Kriminalstatistik

Warum die Geltwiler und Kallerer die brävsten Aargauer sind

Verhaftung? Nicht in Geltwil oder Kallern. Dort leben die brävsten Aargauer. (Symbolbild).

Verhaftung? Nicht in Geltwil oder Kallern. Dort leben die brävsten Aargauer. (Symbolbild).

Im Freiamt werden im Schnitt deutlich weniger Straftaten verzeichnet als im übrigen Kanton Aargau. In Geltwil und Kallern wurde im vergangenen Jahr sogar keine einzige Straftat registriert. Warum das? Klar ist: Eine Statistik kann auch täuschen.

Zieht man die nackten Zahlen der Kriminalstatistik zurate, gehören die Freiämter Bürgerinnen und Bürger zu den brävsten im Land. Auf 1000 Einwohner in der Schweiz kamen 2014 im Durchschnitt 64,6 Straftaten. Im Aargau lag der Schnitt mit 50,5 Straftaten schon deutlich tiefer.

Im Freiamt kommen auf 1000 Einwohner 22,8 Straftaten – das ist nicht einmal halb so viel wie im übrigen Aargau. Der Schnitt liegt im Bezirk Bremgarten mit 25,2 etwas höher als im Bezirk Muri mit 20,9.

Mit Geltwil und Kallern führen zwei Gemeinden aus dem oberen Freiamt die kantonale Statistik an: In beiden Orten wurden im vergangenen Jahr keine Straftaten registriert.

Auf der Freiämter Rangliste ganz oben stehen zudem auch Uezwil mit 2,4 Straftaten auf 1000 Einwohner, Jonen mit 5,1 und Beinwil mit 5,6. Noch vor einem Jahr hat das etwas anders ausgesehen: Kallern war damals ebenfalls Spitze, jedoch nicht mit 0 sondern 3,2 Straftaten auf 1000 Einwohner, gefolgt von Islisberg mit 4,9 und Abtwil mit 6,3.

Vorsicht bei der Interpretation

Deutlich über dem kantonalen Schnitt und sogar knapp über dem landesweiten Mittel liegen im Freiamt nur Wohlen mit 66,2 Straftaten auf 1000 Einwohner und Bremgarten, das mit 67,8 den Schlussrang in der Freiämter Kriminalstatistik belegt. Bremgarten hat sich gegenüber dem Vorjahr (71,8 Straffälle) deutlich verbessert, Wohlen um 0,9 Punkte verschlechtert.

Lebt es sich in Geltwil und Kallern nun sicherer als in Wohlen? «Eine solche Aussage wäre ziemlich fragwürdig», sagt Roland Pfister, Medienchef bei der Aargauer Kantonspolizei.

Die Statistik sage wenig über die effektive Kriminalität in einer Gemeinde aus, sie zeige lediglich die Anzahl der zur Anzeige gebrachten Straftaten: «Nehmen wir an, in Wohlen wird eingebrochen.

Daraus können gleich drei Straftatbestände resultieren: Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung und Diebstahl», erklärt Pfister und bringt ein weiteres Beispiel: «Die Fälle von häuslicher Gewalt haben im Aargau im vergangenen Jahr merklich zugenommen. Auch hier liegen im gleichen Fall oft mehrere Straftatbestände vor: Drohung, Tätlichkeit und unter Umständen auch sexuelle Nötigung.»

Frick als drastisches Beispiel

Ein drastisches Beispiel in der Aargauer Statistik ist Frick, das als «kriminellste Gemeinde der Schweiz» betitelt wurde: «In Frick», erklärt Roland Pfister, «resultiert die Rekordquote von 560 Straftaten auf 1000 Einwohner aus einem einzigen Betrugsfall, der allein rund 2500 Straftatbestände umfasste.» Wenn man diesen Betrugsfall aus der Statistik nehme, sinke der Fricker Wert sogar unter das schweizerische Mittel.

So drastische Fälle gibt es im Freiamt zwar nicht, ein Vergleich mit den Zahlen von 2013 zeigt aber, dass die Kriminalstatistik des Bundes mit sehr viel Vorsicht zu geniessen ist: Beim diesjährigen Spitzenreiter Geltwil lag die Quote im vergangenen Jahr mit 47,5 Straftaten auf 1000 Einwohner hochgerechnet (die Gemeinde zählt nur rund 190 Einwohner) nur knapp unter dem Kantonsmittel.

Apropos Kriminalstatistik: Schwere Gewaltverbrechen hat es im Freiamt 2014 zum Glück nicht gegeben. Aber nach wie vor sind zwei Morde ungeklärt: 1979 wurde die damals 74-jährige Bertha Meier in Tägerig in ihrem Bett erschlagen. Die Tat konnte bis heute nicht aufgeklärt werden. Ebenfalls bis heute nicht weiter gekommen ist die Polizei in einem Tötungsdelikt von 1984 in Aristau-Birri. Dort ist damals eine junge Frau umgebracht worden.

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