Freiamt

Wanderschäfer Fabrizio ist zurück und bekommt Besuch aus dem Kindergarten

Das Seetal hinunter, das Reusstal wieder hinauf – seit Dezember war Fabrizio mit 400 Schafen unterwegs.

«Fiori!», hallt ein Ruf über die Ebene nahe des Wohler Vita-Parcours. Ein Pfiff folgt. Die Augen der Kindergärtler werden gross, als pfeilschnell ein Hund an ihnen vorbeirennt und die Schafe, die sich auf die Strasse verirrt haben, wieder zurück auf die Weide scheucht. Nora, der zweite Hirtenhund, hilft Fiori dabei, die gut 400 Schafe zusammenzutreiben. Die Kindergärtler kommen gar nicht mehr aus dem Staunen raus. Für Fabrizio Franchini, den Wanderschäfer, ist das Alltag. Dennoch blitzt ein wenig Stolz in seinen Augen auf, als die neun Kallerer Kinder, die ihn besuchen, das Schauspiel laut bewundern.

Drei Wochen nichts tun

Fabrizio ist froh, bald hat er es geschafft. Seit Mitte Dezember ist er mit den Schafen unterwegs. In Bettwil hat er begonnen, dann ging er das Seetal hinunter bis Schafisheim, von dort Richtung Baden und das Reusstal wieder hinauf. «Es war ein guter Winter», sagt er schmunzelnd. «Natürlich war es ab und zu kalt und hat geschneit, aber es hätte viel schlimmer sein können. Wir hatten häufig gutes Wetter. Und auch mit den Bauern und anderen Leuten kam ich fast immer gut aus.» Dennoch: «Nach so vielen Wochen bin ich froh, die Herde abgeben zu können und Pause zu machen.» Drei Wochen vor dem Fernseher, nur ab und zu mit den Hunden raus, das ist der Traum, den er sich ab nächster Woche erfüllen will. «Wenn mich jemand sucht, ich habe keine Zeit, ich bin krank», sagt er und grinst breit.

Die Kindergartenkinder von Kallern besuchen Wanderschäfer Fabrizio – und singen im ein Liedchen.

Die Kindergartenkinder von Kallern besuchen Wanderschäfer Fabrizio – und singen ihm ein Lied.

In drei Wochen zieht er bereits wieder los. «Bis im Mai werde ich den Teil dieser Schafherde, der zurück nach Arth-Goldau gebracht wird, dort weiter hüten. Und im Juni gehts schon wieder ab mit den Kühen auf den Lukmanierpass», berichtet er. «Ich freue mich auf die Alp. Aber im Moment kann ich mir nichts Schöneres vorstellen, als daheim auf dem Sofa zu liegen, zumindest für ein paar Tage.»

Auch Schafbesitzer Sandro Wyss aus Bettwil ist froh über die Wintersaison. Er hat Fabrizio angestellt, damit hier im Freiamt die Tradition der Wanderschäferei nicht verloren geht. Und Fabrizio gefällt es im Aargau: «Es war eine schöne Route.» Er komme auf jeden Fall gerne wieder im nächsten Winter, «falls ich dann noch lebe», fügt er schulterzuckend an. In einem Beruf, in dem man so sehr in und mit der Natur lebt, gehen einem wohl auch solche Gedanken ab und zu durch den Kopf.

Die Kindergärtler sind begeistert

Die Kallerer Kindergärtler, die mit ihrer Lehrerin Gabriela Vangen und Rosario Bresci angereist sind, der als Dolmetscher fungiert, fänden es toll, wenn Fabrizio auch nächstes Jahr wieder durch den Aargau ziehen würde. Sie wollten von ihm wissen, wie die Schafe schlafen, wie oft er sie zählt und wie lange ein Hund ausgebildet werden muss, bis er ein so guter Hirtenhund ist wie Fiori und Nora. Fabrizio gab gerne Auskunft, sein Schweizerdeutsch hat sich seit Dezember deutlich verbessert. Und die Kinder hören gespannt zu. Alana (5) und Rosalie (6) finden vor allem die Hunde herzig und können kaum aufhören, sie zu streicheln. Wendelin (6), Felix (5) und Emely (5) dagegen staunen, wie weit die Schafe den ganzen Winter über gelaufen sind. Am Ende singen sie alle ein Schäferlied für den Schäfer, seine Schafe und Hunde. Fabrizio versteht zwar nicht jedes Wort, aber er ist dennoch sehr gerührt. «Ciao, besucht mich mal wieder», sagt er zum Abschied.

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