Zwei Dörfer, zwei Landesteile: Bundesrätin Doris Leuthard und Bundeskanzler Walter Thurnherr, beide aus dem Freiamt, beide CVP, hatten gestern je ein Heimspiel. Leuthard hielt in Villmergen ihre Ansprache zum 1. August, Thurnherr in seinem Heimatort Diepoldsau SG.

Spätestens 2019 ist Schluss in der Landesregierung, wie Leuthard längst angekündigt hat. War die Rede gestern also ihre letzte zum Bundesfeiertag als Bundesrätin? Auf diese Frage antwortete die Magistratin am Rande ihrer Rede mit dem ihr eigenen breiten Lachen: Sie wisse nicht, wo und ob sie in einem Jahr eine Ansprache halten werde. «Das entscheidet sich wie immer an Ostern.»

Bundeskanzler Walter Thurnherr, der in den Medien immer wieder als möglicher Nachfolger von Doris Leuthard gehandelt wird, zeigte in seiner Rede in Diepoldsau, dass er die Qualitäten für ein Bundesrats-Amt mitbringt. Wird möglicherweise also eine Freiämterin von einem Freiämter im Bundesrat ersetzt, wenn Leuthard einst zurücktritt? Ein Bundeskanzler als Bundesrat – das gab es bisher allerdings noch nie.

Bundeskanzler Walter Thurnherr: Leuthards politischer Weggefährte und wie sie aus dem Freiamt.

Bundeskanzler Walter Thurnherr: Leuthards politischer Weggefährte und wie sie aus dem Freiamt.

Thurnherr erhält gute Noten von links bis rechts. Er sei «der fähigste Bundeskanzler seit Langem», hielt Hotelier Peter Bodenmann in seiner Analyse zum Bundesratsfoto 2018 fest. Die «Weltwoche» schrieb ein wohlwollendes Porträt («Einer, der sich einmischt») über den Bundeskanzler, der die Berner Machtzentrale so gut kenne wie kaum ein anderer. Und SVP-Wahlkampfleiter Adrian Amstutz meinte in der «NZZ am Sonntag»: «Thurnherr wäre der beste Bundesratskandidat, den die CVP momentan noch hat.»

Doch der Freiämter winkt ab: «Ich möchte nicht Bundesrat werden», hielt er dann aber am Rande der Veranstaltung fest. «Ich fühle mich wohl als Bundeskanzler und sehe nicht, weshalb man diese Situation ändern sollte.» 

Könnten sie einen Bundesrat wählen, hätte Walter Thurnherr ihre Stimmen auf sicher. Das zeigte der Applaus nach seiner Rede. Er war tosend, mit Jubelschreien durchmischt, ging dann in rhythmisches Klatschen über und dauerte ganz genau 60 Sekunden.

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