Motocrossfahrer und -fahrerinnen gehören zweifellos zu einer ganz eigenen Gattung Mensch. Man sagt, in ihren Adern fliesse kein Blut, sondern Benzin. Nun, beim einen oder anderen Sturz am vergangenen Wochenende zeigte sich dann doch, dass der Lebenssaft der Motocrosser genau so dick und rot ist, wie der von gewöhnlichen Menschen. Aber härter im Nehmen sind sie auf alle Fälle.

Auch wenn sie den Dreck sämtlicher Konkurrenten schlucken mussten, auch wenn sie von der Ideallinie abgewichen sind und selbst dann, wenn keiner der grossen Sprünge, Hilfiker-Jump, Raiffeisen- oder Printlook-Sprung, perfekt gelungen ist: Sobald der Lokalreporter mit der Kamera auf sie zielte, sassen sie bockgerade im Sattel, strahlten von einem Ohr zum andern und reckten den Daumen in die Höhe.

Eine grosse Gemeinschaft

«Wir sind eine grosse Gemeinschaft», bestätigte Walter Schudel aus Beggingen, Vater und Coach von Remo Schudel, der mit seiner 125er-KTM im Team Zachmann bei den Masters MX 2 um den Aufstieg in die höhere Klasse fuhr, die positiven Eindrücke auf dem Gelände.

Während er in der Waschanlage hinter dem Fahrercamp die Cross-Maschine seines Sohnes von Erde und Staub befreite, schwärmte er von der Stimmung, die jedes Jahr in Wohlen und beim Motocross überhaupt herrscht: «Wir sind zuerst einmal alle Kollegen. Wir tauschen uns aus und helfen uns gegenseitig, unabhängig davon, welche Motorradmarke einer fährt. Nach den Rennen heute grillieren wir zusammen und schauen uns auf meinem Laptop dann das Qualifikationsrennen des MX Grand Prix in Portugal an.»

Wer die friedliche, ruhige Atmosphäre rund um die Rennstrecke an diesem Wochenende wieder genossen hat, vergass vielleicht, dass in jedem einzelnen Rennanzug ein Mensch steckte, der sich und seinen Körper mit grosser Disziplin und eisernem Training fit hält, um den Anforderungen auf der Piste gewachsen zu sein.

Nur wer fit ist, hat Chancen

«Der Morgen beginnt eineinhalb Stunden vor dem Rennen mit Jogging», erklärte Schudel senior zum Thema Training. Nach Frühstück und Rennvorbereitungen gehts dann an den Start. Nach dem Rennen wird die Maschine gewartet, der Fahrer widmet sich der gezielten Entspannung, und am Abend wird vor dem Nachtessen nochmals eine halbe Stunde gejoggt, um dann spätestens um 21 Uhr in den Federn zu sein.

Disziplin und Ordnung prägen diese Welt. «Schauen Sie sich um», sagte Schudel, «hier gibt es kein Littering. Wir leben hier in Federer-Manier.» Vielleicht waren darum auch wieder so viele Eltern mit ihren Kindern in Hilfikon, weil man von der Fairness, dem Anstand und der Ordnung der Motocrosser viel fürs Leben lernen kann.