Bei fast jedem Einkauf bekommt man sie zu sehen: Die grünen Plastikkisten der Marke IFCO, in denen je nach Jahreszeit und Angebot Kürbisse, Pflaumen oder Bauernbrot präsentiert werden. Nahezu all diese Mehrweggebinde, wie sie in der Fachsprache heissen, waren schon einmal in Villmergen. Pro Jahr werden dort, bei der Gebinde Logistik Center AG (GLC), 86 Millionen dieser Kisten gewaschen und wieder ausgeliefert, jeder Schweizer leert im Schnitt zehn Kisten pro Jahr. Der Bedarf ist zunehmend: Um zusätzlichen Platz zu schaffen, baut die GLC auf der Parzelle an der Nordstrasse neben dem bestehenden Areal ein Lager- und Logistikgebäude.

Sortiert, geprüft, gewaschen: So geht Gebindereinigung in Villmergen.

Sortiert, geprüft, gewaschen: So geht Gebindereinigung in Villmergen.

Anlässlich dieses Ausbaus lud die GLC zur Betriebsbesichtigung. Betriebsleiter Urs Winkelmann erklärt, wie die Arbeit im Logistikcenter genau abläuft: «Beispielsweise nimmt ein Kunde den letzten Kopfsalat aus einer Kiste im Coop, dann wird sie zusammengelegt und kommt in die Coop-Zentrale in Dietikon. Von dort wird sie von einem Lastwagen der Firma Zingg abgeholt, zu uns gebracht, wieder vorbereitet und dann vielleicht an einen Gemüsehändler ausgeliefert.» Die Kisten gibt es in zehn verschiedenen Grössen, deshalb werden sie vor dem Waschen sortiert. Ein Roboter prüft, ob die Scharniere noch halten. Manche der Mehrweggebinde sind schon seit über zehn Jahren im Umlauf. «Das Problem ist nicht, dass die Mehrweggebinde kaputt gehen, wir haben eine Defektrate von nicht einmal einem Prozent – die Kisten sind aber so gut, dass einige nicht zurückkommen, weil sie mache Leute selber auswaschen und weiterverwenden. Ich nenne das die Verdunstrate», erklärt Winkelmann und schmunzelt.

Pro Stunde werden 20 000 Kisten sortiert. Weil das Waschen länger dauert, gelangen in dieser Zeit «nur» 16 000 davon auf die Waschstrasse. «Wegen des Nachtfahrverbots können wir das aufholen, hier wird rund um die Uhr gearbeitet. Ob wir den Betrieb nachmittags um vier oder morgens um vier besichtigen würden, spielt keine Rolle», erklärt Winkelmann.

Die nassen Kisten gelangen in eine Zentrifuge, wo sie für 75 Sekunden lang geschleudert und so getrocknet werden. Das ist eine besonders energiesparende Methode, wie Winkelmann erklärt. Danach werden sie palettiert und wieder in Lastwagen verladen.

Zwei Kunden, viel Erfolg

Der Betrieb sei stetig gewachsen, so der Betriebsleiter. Der Erfolg der letzten Jahre hat das bestehende Gebäude an seine Kapazitätsgrenzen gebracht und den Neubau auf der Nachbarparzelle notwendig gemacht. Die beiden Bauten werden mit einer Passerelle verbunden. Bewilligt wurde ein Gebäude mit einer maximalen Grundfläche von 99 Metern Länge, 74 Metern Breite, 26 Meter hoch. In einer ersten Etappe wird nur eine Grundfläche von 33 mal 74 Meter realisiert. Es soll hauptsächlich als Lager dienen, zusätzlich wird für die Firma Zingg Transporte AG ein Bürobereich eingebaut. Das Gebäude wird die Anforderungen an Minergie-P erfüllen, das Dach ist für eine Photovoltaikanlage gerüstet. Ebenso ist ein Bahnanschluss vorbereitet und kann innerhalb kurzer Zeit realisiert werden.

Die GLC AG hat nur gerade zwei Kunden: Neben der IFCO ist dies CHEP, die blaue Paletten herstellt. Diese werden ebenfalls nach einmaligem Gebrauch nach Villmergen gefahren, wo sie überprüft und allenfalls extern in Reparatur gegeben werden.