Seit 30 Jahren steht der Murianer Musiker, Erzähler und Schauspieler Philipp Galizia auf der Bühne. Seit rund 16 Jahren füllt er die Säle als Alleinunterhalter. Aber nur die kleinen. Für die grossen Bühnen sei er zu wenig schrill und zu wenig laut, sagt er. Galizia berichtet mit Schalk, Biss und viel Tiefgang von besonderen Menschen. Etwa von Lunzi dem Totengräber (Am Seil abeloh), von Hundehalter Beni (Läufig – ein Hundejahr), von Ralph, der Frau und Job verloren hat (Gratis zum Mitnehmen). Oder von Jakob im Jenseits (Jakob Engel) und von den Murianer Nachtschattengewächsen (Geschichten aus der Bahnhöflibar).

An einer Vorstellung von Philipp Galizia tränen die Augen der Besucher meist doppelt: vor Lachen und vor Rührung. Der 53-Jährige erzählt Geschichten aus dem Leben und produziert Kopfkino. Jeder ist schon einmal einem jener Menschen begegnet, von denen er erzählt, alle haben schon eine jener Situationen erlebt, die er parodiert. Philipp Galizia ist Unterhalter und Philosoph in einem. So sehr seine Geschichten und die Art, wie er sie erzählt, zum Schmunzeln sind, so sehr regen sie zum Nachdenken an. Zum Nachdenken über das Leben und oft auch zum Nachdenken über den Tod.

Das hat seinen Grund. Philipp Galizia hatte in jungen Jahren einen schweren Motorradunfall. Unverschuldet. Tagelang schwebte er zwischen Leben und Tod. Ein befreundeter Arzt hat einmal zu ihm gesagt: «Ich staune nach wie vor, dass man einen solchen Unfall überleben kann.» Philipp Galizia bildete sich damals an der Jazz-Schule in Luzern weiter, spielte Gitarre und Violine. Und übte für das erste Programm mit dem legendären Trio «Les Schapoo». Nach dem Unfall konnte er nicht mehr Gitarre spielen, zwei Finger waren steif. Galizia wechselte das Instrument, und so tourte das Trio in den 80er-Jahren halt mit einem Kontrabassisten statt mit einem Gitarristen erfolgreich durch die Schweiz und Deutschland. Seither ist der Kontrabass sein Markenzeichen.

«Ich bin tiefgründig»

«Mit meinem Unfall habe ich es auf die ‹Blick›-Titelseite gebracht. Das ist mir weder mit ‹Les Schapoo› noch mit den späteren Formationen ‹Familie Trüeb› oder dem ‹Pfannestil Chammer Sexdeet› gelungen und auch nicht mit meinen bisherigen Soloprogrammen», sagt der Murianer. «Macht nichts», sinniert er weiter, «grosse Schlagzeilen würden mir zwar vielleicht helfen, viel Geld zu verdienen. Aber um solche Schlagzeilen zu bekommen, müsste ich wohl zuerst laut werden, mich anpassen oder einen zünftigen Skandal produzieren. Ich bin aber nun mal kein Brüller, ich bin tiefgründig, und das ist nicht Uni-zertifiziert.»

Seine Programme seien Programme zum Mitfühlen: «Die Menschen müssen ihr Herz öffnen und meine Geschichten mitleben können. Dann stimmt es für beide Seiten.» Würde er Cabaret machen oder Satire, müsste er anders agieren: «Da wird oft nach dem Motto: ‹Chömid, jetzt machid mer euis über de oder die luschtig› verbal auf eine Person im Publikum eingedroschen. Das entspricht nicht meinem Charakter.» Er wolle den Abend zusammen mit allen Anwesenden geniessen und nicht Leute vor den Kopf stossen, nur damit die Kasse klingle.

Die Frau hilft mit

Weil er seine Seele nicht verkauft, hat die Kasse für den Musiker, Erzähler und Schauspieler Philipp Galizia in den letzten Jahren manchmal etwas weniger geklingelt. Er bessert sie neben der Bühne auf: als Kunstschmied, Zeltbauer, Gartenbauer und Trockenmaurer oder Musiklehrer an der Privatschule «Lern mit» in Wohlen. Seine Familie ziehe und trage mit: «Meine Gattin Andrea ist auch berufstätig. Wir bringen unsere Familie durch, es stimmt für uns», sagt er.

Man könne die Ferien ja auch in einem alten Wohnwagen verbringen, ohne Traumstrand. Und überhaupt: «Ich bin ein Regionalkind. In unserem Quartier, im Dorf Muri, im Freiamt – da kann ich mich geben, wie ich bin, ich sein und mich mit meiner Familie wohlfühlen. Als Star auf den grossen Bühnen müsste ich mich dauernd neu inszenieren. Ich glaube nicht, dass mich das erfüllen würde.»

Am Samstag, 15. September, feiert Philipp Galizia mit seinem neuen Programm «Kater» (Text links) Premiere. Erstmals, sagt er, spiele er eine Figur und trage sogar ein Kostüm: «Ganz verrückt, mit Goldschüeli und so», lacht er. Er bleibe auch in diesem Programm authentisch und er hoffe, dass er damit Erfolg habe. «Weisch, so e paar Uftritt meh wärid halt scho ned schlächt.»