Asylunterkunft

Warum Bauer Köchli die 140 Asylbewerber in Bettwil aufnehmen will

Martin Köchli

Martin Köchli

Der Grüne Grossrat Martin Köchli aus Boswil ist einer der Wenigen, die eine Asylunterkunft in Bettwil unterstützen. Man solle den Asylbewerber in Bettwil Perspektiven aufzeigen. Er habe aber auch Vorbehalte.

Köchli nahm von 1978 bis 1983 als junger Bauer an einem Entwicklungsprojekt im damaligen Zaire teil. Dies war eine Reaktion auf die pingeligen Kontrollen und die Überschüsse, die in der Schweiz herrschten. «In Wohlen bemängelte man damals die Qualität meiner Kartoffeln. Obwohl diese einwandfrei essbar gewesen wären, wurden sie wegen Kleinigkeiten nicht akzeptiert», erzählt der Bauer. Das war dem heute 62-Jährigen zu viel und er ging dort bauern, «wo die Menschen hungerten.»

Daher weiss er, wie die Afrikaner ticken, und er meint, man könnte auch 140 von ihnen in Bettwil aufnehmen. Das aber auch nur, wenn man ihnen eine Beschäftigung gibt. «Sie müssen in Bettwil Perspektiven aufgezeigt bekommen, sodass sie motiviert sind, auch wieder in ihre Heimatländer zurückzukehren. Man muss diesen Menschen auf die Beine helfen, ihnen aber auch Beine machen», sagt Köchli.

Bettwiler «Büetzer» sind Vorbilder

Er weiss, wovon er spricht, denn er hatte immer wieder ausländische Praktikanten auf seinem Hof. Diese kamen aus Osteuropa und aus Afrika. «Gegen hundert Personen habe ich schon angestellt, die jeweils drei bis vier Monate auf unserem Hof arbeiteten», schaut der Boswiler zurück.

Köchli sieht in Bettwil einen optimalen Standort, um den Asylsuchenden aufzuzeigen, dass man mit engagierter Arbeit viel erreichen kann. «Wenn man in Bettwil den Asylsuchenden Ausbildungs- und Beschäftigungsprogramme, die professionell ausgearbeitet wurden, präsentieren würde, könnte man ihnen im Dorf Anschauungsunterricht geben», so der Grossrat. Denn er sieht in der Gemeinde optimale Voraussetzungen. Er meint, die Bettwiler seien Vorbilder, was ihr Engagement betrifft. «Diese Leute gehen ‹ad Säck›, sie nehmen ihre täglichen Aufgaben mit Freude an», schwärmt der Bauer. Die Asylsuchenden würden dann sehen, dass Wohlstand mit Arbeit verbunden ist.

Kein Würdeverlust bei Handarbeit

Eines der grössten Probleme bei seiner Idee sieht Köchli bei der Würde der Afrikaner: «Die Asylsuchenden dürfen keine Angst haben, sich ihre Hände schmutzig zu machen. Sie verlieren dabei ihre Würde nicht. Aber das muss man ihnen zuerst klarmachen.» Der Grossrat ist überzeugt, dass die Afrikaner nur in ihre Heimat zurückkehren und auch dort bleiben, wenn sie Geld und Wissen mitbringen. «Sonst kommen sie wieder. Man muss ihnen helfen, sich eine einfache Existenz in der Heimat aufzubauen. Um dort zu bauern, reicht eine Ausrüstung von 80 Franken pro Person. Das Land ist ja vorhanden», erklärt der Biobauer.

Die Idee, den Asylsuchenden eine Aufgabe zu geben, ist nicht neu. «Man muss es ihnen aber pädagogisch beibringen und nicht eintrichtern. Sonst funktioniert es nicht», weiss Köchli. Dass die Umsetzung nicht einfach zu realisieren ist, ist auch dem Landwirt klar. Es ist aber logisch, dass die Männer eine Beschäftigung brauchen. «Wir müssen das Leben der Leute mit Sinn füllen», sagt der Politiker abschliessend. (ahu)

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