Hochwasser
Walter Dubler mit Spatenstich für grösstes Aargauer Rückhaltebecken

Die Bauarbeiten für das grösste Aargauer Hochwasser-Rückhaltebecken im Bünztal sind gestartet. Das Becken soll bis zu 600'000 Kubikmeter Wasser aufnehmen können.

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«Es ist fast paradox: Am Mittwoch musste ich ein Verbot zur Wasserentnahme für die Bauern erlassen, weil die Bünz zu wenig Wasser führt. Und heute treffen wir uns zum Spatenstich für ein umfangreiches Hochwasserschutzprojekt», sagte Norbert Kräuchi, der Leiter der Abteilung Landschaft und Gewässer im Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU).

Doch genau das, fuhr Kräuchi weiter, zeige die Komplexität der Natur. Von der ersten Idee für einen besseren Hochwasserschutz an der Bünz bis zum Baustart für das Rückhaltebecken zwischen Wohlen und Waltenschwil seien Jahrzehnte ins Land gezogen: «Nach den schweren Überschwemmungen mit Schäden in der Höhe von 20 Millionen Franken in den 1970er-Jahren befasste sich der Regierungsrat mit einem Entlastungsstollen zur Reuss in Rottenschwil.

Als die überbordende Bünz in den 1990er-Jahren doppelt so viel Schaden anrichtete, war erstmals die Rede von einem Rückhaltebecken in Bünzen», blickte Kräuchi zurück. Auch dieses Projekt sei gescheitert: «Der Widerstand war zu gross.»

In Wohlen hat es weitere 20 Jahre später aber geklappt: «Das vor allem auch deshalb, weil der Gemeinderat von Anfang an hinter unseren Plänen gestanden ist», lobte Kräuchi.

Der Wohler Gemeindeammann und Präsident des Regionalplanungsverbandes Unteres Bünztal, Walter Dubler, kam ebenfalls auf die lange Planungszeit zu sprechen: «Obwohl ich nicht Projektleiter bin, haben sich bei mir seit den ersten Sitzungen im Jahr 2006 drei gefüllte Bundesordner zum Thema Hochwasserschutz im Bünztal angesammelt.»

Er stelle erfreut fest, dass das Hochwasserrückhaltebecken in Wohlen von Anfang an auf eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung gestossen sei und man auch mit den betroffenen Landwirten «den Rank» gefunden habe. Von den Gesamtkosten (16,35 Millionen. Franken) übernehmen Bund und Kanton den Löwenanteil. Die Gemeinden Wohlen, Dottikon, Hendschiken, Othmarsingen und Möriken-Wildegg müssen sich mit 5 Millionen beteiligen, auf Wohlen entfällt dabei mit 3,8 Millionen der grösste Anteil. Deshalb habe sich Wohlen auch erfolgreich dafür starkgemacht, dass der Kantonsbeitrag nicht wie vorerst geplant 40, sondern 50 Prozent beträgt, sagte Dubler und vergass dabei nicht zu erwähnen, dass sich auf seine Initiative hin auch die Mobiliar Versicherung mit 250'000 Franken am Projekt beteiligt.

Weitere 8,3 Millionen investiert der Kanton in den nächsten zwei Jahren für zusätzliche Hochwasserschutzmassnahmen wie Ersatz von Brücken, Anheben von Ufern oder neue Ufermauern. Daran müssen sich die Gemeinden mit 3 Millionen beteiligen.

Für das Rückhaltebecken wird ein 850 Meter langer Damm mit einer Maximalhöhe von drei Metern erstellt. Ein Durchlassbauwerk erlaubt bei Hochwasser einen Abfluss von höchstens rund 30 m3 Wasser pro Sekunde. Gestaut werden können 600'000 m3 Wasser. Wie viel das ist, veranschaulichte Norbert Kräuchi an einem Beispiel: «Wenn alle Aargauerinnen und Aargauer ein Bad nehmen und danach ihre Badewannen in das Rückhaltebecken entleeren würden, wäre dieses erst zu einem Achtel gefüllt.»