Bremgarten

Wandertage: Aus und vorbei mit dem Volksmarsch?

Die 53. Wandertage vom Wochenende sind mit hoher Wahrscheinlichkeit die Letzten gewesen. Die Chancen auf ein Wunder sind klein.

«Es ist wirklich eine herrliche Gegend hier. Wir kommen seit Jahrzehnten und immer wieder gerne. Schade, dass es diese Wandertage künftig nicht mehr gibt», sagt das Paar aus dem Bernbiet, das wir an der toten Reuss in Fischbach-Göslikon treffen.

Aber es sei halt schon so, die Volkswanderer seien eine aussterbende Gattung: «Unser Verein ist total überaltert, es gibt keinen Nachwuchs und deshalb haben wir unseren Volksmarsch schon vor ein paar Jahren aufgeben müssen.»


«Ja, die Wandertage 2019 waren wohl die Letzten», bestätigt Marianne Waltenspül, Präsidentin der organisierenden Wandergruppe Bremgarten: «Ich trete nach 14 Jahren als OK-Präsidentin und als Präsidentin des Vereins zurück. Eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger sind bisher nicht in Sicht.»

Kleine Hoffnung auf ein Wunder

Wenn bis zur Generalversammlung vom 27. April nicht noch ein Wunder geschehe, dann sei leider nach 53 Jahren Schluss. Das habe sich allerdings abgezeichnet, sagt Waltenspül: «Junge Leute orientieren sich anders, die gehen kaum mehr an Volksmärsche. Das sieht man auch an den stetig schwindenden Mitgliederzahlen der Wandergruppen. Im Freiamt hat es einst 12 Vereine gegeben. Heute sind es noch zwei – Niederwil und Bremgarten.»

Ihr Verein zähle mittlerweile noch acht Leute, ein dreiköpfiger Vorstand und fünf Aktivmitglieder. Das sei viel zu wenig für eine gesicherte Zukunft.


«Für die Durchführung der Wandertage brauchen wir 40 Helferinnen und Helfer», sagt die Präsidentin weiter: «Zum Glück können wir seit Jahren auf unsere Familien und Freunde zählen, sonst hätten wir schon lange aufhören müssen.»

Diese Bremgarter Tradition nach über einem halben Jahrhundert sterben zu sehen schmerze sehr. Vor allem auch, weil die Veranstaltung unter den Wandervögeln aus der ganzen Schweiz stets sehr beliebt gewesen sei. «Wir verfügen mit der Mehrzweckhalle St. Josef über eine hervorragende Infrastruktur für Start und Ziel, und unsere schöne Gegend hat uns erlaubt, Jahr für Jahr neue abwechslungsreiche Routen auszuschildern.

Das hat unseren guten Ruf gefestigt», sagt Marianne Waltenspül. Auch am Wochenende war der Andrang gross. Schon am Samstag wurden 350 Startkarten gelöst, bis am Sonntagnachmittag waren es 867.

«Startkarten ist nicht gleichbedeutend mit Wanderern», erklärt die Präsidentin, «nicht wenige Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen am Samstag und am Sonntag und laufen gleich alle drei Routen zweimal.» Wie jene Gruppe aus dem süddeutschen Raum, die von Samstag auf Sonntag auf dem Parkplatz vor der Mehrzweckhalle im Auto übernachtet hat. Auch sie werden die Bremgarter Wandertage vermissen.

Autor

Toni Widmer

Toni Widmer

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