Waltenschwil
«Nebst dem Olympiafeuer brennt in ihrem Herzen auch eines fürs Unterrichten» – Paralympicssiegerin herzlich empfangen

Am Donnerstag kehrte Catherine Debrunner zurück zur Arbeit an der Primarschule Waltenschwil. Die 26-jährige Thurgauerin holte an den Paralympics in Tokio zwei Medaillen für die Schweiz und amtierte als Fahnenträgerin.

Melanie Burgener
Drucken
Teilen
Mit lautem Jubel und wehenden Fahnen begrüssten die Schule Waltenschwil ihre Lehrerin Catherine Debrunner zurück.

Mit lautem Jubel und wehenden Fahnen begrüssten die Schule Waltenschwil ihre Lehrerin Catherine Debrunner zurück.

Bild: Melanie Burgener

Die Freude war gross und die Jubelrufe laut, als Catherine Debrunner am Donnerstagmorgen bei der Schule in Waltenschwil ankam. Mit wehenden Schweizerfahnen standen die rund 280 Schülerinnen und Schüler Spalier und begrüssten ihre Lehrerin, als diese in ihrem Rollstuhl über den Pausenplatz rollte.

Es war Debrunners erster Schultag seit den Sommerferien. Denn bis am vergangenen Montag weilte die Thurgauerin in Tokio. Dort war sie Schweizer Fahnenträgerin an der Schlussfeier der Paralympischen Spielen und ist auch für ihr Heimatland am athletischen Wettkampf angetreten – mit sehr guten Ergebnissen. Auf ihrer Rückreise hatte sie gleich zwei Medaillen im Gepäck. Die Spitzensportlerin siegte auf der 400-Meter-Distanz und gewann damit Leichtathletik-Gold. Über 800 Meter belegte sie den dritten Platz, und ihre Geschwindigkeit über 1500 Meter reichte für ein Diplom.

Catherine Debrunner bei der Übergabe der Goldmedaille über die 400-Meter-Distanz in Tokio.

Catherine Debrunner bei der Übergabe der Goldmedaille über die 400-Meter-Distanz in Tokio.

Ennio Leanza / KEYSTONE

Ihr Kampfgeist macht vielen Schülern Mut

Die Freude über diese Ergebnisse war nicht nur bei Debrunner in Japan gross. Auch im Schulhaus Waltenschwil wurde gefeiert. «Ich glaube der Lehrer-Gruppenchat hat geraucht» erzählte Schulleiter Simon Widmer lachend in seiner Ansprache. Die Schule sei stolz darauf, eine solch hochkarätige Sportlerin im Team zu haben, sagte Widmer weiter und ergänzt:

«Wir begrüssen deine Aktivitäten und es ist uns ein Anliegen, dich darin auch in Zukunft zu unterstützen.»

«Mit deiner Leistung und deiner Ausstrahlung hast du ganz vielen Menschen Mut gemacht», sagte er.

Catherine Debrunner wurde in Waltenschwil herzlich empfangen.

Bild: Melanie Burgener

Catherine Debrunner sitzt aufgrund eines Tumors schon seit Kind im Rollstuhl. Als 7-Jährige entdeckte die bereits sportlich aktive Ostschweizerin den Rennrollstuhl für sich. Im Laufe der Jahre wurden ihre Trainings immer intensiver, bis sie schliesslich 2006 in Irland an ihre erste Juniorenweltmeisterschaft teilgenommen hat. Vor zwei Jahren holte sie an der Weltmeisterschaft in Dubai den Titel in die Schweiz. Auch damals wurde sie von den Schülerinnen und Schülern in Waltenschwil herzlich empfangen.

Catherine Debrunner freut sich, nun eine neue Klasse unterrichten zu dürfen.

Catherine Debrunner freut sich, nun eine neue Klasse unterrichten zu dürfen.

Bild: Melanie Burgener

Dass ihr erster Schultag am Donnerstag also nicht ganz gewöhnlich starten wird, konnte die 26-Jährige also bereits ahnen. Dennoch freute sich Debrunner sichtlich über die Jubelnden Kinder. «Es war wirklich sehr schön. Als ich vor zwei Jahren von der WM zurückkehrte, haben sie auch eine Allee gemacht, wo ich dann durchgehen durfte», erzählte sie. Der Schulstart sei für sie insofern speziell, weil sie heuer eine neue Klasse übernehme und die neuen Kinder noch gar nicht kenne. «In den Reihen konnte ich aber die bekannten Gesichter meiner ehemaligen Klasse ausmachen», freute sie sich.

Süsse Medaillen und ein Plakat zum Schulstart

Zur Feier von Catherine Debrunners Rückkehr wurde über dem Eingang des Schulhauses Bannegg ein Plakat montiert. «Das werden wir sorgfältig herunternehmen und dir überreichen. Wir hoffen, du kannst diesen Moment immer in Erinnerung halten», sagte Widmer. Als Willkommensgeschenk überreichte Widmers Vorgängerin Edith Frey der Athletin zwei gebackene Medaillen.

Zur Feier ihrer Rückkehr montierte die Schule Waltenschwil ein Plakat für Cahterine Debrunner.

Zur Feier ihrer Rückkehr montierte die Schule Waltenschwil ein Plakat für Cahterine Debrunner.

Bild: Melanie Burgener

Ein Geschenk gab es auch vom Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) des Kantons Aargau. Michaela Brühlmeier hielt eine Laudatio und überreichte Debrunner eine Kamera, damit sie zukünftige schöne Momente festhalten kann. Brühlmeier sagte in ihrer Ansprache:

«Nebst dem Olympiafeuer brennt in ihrem Herzen auch eines fürs Unterrichten.»

Sie ergänzte: «Sie sind für viele Schülerinnen und Schüler ein grosses Vorbild. Sie zeigen damit: Wenn man etwas gerne macht und dafür kämpft, dann kann man sogar Olympiasiegerin werden.»

Debrunner freute sich, nun endlich wieder im Schulzimmer stehen und ihre neue Klasse kennen lernen zu dürfen. Doch so ganz angekommen ist sie noch nicht. «Es ist nicht der Jetlag, der mir zu schaffen macht, sondern der Kulturschock. In Tokio ist alles ganz anders als hier in Waltenschwil.»

Aktuelle Nachrichten