Sins
Warum die Bauern Köpfli nichts mehr von Bio wissen will

Hans und Petra Köpfli sind nach über zehn Jahren Bio zur konventionellen Landwirtschaft zurückgekehrt. Der Hof sei mit Biolandwirtschaft fast verhungert, sagt Bauer Hans Köpfli. Seine Pferde wurden auch nicht mehr trächtig.

Sebastian Hagenbuch
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Hans und Petra Köpfli aus Sins liegt in erster Linie das Wohl ihrer Pferde, Kühe und Kälber am Herzen. hag

Hans und Petra Köpfli aus Sins liegt in erster Linie das Wohl ihrer Pferde, Kühe und Kälber am Herzen. hag

«Es liegt mir am Herzen, im Einklang mit der Natur zu produzieren», sagt Hans Köpfli, Landwirt in der Altweid in Sins. Das tut der Bauer zusammen mit seiner Frau Petra nach wie vor, auch wenn er vor zwei Jahren einen Schlussstrich unter den biologischen Landbau gezogen hat.

Gründe dafür findet Köpfli viele: «Ständig kamen neue Regelungen hinzu. Man muss sich immer wieder anpassen», so Köpfli. Den Genickbruch bedeuteten für ihn die Vorschriften im Bereich der Düngung und die neue Regelung, dass 100 Prozent des Futters für die Tiere Bio sein muss. Das Problem: Durch die einseitige Düngung vorwiegend mit Pferdemist erhielten Köpflis Weiden zu wenig Stickstoff, das Gras wollte nicht mehr richtig wachsen. Das Futter, das er für seine Tiere zukaufen musste, liess sich in der Schweiz nicht beschaffen. «Das ist doch ökologischer Blödsinn, wenn ich Bioheu aus dem Ausland importieren muss», ärgert sich der Landwirt.

Pferde wurden nicht mehr trächtig

Bei der Umstellung auf Bio übernahm Köpfli die Aufzucht der Rinder für einen anderen Biobauern in Sins. Zusätzlich hatte er rund 30 Pferde auf seinem Hof. Auch die Tiere litten unter dem Biofutter. «Die Pferde bekamen ein stumpfes Fell, und wir hatten Probleme mit der Fruchtbarkeit.» Im Klartext: Einige Stuten wurden nicht mehr trächtig, «weil ihnen wichtige Mineralien fehlten», vermutet Köpfli. Futterzusätze waren verboten, womit er vor einem existenziellen Problem stand. Aufgrund dieser Schwierigkeiten reifte bei ihm der Entscheid, aus Bio auszusteigen.

Auch ohne Bio viele Auflagen

«Letztendlich ist mir der Wechsel zur konventionellen Landwirtschaft nicht allzu schwer gefallen», betont Köpfli. Das kommt nicht von ungefähr: Die konventionelle Landwirtschaft ist heute viel näher bei der biologischen als noch vor zehn Jahren. «Auch hier gibt es zahlreiche Auflagen, die wir erfüllen müssen», weiss Köpfli. Früher war diese Differenz bedeutend grösser. Köpfli erinnert sich an seine Ausbildung: «Wenn ich heute so wirtschaften würde, wie man es mir an der landwirtschaftlichen Schule beigebracht hatte, müsste ich auf der Stelle ins Gefängnis.» Beim Einsatz von Dünger und Chemikalien wurde noch nicht auf die Auswirkungen auf die Umwelt geachtet. Das ist heute auch bei der konventionellen Landwirtschaft undenkbar. Und: Nicht nur die Produktionsform, auch die Preise haben sich angenähert. Für Bioprodukte wird nicht viel mehr bezahlt, der Markt scheint gesättigt. «In wirtschaftlich schwierigen Zeiten sind die Konsumenten zudem nicht mehr bereit, für Bio tiefer in die Tasche zu greifen», so Köpfli.

Bio in anderen Gegenden sinnvoll

Köpfli ist skeptisch gegenüber der Zukunft von Bio in der Region Freiamt. «Das Klima bei uns ist günstig, der Ertrag und der Produktionsdruck sind hoch.» Der Einsatz von Kunstdünger bringe einen grossen Mehrertrag. Anders sei es in den Bergen oder im Jura: «Dort macht Bio mehr Sinn, da ohnehin weniger intensiv produziert wird und mehr Fläche zur Verfügung steht», erläutert Köpfli.

Köpfli ist ob seines gescheiterten Bio-Versuchs keineswegs verbittert. Er kann jetzt ohne den enormen Vorschriftsdruck nachhaltig produzieren. «Für mich steht das Tierwohl im Vordergrund, egal ob Bio oder nicht», so der Landwirt. Nach zwei Jahren Erholungszeit werfen Köpflis Weiden wieder genug Ertrag ab, um seine Tiere zu ernähren. «Der Kreislauf hat sich geschlossen», lacht er.

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