und nicht so fein.»

Asche ist ein Reinigungsmittel

Deshalb schöpft die Sakristanin die erkaltete Asche vor der Messe heute Abend in ein feines Sieb und füllt nur den hellen Teil in ein separates Gefäss, zur anschliessenden Segnung in der sogenannten Aschermittwochs-Liturgie. «Der Rest wird aufbewahrt», so Klausner, «denn es kann ja immer mal ein Missgeschick passieren mit der Asche. Dann ist man froh, wenn man noch etwas in Reserve hat.»

Asche ist von Alters her ein effektives Reinigungsmittel. Von daher dient das Ritual der Ascheauflegung nicht nur als Zeichen der Bussbereitschaft und zur Erkenntnis der eigenen Vergänglichkeit, sondern es ist auch eine symbolhafte Reinigung des Menschen und seiner Seele.

«Merenschwand macht das liturgisch sehr korrekt mit der Verbrennung am Sonntag vor Aschermittwoch», bestätigt Francesco Marra. «Eine andere Variante besteht darin, die Palmzweige vom Vorjahr im Osterfeuer zu verbrennen und die Asche dann im Jahr darauf am Aschermittwoch aufzulegen. So machen es zum Beispiel Muri und Boswil.»

Jannette Klausner freut sich jedes Jahr auf das schöne Ritual vor der Kirche: «Ich schaue mir diese Zweige und Blätter an und denke daran, was für schöne Pflanzen das waren. Dann bleibt ein Häufchen Asche zurück und ich weiss, wenn man einen Samen in dieses Häufchen legt, dann wächst daraus wieder so eine schöne Pflanze. Das ist doch faszinierend.»