Affäre
Walter Dubler entlassen – jetzt redet der Vize-Ammann von Wohlen

Walter Dubler ist als Ammann definitiv entlassen. Die Gemeinde Wohlen atmet auf. Im Interview erklärt Vizeammann Paul Huwiler, wie es ohne Dubler läuft, warum eine Rückkehr unverstellbar wäre und was sie im Gemeinderat besonders ärgerte.

Toni Widmer
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Paul Huwiler, Vizeammann von Wohlen

Paul Huwiler, Vizeammann von Wohlen

Chris Iseli

Der Regierungsrat sieht keine Vertrauensbasis mehr für eine Zusammenarbeit von Walter Dubler mit der Gemeinde Wohlen und entlässt ihn mit Wirkung ab 1. März 2017 aus seinem Amt.

Herr Huwiler, was bedeutet dieser Entscheid für die Gemeinde Wohlen?

Paul Huwiler: Mit diesem Entscheid dürfte feststehen, dass Walter Dubler nicht in sein Amt zurückkehren wird. Damit ist die bisherige Unsicherheit beseitigt.

Der Gemeinderat Wohlen will auf eine Ersatzwahl verzichten. Warum?

Der Gemeinderat hat sich im November 2015, nach der Suspendierung des Gemeindeammanns, neu organisiert. Wir mussten dabei auch rasch verschiedenen Auflagen des Regierungsrates gerecht werden. Das betraf die finanziellen Kernprozesse bis Ende 2015 neu zu regeln und das interne Kontrollsystem einzuführen. Weiter mussten wir die Ressorts unter den sechs nebenamtlichen Gemeinderäten neu verteilen und damit ein Vollamt kompensieren.

Und das hat funktioniert?

Ich bin der Auffassung ja. Wir haben die Vorlage Badi und Eisbahn zur Abstimmung gebracht und sind beim Volk auf grosse Zustimmung gestossen. Wir haben ein neues Führungsmodell für die Verwaltung entwickelt, das die Trennung der operativen von den organisatorischen Aufgaben vorsieht. Die neue Gemeindeordnung ist vom Parlament bereits gutheissen worden und die Entwicklung im Raum Bahnhof ist ebenfalls auf gutem Weg.

Bei so vielen Aufgaben könnte doch eine Verstärkung nur willkommen sein?

Das schon. Aber bis eine Ersatzwahl anberaumt und durchgeführt ist, wird es Sommer und im Herbst stehen ohnehin die Erneuerungswahlen an. Dazu kommt, dass wir mit dem neuen Führungsmodell die Anzahl Gemeinderäte von sieben auf fünf Mitglieder sowie das Pensum des Gemeindeammanns reduzieren wollen. Unter diesem Hintergrund erachten wir eine Ersatzwahl als wenig sinnvoll. Wir arbeiten mittlerweile seit über einem Jahr in einer Sechserbesetzung und möchten den aktuellen Zustand bis zum Ende der Amtsperiode möglichst beibehalten und uns nicht dazwischen noch einmal neu organisieren müssen.

Walter Dubler betritt das Rathaus in Zurzach.
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Walter Dubler bricht im Gerichtssaal zusammen - eine Ambulanz wird gerufen
Walter Dubler (rechts) mit seinem Anwalt auf dem Weg zum Bezirksgericht Zurzach.
Walter Dubler betritt das Rathaus in Zurzach.
Markus Moser ist der zuständige Staatsanwalt im Dubler Prozess.

Walter Dubler betritt das Rathaus in Zurzach.

Aargauer Zeitung

Der Gemeinderat Wohlen hat laut Regierungsrat auf eine Absetzung von Walter Dubler gedrängt. Warum?

In die Wohler Politik ist nach einer sehr hektischen Phase endlich wieder Ruhe und Stabilität eingekehrt. Wir können arbeiten und Wohlen entwickeln. Eine Rückkehr von Walter Dubler in sein Amt konnten wir uns nicht mehr vorstellen. Das gilt aber nicht nur für den Gemeinderat, die Mitglieder des Wohler Parlaments sind da weitgehend gleicher Meinung. Und auch in für die Verwaltung wäre eine Rückkehr von ihm wohl recht schwierig.

Die Verwaltung will ihren ehemaligen Chef nicht mehr?

Ich würde das nicht ganz so drastisch ausdrücken. Aber der Gemeindeammann hat im Strafverfahren und in der administrativen Untersuchungen versucht, eigene Versäumnisse und Fehler auf Untergebene abzuschieben. Das ist im Gemeindehaus nicht gut angekommen und man muss davon ausgehen, dass diese Vorkommnisse eine künftige Zusammenarbeit mit ihm stark erschweren oder gar verunmöglichen würden.

Sie haben im Gemeinderat über Jahre mit Walter Dubler zusammengearbeitet. Gibt es in diesem Fall nicht auch eine menschliche Komponente?

Klar. Einen solchen Abgang hätte ich Walter Dubler nie gewünscht und ich würde ihn auch niemand anderem wünschen.

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