Honig
Warum der Schweizer Honig immer knapper wird

Es gibt zu wenig Schweizer Honig. Der Imker Werner Küng aus Muri weiss, warum das so ist. Schuld ist eine spezielle Milbe - und der fehlende Imker-Nachwuchs.

Eddy Schambron
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«Varroa-Milbe schwächt unsere Bienenvölker»

«Varroa-Milbe schwächt unsere Bienenvölker»

Vor dem Bienenhaus in Wallenschwil, Gemeinde Beinwil, herrscht emsiges Treiben. Die Bienen fliegen ein und aus und bleiben ruhig, auch wenn Menschen auftauchen. Das Bienenhaus stand früher in Isenbergschwil, Werner Küng hat es hier am Waldrand vor ungefähr 30 Jahren wieder aufgebaut.

Herr Küng, der Schweizer Honig ist knapp. Was ist los?

Werner Küng: Das ist tatsächlich so. Im letzten Winter sind in der Schweiz etwa 30 Prozent der Bienenvölker eingegangen. Das Hauptübel ist seit 25 Jahren die Varroa-Milbe. Sie schwächt die Völker, sodass sie den Winter oft nicht überstehen. Hinzu kommt, dass der letzte Winter lange dauerte. Im Frühling brauchten die Bienen Zeit für ihren eigenen Aufbau. Das schmälert den Ertrag zusätzlich.

Ist der geringe Ertrag jetzt eine einmalige Erscheinung?

Küng: Nein, wir hatten in den letzten drei Jahren unterdurchschnittliche Erträge. Wir Imker und Imkerinnen im Freiamt sollten allerdings nicht klagen, wir können grundsätzlich zufrieden sein.

Was tun die Imker gegen die Varroa-Milbe?

Küng: Wir bekämpfen sie mit Ameisensäure. Die früher angewandten chemischen Mittel kommen nicht mehr zum Einsatz, weil der Honig rein sein soll.

Gibt es noch andere Gründe für den Honigmangel?

Küng: Ja, viele Imker hören altershalber auf. Es folgen zu wenig junge nach, obwohl unsere Imkerkurse gut besucht sind. Immer mehr interessieren sich auch Frauen für die Imkerei, in den Kursen sind oft bis zwei Drittel der Teilnehmenden Frauen.

Das Interesse scheint vorhanden, und doch fehlt der Nachwuchs?

Küng: Die Imkerei gibt viel Arbeit. Im Sommer kann man nicht in die Ferien verreisen. Man muss zuverlässig und regelmässig nach den Bienen schauen. Die Jungen sehen diesen Aufwand, und viele schreckt das ab, aktiv in die Imkerei einzusteigen. Kommt hinzu, dass man nicht einfach überall ein Bienenhaus aufstellen kann.

Die Bauern müssten doch alles Interesse an Bienenhäusern haben und den Platz dafür auch dem Nachwuchs zur Verfügung stellen?

Küng: Das war einmal. Aber es stimmt schon, die Landwirtschaft müsste alles Interesse an einer aktiven Imkerei haben. Immerhin gibt es gerade im Freiamt zahlreiche Gemeinden, die auf freiwilliger Basis die Imkerei fördern, weil sie den Wert der Bienen für die Landwirtschaft und die Natur sehen. Sie zahlen beispielsweise 20 bis 30 Franken pro Bienenvolk.

Wie viele Imker sind im Freiamt noch aktiv?

Küng: Ich würde etwa 90 Imker schätzen, allein der Bienenzüchterverein Muri und Umgebung zählt 40 aktive. Anhand unserer Statistik ist aber der Rückgang klar zu erkennen: Heute pflegen wir in unserem Verein 617 Bienenvölker, vor zehn Jahren waren es noch 1000. Ganz früher gab es praktisch auf jedem Bauernbetrieb ein Bienenhaus.

Was ist denn der Reiz der Imkerei. Und was muss ein angehender Imker mitbringen?

Küng: Er darf keine Angst vor Bienen haben und nicht allergisch gegen Bienenstiche sein. Und er muss zuverlässig sein. Der Reiz der Imkerei liegt in der Herausforderung. Kein Jahr gleicht dem andern, das ist spannend. Und es ist faszinierend, wie der Bienenstaat funktioniert. Schliesslich ist es eine schöne Arbeit mit der Natur.

Wenn jetzt ein Junger einsteigen will: Welche Investitionen kommen auf ihn zu?

Küng: Man muss unterscheiden. Relativ kostengünstig ist die Imkerei mit Magazinen. Der Nachteil bei ihnen ist, dass man als Imker immer dem Wetter ausgesetzt ist. Das Bienenhaus ist natürlich bequemer. Aber wenn man ein Bienenhaus mit allem Drum und Dran kauft, dazu eine Chromstahlschleuder, dann ist man schnell bei einer Ausgabe von gegen 20000 Franken. Ausserdem braucht es einen hygienischen Raum für das Schleudern des Honigs. Um Geld zu verdienen, muss man sich nicht der Imkerei hingeben.