Stiftung Reusstal

Warum keine Schiffe durchs Freiamt fahren

Josef Fischer ist seit 1989 Geschäftsleiter der Stiftung Reusstal.

Josef Fischer ist seit 1989 Geschäftsleiter der Stiftung Reusstal.

Vor etwas mehr als 60 Jahren entstand ein Traum: Schiffe hätten von Luzern über die Reuss bis zur Aare-Mündung fahren sollen. Doch gegen das Projekt ergriffen Naturschützer die Opposition.

Vor etwas mehr als 60 Jahren entstand ein Traum: Schiffe hätten von Luzern über die Reuss bis zur Aare-Mündung fahren sollen. Von Rathausen bis Gebenstorf waren deshalb 15 Flusskraftwerke geplant – nicht nur, um Strom zu erzeugen, die Kraftwerke sollten auch als Schleusen fungieren, denn der Fluss ist an vielen Stellen schlichtweg nicht tief genug.

1959, als der Wasserwirtschaftsplan ausgearbeitet wurde, hatte die Strasse noch nicht dieselbe Bedeutung wie heute, dementsprechend schien die Reuss ein alternativer Transportweg zu sein. Gegen das Projekt ergriffen Naturschützer die Opposition. In Bremgarten gab es damals bereits ein Kraftwerk – der Vorgänger vom heutigen Stauwehr. Da sich der Protest nicht gegen dieses bestehende Kraftwerk richten sollte, lancierten die Gegner der Schifffahrt die «Gesetzesinitiative zur freien Reuss», die es untersagt, dass der Fluss zwischen Bremgarten und Gebenstorf verbaut wird. Dieses Projekt war der Einstand für die Stiftung Reusstal. «Das Gesetz wurde angenommen und ist bis heute in Kraft. Damit war auch der Wasserwirtschaftsplan gestorben», erklärt Josef Fischer, seit 1989 Geschäftsleiter der Stiftung Reusstal.

Die Wächterin

Die 60er-Jahre standen im Zeichen der Reusstalsanierung. Die Stiftung Reusstal tätigte 1963 erste Landkäufe, denn als betroffene Landeigentümerin durfte sie fortan mitreden. Dank diesem Einsatz konnte das Projekt Flachsee überhaupt erst realisiert werden. Heute, 40 Jahre nach dem Neubau des Kraftwerks Zufikon-Bremgarten, das den Flachsee quasi «verursacht», hat die Stiftung keineswegs an Bedeutung verloren.

«Wir sind nach wie vor eine Wächterin», sagt Fischer und bringt ein aktuelles Beispiel: «In Unterlunkhofen, in Nachbarschaft von drei nationalen Naturschutzgebieten und in einer kantonalen Landschaftsschutzzone, ist eine Trüffelplantage geplant, gegen die wir Einsprache erhoben haben.» Der Grund: Der Trüffelpilz wächst in Symbiose mit Holz. Über ein Drittel der 1200 gepflanzten Setzlinge sind aber exotische Hölzer. «Nur mit Pflanzen, die natürlicherweise an diesem Standort wachsen würden, bleibt die Biodiversität erhalten. Zudem soll die Plantage mit Maschendrahtzaun gesichert werden, und das tangiert den nationalen Wildtierkorridor, der mitten durch das Gebiet führt.»

Amphibien über die Strassen helfen

Fischer hilft der Natur, zusammen mit vielen freiwilligen Helferinnen, aber auch direkt vor Ort. Amphibien wie Grasfrösche oder Erdkröten, die den Winter im Wald verbracht haben, zieht es jetzt ans Gewässer. Damit es an diversen Zugstellen nicht zu einem Massaker kommt, sind entlang der Strasse Amphibienzäune angebracht. Weil die Frösche nicht mehr über die Strasse hüpfen können, bewegen sie sich entlang dieses Zauns, bis sie in einen der Kübel fallen, die alle 20 Meter aufgestellt sind. «Jeden morgen kontrollieren wir die Kübel und bringen die Tiere über die Strasse, 1549 waren es im 2014 alleine am Nueschhau Unterlunkhofen», sagt Fischer.

Die Stiftung Reusstal pflegt ausserdem kleinere Naturschutzgebiete von regionaler Bedeutung, die grossen nationalen Biotope übernehmen Bund, Kanton und es gibt Verträge mit den Bauern. Die Stiftung ist auch bemüht, den Gedanken des Umweltschutzes weiterzugeben. Nebst einem Angebot an öffentlichen Exkursionen (siehe Kasten) finden jedes Jahr zwischen 70 und 80 «massgeschneiderte» Anlässe statt.

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