Otto Walti ist kein Angepasster. Das heisst aber keineswegs, dass er deshalb nur wenigen passt. Nicht umsonst haben die Villmerger den Lehrer, Kirchenmusiker und Kulturschaffenden schon vor Jahren an einer Gemeindeversammlung mit grossem Applaus zum Ehrenbürger gewählt. Villmergen ohne Otto Walti, das wäre wie die Kirche St. Peter und Paul ohne Güggel. Und Otto Walti ohne Sprüche, Verse oder Gedichte wie Erus- und Hinterbach ohne Wasser. «Es Hämpfeli» davon hat er jetzt in einem amächelig gestalteten Büchlein zusammengefasst. «Maiechäber» heisst es und ist sein persönliches Geschenk zum 80. Geburtstag, den der rüstige Rentner am 13. Januar hat feiern dürfen.

si sind nümme da, wos gsi sind

jetz heissiz junichäber

und da joor sinz nomol schpöter

jetz heissiz julichäber

segs wis well

e maiechäber bliibt e maiechäber

Warum Maiechäber? «Einfach so, weil es das erste Gedicht im Büchlein ist. Ich habe nicht lange gefackelt», lacht Otto Walti. Er lacht gerne und viel, gelegentlich auch über sich selber. Schalk gehört für ihn zum Leben.

Die Freiämter Mundart hat der Tägliger schon immer gepflegt. Als strenger und trotzdem oder gerade deshalb beliebter Reallehrer. Aber auch als Kolumnist im ehemaligen Villmerger Blättli «Freiämter Nachrichten». Über Jahre hat er in seiner «Sprachecke» dort in Mundart veröffentlicht, «was mer grad agfalle, ufgfalle oder igfalle isch». Als Sprachprofessor sah und sieht sich der Bäckerssohn dennoch nicht: «Ich schreibe, wie man es sagt, beachte aber bestimmte Regeln, die es bei der Mundart gibt.» Als Beispiel führt er die offenen und geschlossenen Vokale an: «Man schreibt Villmärge mit i und nicht Vellmärge mit e, weil der Name nichts mit viel, also vell, zu tun hat».

Waltis Sprüche, Verse und Gedicht sind nicht nur lustig, es sind oft auch Lebensweisheiten, einige stimmen nachdenklich. Für jene, die ihn (noch) nicht kennen, ist das Büchlein eine Offenbarung. Man merkt auf jeder Zeile, dass der Mann, der hinter diesen Texten steht, ein guter Beobachter ist, viel über Gott und die Welt nachdenkt und ein grosses Herz für die schwachen Menschen in der Gesellschaft hat. «Ich habe als Kind für unsere Bäckerei Brot ausgetragen und dabei im Dorf viel gesehen, über das ich nachdenken musste. Wir hatten daheim ja nicht viel. Aber es gab andere, die hatten noch weniger. Geprägt hat mich sicher auch das Schicksal der Menschen im Gnadenthal, wohin wir auch Brot geliefert haben.» Er wolle es nicht behaupten, aber er denke, dass sein Interesse für Leute, «die in der zweiten Reihe stehen» mit dazu beigetragen habe, dass er Reallehrer geworden und ein Berufsleben lang geblieben sei.

sächs jäger, sieben auto

ei hund sig mitem eignen auto choo

Otto Walti ist ein Freiämter, der seine Heimat kennt und liebt. Diese Liebe widerspiegelt sich in einigen Texten ebenso wie die Liebe zu seiner Frau Anette, die 2009 verstorben ist. Dem Andenken an sie hat er im «Maiechäber» auch das letzte Gedicht gewidmet.

ufs grab vo der Anett

het öpper es farbigs windrädli gschteckt

schpöter hanis heigno

und zum rosestock geschtellt

durs stubefeischter luegem zue

wis trüllt und trüllt und trüllt

und weni guet lose

so singz ganz fiin es lied vo der Anett

Otto Walti liest am Samstag, 17. Februar, 17 Uhr, in der reformierten Kirche Villmergen Texte aus dem «Maiechäber».