Die Frage, ob die Rumänin Elena (Name geändert) in ihrem kurzen, schwarzen Kleid an der Bar in einem Freiämter Nachtlokal auf Kundschaft wartete oder ob sie mit der Bardame Geburtstag feierte, liess sich vor Bezirksgericht Bremgarten nicht schlüssig klären. Deshalb sprach Gerichtspräsident Lukas Trost den Angeklagten frei, ganz nach dem Motto: Im Zweifel für den Angeklagten.

Dem Mitinhaber des betreffenden Nachtlokals warf die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten vor, er habe die Meldepflicht verletzt, indem er es unterliess, eine ausländische Arbeitnehmerin bei Stellenantritt in der Schweiz ordnungsgemäss anzumelden. Dragul (Name geändert) wurde deshalb ein Strafbefehl zugestellt: 500 Franken Busse und 500 Franken Strafbefehlsgebühr hätte er bezahlen müssen. Dagegen erhob er Einsprache.

Im kurzen, schwarzen Kleid

In ihrem Strafbefehl vom 17. März 2017 führte die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten aus, dass die Kantonspolizei bei einer Kontrolle in Draguls Etablissement am Abend des 3. Februar 2017 festgestellt hatte, dass die rumänische Staatsangehörige Elena dort arbeitete. «Sie trug ein kurzes, schwarzes Kleid und konnte an der Bar, auf Kunden wartend, angetroffen werden», heisst es im Strafbefehl. Der Beschuldigte als verantwortliche Person habe es unterlassen, die Frau im Meldeverfahren der Verordnung über die Einführung des freien Personenverkehrs anzumelden.

Wie aus seiner Sicht die ganze Sache abgelaufen sei, wollte der Gerichtspräsident von Dragul wissen. Dieser gab zu Protokoll, Elena sei am 3. Februar mit dem Flugzeug von Rumänien in die Schweiz eingereist. Er habe sie in Zürich abgeholt, ins Freiamt in ihre Unterkunft in der Nähe des Nachtlokals gefahren und sich sogleich verabschiedet.

«Nicht gearbeitet, bloss gefeiert»

Lukas Trost fragte Dragul, weshalb Elena noch am selben Abend in der beschriebenen Aufmachung an der Bar im Club angetroffen wurde, obschon für sie noch gar keine Arbeitsbewilligung vorlag. «Sie arbeitete nicht, wie die Polizei behauptet, sondern sie hatte nach der langen Reise das Kleid lediglich angezogen, weil sie sich nicht in Jeans und Sportjacke an ihrem künftigen Arbeitsort präsentieren wollte. Ausserdem war sie dort zur Geburtstagsfeier der Bardame eingeladen.»

«Alleine aus dem Umstand des Umziehens lässt sich nicht schliessen, Elena habe auf Kunden gewartet. Aufgrund der Beweiserhebung geht nicht hervor, dass sie an jenem Abend gearbeitet hat», sagte der Verteidiger und beantragte einen Freispruch für seinen Mandanten.
Es könnte durchaus die Betrachtungsweise sowohl der Polizei zutreffen, als auch jene des Angeklagten, beurteilte Gerichtspräsident Trost den Fall und sprach Dragul von Schuld und Strafe frei.