Boswil
Warten für Autos vor Barrieren ist vorbei: Brücke über SBB-Bahnlinie ist offen

Die Zeiten des Wartens und Rückstaus vor der SBB-Barriere in Boswil haben ein Ende. Nach eineinhalb Jahren Bauzeit wird die neue Brücke über die Bahnlinie Lenzburg-Rotkreuz eröffnet. Nun wird noch die Personenunterführung gebaut.

Eddy Schambron
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Kein Warten mehr für Autofahrer: Brücke über die SBB-Bahnlinie ist offen
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Lange ersehntes Bauwerk: Die neue Brücke überquert beim Bahnhof Boswil die Gleise und verbindet Bünzen mit der Zentralstrasse. ES
Michael Weber, Gemeindeammann von Boswil, Baudirektor Stephan Attiger und Marlise Müller, Gemeindeammann von Bünzen, durchschneiden zur Eröffnung das Band.
Der alte Bahnübergang zwischen Boswil und Bünzen ist nun Geschichte.

Kein Warten mehr für Autofahrer: Brücke über die SBB-Bahnlinie ist offen

Eddy Schambron

Früher als erwartet konnte die neue Brücke über die SBB-Strecke in Boswil/Bünzen eröffnet werden. «Damit haben die langen Wartezeiten vor dem Bahnübergang endlich ein Ende», atmete Marlise Müller, Gemeindeammann in Bünzen, auf.

Brücke mit 170 Meter Spannweite - 3000 Tonnen Asphalt

Die neue Brücke beim Bahnhof Boswil-Bünzen weist eine Spannweite von 170 Metern auf und ist in sieben Felder unterteilt. Wie Josef Korbonits, Projektleiter Abteilung Tiefbau des Departementes Bau, Verkehr und Umwelt, ausführte, wurden für die Dämme auf beiden Seiten der Brücke 7600 Kubikmeter Kies eingebaut. Für die Fundation mussten 11 000 Kubikmeter Kies geliefert und als Strassenbelag 3000 Tonnen Asphalt eingebaut werden. Für die Fundation waren 20 Betonpfähle mit einem Durchmesser von 1,2 Metern auf eine Tiefe von jeweils etwa 25 Meter abzuteufen. Für das Bauwerk wurden 250 Tonnen Armierung und etwa 2200 Kubikmeter Beton benötigt. 600 Kubikmeter Beton waren für die Kreisel Industrie und Hauptstrasse notwendig. (es)

Und der Boswiler Gemeindeammann Michael Weber lobte die hochstehende Planungs- und die Ingenieurkunst, die im neuen Bauwerk vereint sind. Baudirektor Stephan Attiger wiederum betonte, dass das «neue Wahrzeichen von Boswil und Bünzen» neue Perspektiven gebe.

Rund eineinhalb Jahre betrug die Bauzeit für die neue Brücke. Schon vor 40 Jahren war die Aufhebung des SBB-Niveauübergangs ein Thema. Verschiedene Varianten, auch die einer Unterführung, wurden geprüft. Aber erst 1993 beschloss der Grosse Rat die definitive Lösung, nämlich eine Strassenüberführung kombiniert mit einer Unterführung für den Langsamverkehr.

«Wir müssen daraus lernen, dass wir die Infrastruktur für veränderte Bedürfnisse dann bereitstellen, wenn sie nötig ist und nicht erst Jahrzehnte später», meinte dazu Baudirektor Stephan Attiger. Die Realisierung des lang gehegten Wunsches musste, nicht zuletzt wegen finanzieller Überlegungen, auf die lange Bank geschoben werden.

«Jetzt bringt die neue Brücke Boswil und Bünzen näher zusammen, die Kolonnen haben ein Ende», freute sich der Regierungsrat. «Die neue Brücke ist ein guter Schritt in die Zukunft.»

Jetzt näher beieinander

Davon ist auch der Boswiler Gemeindeammann Michael Weber überzeugt. Aber er blendete nochmals zurück in die Vergangenheit. Da herrschte zwischen den beiden Gemeinden nicht immer eitel Sonnenschein. Als die Südbahnlinie gebaut wurde, stritten die Gemeinden nämlich um die Linienführung der Bahn. Am 23. Juni 1874 wurde ein erstes Teilstück der Bahnlinie einspurig in Betrieb genommen. Der Streit ging aber auch um die Platzierung des Bahnhofs. Jede Gemeinde wollte ihn näher bei sich haben.

Sogar um die Bezeichnung des Bahnhofs wurde gerungen. «Auch danach gingen die Streitereien weiter, dann ging es aber eher um die schönsten Frauen, die meistens auf der falschen Seite des Gleises zum Tanz ausgeführt werden wollten.» Das ist Schnee von gestern: Die Gemeinden arbeiten heute gut zusammen und sind näher zusammengerückt, wie Weber feststellte.

Und beim Kreiselschmuck durch den Boswiler Steinmetz Christian Majoleth kann sogar von einer idealen Besetzung berichtet werden – Majoleth ist nämlich in Bünzen aufgewachsen. Auf Boswiler Seite ziert ein Halbmond den Kreisel, auf Bünzer Seite der neuen Streckenführung ein Notenschlüssel.

Gelebter Fortschritt

Mit der neuen Brücke kommen sich die beiden Dörfer noch näher, zeigte sich Gemeindeammann Marlise Müller aus Bünzen überzeugt. «Das ist gelebter gesellschaftlicher Fortschritt.» Die Brücke habe für die beiden Gemeinden eine grosse Bedeutung. Sie sei nicht nur für einen guten Verkehrsfluss notwendig, sondern auch ein Symbol für Kontakt und Zusammenhalt «von zwei Nachbarn, die sich verstehen». Das Bauwerk sei ein Blickfang und doch bescheiden, eine elegante Verbindung.

Jetzt können die Arbeiten an der Bahnhofstrasse abgeschlossen werden. Bis voraussichtlich November 2014 wird die Strasse mit einem Rad- und Gehweg von Kreisel Industrie bis zum Bahnhof fertiggestellt. Ab Anfang Februar erfolgen die Arbeiten für die Personenunterführung; sie sollen bis Ende 2015 abgeschlossen werden.