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Warum mehr Vogelarten im Freiamt überwintern

Ein Schwarm Weissstörche, die im Freiamt überwintern, sitzt eng zusammen beim Schlafplatz im Flachsee bei Rottenschwil.

Ein Schwarm Weissstörche, die im Freiamt überwintern, sitzt eng zusammen beim Schlafplatz im Flachsee bei Rottenschwil.

Das Klima verändert sich. Das führt dazu, dass immer mehr Vögel in der Region überwintern, als noch vor einigen Jahren.

Zwischen 4000 und 5000 Wasservögel überwintern hier im Freiamt. Das sind rund 1,5 Prozent aller überwinternden Wasservögel der Schweiz. «Besonders am Flachsee gibt es viele Wasservögel, die dort den Winter verbringen», sagt Andrea Fuchs, Co-Präsidentin des Natur- und Vogelschutzvereins Wohlen. «Neben dem Gewässer gibt es nämlich auch ideale Schilfgürtel für die Tiere als Ruhezone.» Die Arten reichen hier vom bisher seltenen Silberreiher bis zur bekannten Stockente.

Manche Vögel ziehen, wenn es kälter wird, aber auch weg. Stefan Bachmann, Medienverantwortlicher der Naturschutzorganisationen Bird Life Schweiz, schreibt: «Vielen Insektenfressern fehlt es in den kalten Monaten an Nahrung. Vögel wie Schwalben, Finken oder Stare ziehen deswegen in wärmere Gebiete.» Die Destination der Vögel kann dabei ganz unterschiedlich ausfallen. Bachmann erklärt: «Es gibt Kurz- und Langstreckenzieher. Die einen fliegen nur ans Mittelmeer oder nach Spanien. Die anderen überqueren das Mittelmeer und fliegen bis nach Südafrika. Die Küstenseeschwalbe zieht sogar bis in die Antarktis.» Es gibt aber auch sogenannte Standvögel, die im Freiamt bleiben. Es handelt sich hierbei mehrheitlich um Pflanzenfresser, die eher Nahrung finden können.

Mildere Winter heissen die Vögel willkommen

Das Klima verändert sich, auch im Freiamt werden die Winter milder. Deswegen bleiben immer mehr Vögel in den Wintermonaten hier, anstatt wegzuziehen. «Dazu gehören beispielsweise der Weissstorch, der Rotmilan und die Ringeltaube», schreibt Livio Rey, Mediensprecher der Schweizerischen Vogelwarte Sempach. Bachmann ergänzt: «Bei Schnee kann es aber auch sein, dass die Tiere wieder wegziehen. Solange sie Nahrung finden können, bleiben sie aber hier. Der Wegzug braucht viel Energie, ist gefährlich und im Winterquartier gibt es Konkurrenz.» Andrea Fuchs sagt: «Ein besonderer Anblick in den letzten Jahren ist das vermehrte Aufkommen der Silberreiher. Früher gab es den Vogel nur sehr selten im Freiamt. Vor zehn Jahren haben sie noch gar nicht bei uns überwintert.»

Es gibt aber auch Vögel, bei denen das Gegenteil der Fall ist. Livio Rey schreibt: «Das Vorkommen des Höckerschwans und der Löffelente hat in den letzten Jahren abgenommen. Die Schellente ist mittlerweile als Wintergast im Freiamt sogar ganz verschwunden.» Neben den einheimischen Vögeln, die im Freiamt überwintern, sieht man auch immer häufiger Gäste aus dem Norden. «Es ist nicht selten, dass auch Mäusebussarde aus nördlicheren Gebieten im Winter zu uns ziehen. Sie finden hier bessere klimatische Bedingungen», schreibt Bachmann.

Die Liste der Vögel, die das Freiamt aufsuchen, ist lang. Blashühner, Seidenschwänze und Bergfinken sind nur einige davon. «Das Mass der Einflüge ist von Winter zu Winter unterschiedlich», so Bachmann. «Manchmal kommen beispielsweise viele Eichelhäher zu uns, manchmal wenige. Aufgrund der milderen Winter kann man aber sagen, dass immer mehr Vogelarten bei uns überwintern.» Eine Zahl dazu nennt ­Livio Rey: «Alleine 30 bis 37 Wasservogelarten pro Jahr überwintern im Freiamt.»

Grosse Artenvielfalt muss kein gutes Zeichen sein

Die Zahl der Vogelarten im Freiamt steigt also stetig. «Die Anzahl verschiedener Arten alleine ist aber kein guter Indikator, um den Zustand der Natur zu beschreiben», so Bachmann. «Obwohl immer mehr Vogelarten im Freiamt überwintern, ist die Anzahl Vögel pro Art gesunken», erklärt er. «So kann es sein, dass aufgrund des Klimawandels immer mehr Vogelarten in der Schweiz auftauchen, aber der Bestand pro Arten trotzdem sinkt. Ausserdem kann es vorkommen, dass vom Menschen eingeschleppte exotische Vögel ins Land gelangen, die hier nichts zu suchen haben und einheimische Tiere gefährden.» Dies bestätigt auch Livio Rey: «Seit dem Jahr 2000 sind es deutlich weniger Vögel geworden. Im Jahr 2000 überwinterten noch rund 6000 Wasservögel im Freiamt. Der Wert sank bis 2008 auf 4000 Individuen, mittlerweile sind es jedoch wieder rund 5000.»

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