Berufung
Walter Dubler muss diesmal nicht vor dem Gericht auftreten

Nach der Berufung von Staatsanwaltschaft und Verteidiger wird sich das Aargauer Obergericht mit dem Fall Dubler beschäftigen. Der Gang vor den Richter bleibt dem Wohler Ammann diesmal aber erspart.

Fabian Hägler
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Walter Dubler, hier auf dem Weg zur Gerichtsverhandlung vor dem Bezirksgericht Zurzach. Das war im April 2016.

Walter Dubler, hier auf dem Weg zur Gerichtsverhandlung vor dem Bezirksgericht Zurzach. Das war im April 2016.

Chris Iseli

Vor gut sechs Monaten wurde Walter Dubler wegen Betrugs und ungetreuer Geschäftsführung schuldig gesprochen. Das Bezirksgericht Zurzach verurteilte den suspendierten Gemeindeammann von Wohlen zu einer bedingten Geldstrafe von 45'000 Franken und einer Busse von 5000 Franken.

Inzwischen haben Dublers Verteidiger und die kantonale Staatsanwaltschaft das Urteil weitergezogen – das bedeutet, dass sich das Obergericht als höchste kantonale Rekursinstanz mit dem Fall befassen muss. Dubler wurde vom Bezirksgericht unter anderem verurteilt, weil er Sitzungsgelder kassierte, welche der Gemeinde zustehen. Zudem liess er sich zu hohe Pensionskassenbeiträge einzahlen, was ebenfalls zu einem erstinstanzlichen Schuldspruch führte.

Dubler wird nicht mehr befragt

Recherchen der az zeigen nun: Eine öffentliche Verhandlung vor dem Obergericht wird es nicht geben. Simone Kiefer vom Generalsekretariat der Aargauer Gerichte sagt auf Anfrage: «Im Einverständnis von Walter Dubler und der Staatsanwaltschaft wurde das schriftliche Berufungsverfahren angeordnet.» Dies ist laut Strafprozessordnung möglich, wenn der Beschuldigte bereits vor Bezirksgericht einvernommen wurde. Im aktuellen Fall trifft dies zu, deshalb sei «die Anwesenheit des Beschuldigten vor Obergericht nicht erforderlich», erklärt Kiefer.

Mit dem Zusammenbruch von Walter Dubler während der Verhandlung vor dem Bezirksgericht hat dieser Entscheid offenbar nichts zu tun. Simone Kiefer hält fest, von der Möglichkeit des schriftlichen Berufungsverfahrens werde regelmässig Gebrauch gemacht. «Es handelt sich mithin nicht um eine Besonderheit des Falles Dubler.»

Wann das Urteil fällt, ist offen

Insbesondere sei es nicht so, dass eine nicht-öffentliche Verhandlung durchgeführt würde. «Es findet – entsprechend dem schriftlichen Berufungsverfahren – gar keine Verhandlung statt.» Kiefer sagt weiter, der Rechtsschriftenwechsel, also die schriftlichen Begründungen der Berufungen und die Berufungsantworten, sei abgeschlossen. Wann das Urteil fällt, lässt die Gerichtssprecherin auf Anfrage offen: «Das Obergericht wird die Medien informieren, sobald es einen Entscheid gefällt hat.»

Freispruch oder härtere Strafe?

Bereits im Mai hatte die Staatsanwaltschaft angekündigt, sie werde vor Obergericht eine härtere Strafe für Dubler fordern. Die Staatsanwaltschaft ist der Ansicht, dass dieser unrechtmässig weitere Gelder bezogen hat, welche der Gemeinde zustehen. Folgt das Obergericht diesem Antrag, würde sich die bedingte Geldstrafe für den suspendierten Wohler Gemeindeammann auf 79'200 Franken erhöhen.

Dublers Anwalt andererseits fordert einen Freispruch für seinen Mandanten. Die umstrittenen Pensionskassenbeiträge in der Höhe von 4125.10 Franken habe Dubler der Gemeinde längst zurückerstattet, sagte Christian Bär früher schon. Dazu kommen 2840 Franken für Sitzungsgelder des Regionalplanungsverbandes Unteres Bünztal im Zeitraum von 2010 bis 2014. Bär hält grundsätzlich fest, sein Mandant sei überzeugt, dass er sich mit seinem Verhalten nicht strafbar gemacht habe.

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