Wohlen
Warum in dieser antiken Wettersäule blondes Frauenhaar eingebaut ist

Die antike Wetterstation ist aufgefrischt, deren Instrumente sind revidiert und neu kalibriert. Eine der Anzeigen, das Hygrometer, enthält sogar blondes Frauenhaar.

Walter Christen
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Im Hygrometer ist Frauenhaar eingebaut: Wetterstation vor dem Gemeindehaus Wohlen ist erneuert worden (Zweiter von links: Restaurator Karl Vögeli). chr

Im Hygrometer ist Frauenhaar eingebaut: Wetterstation vor dem Gemeindehaus Wohlen ist erneuert worden (Zweiter von links: Restaurator Karl Vögeli). chr

Zwischen Granitsockel und Kupferdach befindet sich der Instrumentenkasten im antiken Wohler Wetterhäuschen, das in den letzten Monaten aufgefrischt wurde und nun an seinem neuen Platz vor dem Gemeindehaus steht. Vereinfacht gesagt, misst die Wetterstation die Temperatur, die Feuchtigkeit und den Luftdruck. Eines der eingebauten Instrumente weist eine Besonderheit auf. Es handelt sich um das Hygrometer, welches die Luftfeuchtigkeit misst und ein paar Strähnen Haar enthält, die zum Dehnen und Zusammenziehen des Zeigers für die Messskala dienen.

Haar dehnt und verkürzt sich

Haar dehnt sich in feuchtem Zustand. Sobald es trocken ist, wird es wieder kürzer. Tests haben ergeben, dass sich schwarzes Haar weniger gut dehnt und deshalb die Kalibrierung des Hygrometers schwieriger wäre.

«Deshalb haben wir bei der Revision des Messinstruments aus der Wohler Wetterstation blondes Haar verwendet», erklärte Karl Vögeli vom Meteo- und Instrumentenservice aus Degersheim bei der Einweihung der restaurierten Wetterstation. Er hat die fachmännische Revision des Instrumentariums durchgeführt, unter tatkräftiger Mithilfe seiner Frau Gertrud. Das blonde Haar jedoch kam von einer anderen Frau ins Hygrometer: «Die Haare durften wir der Tochter eines Kollegen abschneiden. Es handelt sich um 30 blonde, 23 Zentimeter lange Haare, die wir benötigt haben», so Karl Vögeli. Und siehe da – die Anzeige funktioniert tadellos mit dem blonden Frauenhaar.

Beitrag zur Dorfverschönerung

Gemeinderat Ruedi Donat, Präsident der Ortsbürgerkommission, sprach dem erfolgreichen Restaurateur sowie den beteiligten Handwerkern den Dank für die gelungene Arbeit aus und wies darauf hin, dass die Ortsbürger in den letzten 15 Jahren in verdankenswerter Weise viel zur Verschönerung des Dorfes beigetragen hätten. Dazu zählt auch die Finanzierung der Restauration der Wetterstation, die der Einwohnergemeinde gehört. Da nun die Wettersäule auf der Wiese vor dem Gemeindehaus steht, wird sie von der Bevölkerung sicher stärker beachtet. Ausserdem liefert sie zuverlässigere Daten, als am bisherigen Standort neben der Bibliothek.

Zur Erinnerung: 1903 schenkte der Gemeinnützige Ortsverein der Einwohnergemeinde die Wetterstation aus Anlass der Centenarfeier des Kantons Aargau in Wohlen. «Es handelt sich um eine Wettersäule der Firma Lambrecht in Göttingen. Dieses Unternehmen besteht noch immer, aber solche Wetterstationen werden nicht mehr produziert», erläuterte Karl Vögeli, der mit Genugtuung feststellte, dass noch sämtliche Original-Instrumente in der Wohler Wettersäule vorhanden sind.