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Warten auf Väterchen Frost: Etwas Schnee täte der Stimmung gut

Bald Weihnachten ohne Wintergefühle – nicht nur der Detailhandel spürt die Folgen. Sondern auch zum Beispiel der Bau. Dort wird ob den relativ warmen Temperaturen weitergearbeitet - und der Arbeitsvorrat fürs neue Jahr verbraucht.

Eddy Schambron
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Markus Huwiler, Geschäftsführer bei Huwiler Sport in Muri, demonstriert Laura Villiger einen neuen Ski.

Markus Huwiler, Geschäftsführer bei Huwiler Sport in Muri, demonstriert Laura Villiger einen neuen Ski.

ES

Der Winter findet vorerst nicht statt – zumindest nicht im Flachland. Das bekommen Freiämterinnen und Freiämter, vor allem im Gewerbe, zu spüren, im Positiven wie im Negativen. Einig sind sich alle: Etwas Schnee würde nicht nur die Einkaufslust steigern, sondern ganz allgemein der Stimmung guttun.

«Obwohl es in den Skigebieten recht gut ist, zieht es die Leute nicht hinauf in die Berge», stellt Silvio Stöckli, Geschäftsführer bei Stöckli Sport in Boswil, fest.

Normalerweise locken seine Snowboardkurse, die er in verschiedenen Stärkegruppen auf der Melchsee-Frutt anbietet, eine stattliche Zahl Leute an. «Dieses Jahr haben wir bisher nur halb so viele Anmeldungen, obwohl die Verhältnisse in Melchsee-Frutt gut sind.»

Den Grund für die zurückhaltende Nachfrage sieht Stöckli eindeutig beim Wetter, das sich auch auf den Umsatz bei den Wintersportartikeln auswirkt. «Wir denken aber, das wird sich noch ändern», gibt er sich optimistisch, «dafür kommen dann alle miteinander.»

Aber auch diese Herausforderung würden er und sein Team meistern. Nicht anders tönt es bei Huwiler Sport in Muri: «Es ist nicht so, dass nichts läuft, aber der Einfluss des Wetters ist spürbar», erklärt Geschäftsführer Markus Huwiler. «Wenn es Schnee hätte, wäre es sicher etwas einfacher.» Er jedenfalls sei dieses Jahr schon dreimal auf dem Hoch-Ybrig Ski gefahren.

Mehr Mühe als das im Unterland fehlende Winterwetter bereitet ihm «und dem ganzen Detailhandel», wie er betont, der Einkaufstourismus ins Ausland und der zunehmende Online-Handel. «Im Internet findet man heute immer einen, der noch etwas billiger ist, weil er beispielsweise kein Personal beschäftigt, keine Beratung oder keinen Service anbietet. Aber das kann ja letztlich nicht im Interesse der Konsumenten sein.»

Zu warm für warme Kleider

«Der Textilhandel ist mehr vom Wetter abhängig als von der Konjunktur», sagt Benno Käppeli, Inhaber des Modehauses Käppeli in Muri. «Im November war es zu warm, da kamen die Leute nicht mehr in die Kleidergeschäfte.» Jetzt ist es zwar kühler, aber es fehlt ein bisschen an Einkaufsstimmung. «Ein wenig Schnee würde sie sicher verbessern.»

Käppeli hat Einblick in eine vom Verband der Schweizer Textilhändler herausgegebene Umsatzstatistik, die bestätigt, dass es allen Textilfachgeschäften schweizweit gleich geht. Die kühleren Temperaturen wirken sich immerhin beim Jackenverkauf positiv aus. Umgekehrt, also viel Schnee und Hudelwetter, ist auch nicht gut fürs Geschäft. «Das war im letzten Dezember der Fall, da hat zum Teil starker Schneefall den Kunden die Lust genommen, raus und in die Läden zu gehen.» Die Modehäuser reagieren jetzt mit frühzeitigen Rabatten; bei Käppeli ist die Situation insofern speziell, weil er vor einem Umbau seines Geschäfts jetzt einen Räumungsverkauf durchführt.

Arbeitsvorrat schwindet

Für die Baubranche ist der milde Winter eine zweischneidige Sache: «Wir kommen gut vorwärts, weder Schnee noch Nässe behindern unsere Arbeiten», freut sich Marcel Stucki, stellvertretender Geschäftsführer bei der Bucher Tiefbau AG in Boswil.

Aber er sieht auch die andere Seite: «Wir bauen den Arbeitsvorrat, der eigentlich für das neue Jahr vorgesehen war, wegen der guten Witterung schon jetzt ab.» Wenn die Tiefbauarbeiten gut vorankommen, hat das Auswirkungen auf die nachgelagerten Handwerker. «Die Baumeister verspüren einen verstärkten Druck und die Architekten sind so intensiv mit ihren laufenden Baustellen beschäftigt, dass sie kaum Zeit für Neues haben.»

Aber auch betriebsintern hat die Situation Folgen: «Der Winter ist seit ja die Zeit, um zum Beispiel Servicearbeiten am Maschinenpark oder weitere interne Arbeiten vorzunehmen. Das kommt jetzt zu kurz, weil die Geräte alle im Einsatz stehen.»

Stabil bleibt dafür, weil durchgearbeitet wird, der Treibstoffhandel der Bucher Petrol GmbH, welche in erster Linie eine Industrietankstelle führt. «Die Treibstoffbezüge bleiben wegen der andauernden Arbeiten konstant. Erst wenn es Schnee gibt, merken wir das an der Säule, weil Baumaschinen nicht mehr in Betrieb sind oder Lastwagen weniger fahren», erklärt Stucki.

In der Autogarage wirkt sich der fehlende Wintereinbruch nicht besonders aus, zumindest nicht bei Garage Scheuber AG in Muri. «Wir machen unsere Kundinnen und Kunden schon frühzeitig auf den Wechsel zu Winterpneus mit speziellen Angeboten aufmerksam», sagt Josef Scheuber. Deshalb werden er und seine bis 18 Mitarbeitenden nicht mit Zusatzarbeit überrannt, sobald der erste Schnee fällt. «Das war vor 10 Jahren generell noch anders, heute sind die Automobilisten sensibilisierter, rechtzeitig ihr Auto auf Winterbetrieb umzustellen.» Zusätzliche Arbeit gibt es Ende Jahr mit dem Neuwagenverkauf. Das hat aber nichts mit dem Wetter zu tun, sondern vielmehr mit speziellen Angeboten, die mit den Importeuren abgesprochen sind.

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