Wohlen
Warum Blindalley keine Schwimmbrillen hat

Die Inhaber des Wohler Sportgeschäfts widersprechen Aussagen, Snowboarden sei zur Randerscheinung verkommen.

Dominic Kobelt
Drucken
Teilen
Sven Gwerder (rechts) und Fabian Meier verkaufen in Wohlen Snowboards – für sie ist der Sport noch lange keine Randerscheinung, wie das behauptet wird. kob

Sven Gwerder (rechts) und Fabian Meier verkaufen in Wohlen Snowboards – für sie ist der Sport noch lange keine Randerscheinung, wie das behauptet wird. kob

Snowboarden sei out, berichtete letzte Woche die Sendung «Heute Morgen» von Radio SRF. Es handle sich in den Sportgeschäften nur noch um eine Randerscheinung, so der Marketingleiter von Ochsner Sport, Steve Schennach. Heute verkaufe Ochsner Sport mehr Schwimmbrillen als Snowboards. «Liebe Snowboarder, für uns seid ihr keine Randerscheinung», heisst es auf der Website von Blindalley. Das Wohler Geschäft verkauft Snowboard- und Skater-Artikel. Mitinhaber Sven Gwerder ärgert sich über die Aussagen von Schennach: «Snowboards mit Schwimmbrillen zu vergleichen macht doch keinen Sinn. Wir verkaufen auch mehr Cola-Flaschen als Snowboards, deswegen sind wir noch lange kein Restaurant.»

Ein Board ist kein Ski

Dass der Trend rückläufig sei, dem stimmt Gwerder zu: «Klar verkaufen wir heute nicht mehr gleich viele Bretter wie vor zehn Jahren.» Das sei verständlich bei einer so jungen Sportart – am Anfang gebe es viele, die etwas Neues ausprobieren wollten. «Wer ein Snowboard hat, der braucht nicht jedes Jahr ein neues.» Zudem hörten einige wieder auf, manchmal auch, weil sie das falsche Material haben. «Als der Trend vor etwa 20 Jahren aufkam, haben viele Skihändler Snowboards nebenher verkauft, ohne das nötige Know-how zu haben. Es gibt verschiedene Arten von Brettern, Bindungen, Schuhen – alles muss auf den Fahrer passen.» Bei den Brettern gibt es nicht nur verschiedene Grössen und Breiten, sondern auch unterschiedliche Shapes. Ein Board sei ganz anders als ein Ski, sagt Gwerder und macht einen Vergleich: «Handball und Fussball sind beides Ballsportarten, trotzdem wird ein Fussballexperte einen Handballer schlecht beraten können. Das ist auch der Grund, warum wir keine Skis verkaufen. Ich bestelle auch nichts für meine Kunden, da schicke ich sie lieber zu einem Skihändler.»

Gwerder gibt zu bedenken, dass nicht nur die Snowboardverkäufe rückläufig sind, sondern der gesamte Wintersport. Gegenüber dem letzten Jahr spüre er aber keinen markanten Rückgang. «Wer gleich den Tod des Snowboardsports beschwört, liegt falsch. Um nochmals auf den Vergleich zurückzukommen, es wird immer mehr Fussballer als Handballer geben, aussterben wird die Sportart deswegen nicht.» Es gehe auch nicht darum, die Leute vom Skifahren wegzubringen. «Jeder soll das machen, was ihm Spass macht – viele Leute fahren auch beides.»

Der Snowboard-Experte, der seit über 20 Jahren selber auf dem Brett steht, ist mit seinem Geschäft wohl weniger vom Rückgang betroffen, als die «grossen» Sportgeschäfte. Der sogenannte «Core-Shop» hat eine breite Stammkundschaft. «Die Kunden merken, dass wir den Sport leben.» So rate man einem Kunden auch gerne zu einem billigeren Brett, wenn es eher seinem Fahrkönnen entspreche. Und wie hat sich das Material in den letzten Jahren entwickelt? «Snowboarden ist leichter geworden», sagt Gwerder. «Es gibt schnellere Belage, leichtere Hölzer, andere Verarbeitungsweisen. Und das Sortiment hat sich differenziert – je nach dem, ob man gemütlich auf der Piste fahren oder sich in einem Park an Sprüngen versuchen will, braucht man ein anderes Snowboard.»

Nachwuchs in Wohler Schulklassen

Auch ein Indiz, das dem «Tod des Snowboards» widerspricht: «Wir haben selten so viele Boards vermietet, wie in diesem Jahr», berichtet Gwerder. Und auch an Nachwuchs fehlt es nicht: «Wir unterstützen Wohler Schneesport-Lager. In einem der Lager waren dieses Jahr die Snowboarder sogar in der Überzahl.» Trotzdem ist er sich bewusst: «Es wird wohl nie mehr Snowboarder als Skifahrer geben – das muss es aber auch nicht.» Blindalley profitiere von allen Wintersportlern, denn auch Skifahrer kaufen Jacken oder Handschuhe gerne Mal im Snowboardladen ein.

Am 26./27. Februar feiert Blindalley das Saisonende mit 50 % Rabatt (Snowboards, Boots, Bindungen, Brillen und Kleider).

Aktuelle Nachrichten