Winterschlaf
«Wärme macht Winterschläfern nichts»

Wärmeeinbruch stört die hiesigen Tiere am Flachsee nicht – dafür kommen seltene Gäste ins Freiamt.

Andrea Weibel
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Derzeit sind neben den häufigen Höckerschwänen auch zwei seltene Zwergschwäne am Flachsee zu beobachten. zvg

Derzeit sind neben den häufigen Höckerschwänen auch zwei seltene Zwergschwäne am Flachsee zu beobachten. zvg

«Die meisten Tiere, die Winterschlaf halten, wachen nicht auf, auch wenn das milde, warme Wetter mitten im Winter anhält, so wie jetzt gerade», beruhigt Josef Fischer, Biologe und Geschäftsführer der Stiftung Reusstal. «Wenn sich ein kleiner Wärmeeinbruch schon so schlimm auf die Tiere auswirken würde, hätte es die Natur sicher nicht geschafft, einen so reichhaltigen Artenbestand hervorzubringen.» Die Tiere hätten sich mit den Launen der Natur arrangiert.

Amphibien kommen raus

Amphibien halten hingegen keinen Winterschlaf, sondern fallen lediglich in eine Winterstarre. «Bei ihnen ist es nachgewiesen worden, dass sie an Wärmetagen manchmal sogar ihr Quartier verlassen und sich ein neues suchen», so Fischer. «Dieses Jahr haben wir noch keine entdeckt, aber wenn es in den nächsten Tagen nicht kälter wird, kommen sie sicher bald raus.»

Auch für sie wäre ein durchgehend kalter Winter jedoch bekömmlicher. «Jedes Erwachen zehrt an der Substanz der Tiere, sie verbrauchen mehr ihrer Reserven. Aber wenn der Winter anschliessend nicht zu kalt und zu lang wird, schafft das ein gesundes Tier dennoch gut bis zum Frühling, wenn es wieder Futter gibt.»

Wintergäste am Flachsee

Im Norden und Nordosten Mitteleuropas sei der Winter jedoch so hart, dass besonders Zugvögel vereinzelt das mildere Klima suchen und von ihren normalen Routen abweichen. «Derzeit sind bei uns auf dem Flachsee bei Rottenschwil fünf Singschwäne und zwei Zwergschwäne zu beobachten. Diese Arten kommen normalerweise nicht hierher», freut sich der Tierfreund.

Besonders die Anwesenheit der Zwergschwäne sei speziell: «Solche hatten wir in den letzten Jahren nie hier.» Die geflügelten Touristen ziehen ihrerseits auch «Ornitho-Touristen» an, wie Fischer sie nennt. «Jetzt, wo die Schwäne da sind, sieht man rund um den See überall Leute mit ihren Ferngläsern und Teleobjektiven», sagt er und schmunzelt. Das sei immer so, wenn seltene Vögel den Flachsee als Zwischenstation nutzen.

«Letzten April hatten wir fünf Blaukehlchen hier, so viele wie lange nicht. Das war eine riesige Sensation und eine Attraktion für die Ornithologen.» Eine gute Werbung für das Naturschutzgebiet Flachsee sei es zudem, freut er sich.

Mehr Informationen zum aktuellen Vogelbestand am Flachsee gibt die Website www.ornitho.ch.