Schön zurechtgemacht steht er da, geflochtene Mähne, geflochtener Schweif, adrett rasiert – Snoopy, der achtjährige, pechschwarze Shetlandpony-Wallach von Karin Schellenberg (20) aus Schleinikon. Geduldig wartet das Tier auf seinen Einsatz im Holzrücken-Parcours.

Die Besitzerin erklärt: «Das ist erst Snoopys zweiter Turniereinsatz, mal schauen, wie gut wir abschneiden. Zuhause üben ist schwierig, man müsste den ganzen Parcours selber nachbauen, das ist sehr aufwendig.» Aber es geht ja gar nicht darum, der oder die Beste zu sein, sondern um den Spass und das Miteinander, wie OK-Mitglied und Speakerin Ursula Meier (47) aus Tägerig festhält. «Wir möchten auf diesen Randsport innerhalb des Pferdesports aufmerksam machen und einfach einen schönen Tag miteinander verbringen. Die Sicherheit und das gegenseitige Helfen stehen dabei im Vordergrund.»

Zugpferdesport wird zur Frauendomäne

Ein bisschen Ehrgeiz auf dem Platz sei dabei durchaus erlaubt, habe jedoch neben dem Platz nichts verloren. Das ist am Anlass denn auch gut zu sehen: Die Stimmung ist kollegial, die Turnierteilnehmer geben sich sogar gegenseitig Tipps für den Wettkampf.

An diesem heissen Spätsommersonntag gibt es vier verschiedene Prüfungen: Holzrücken Pferde Stufe 1. und 2., Holzrücken Pony, sowie die Königsdisziplin Holzrücken 2-spännig. Stufe 1 ist eine eigentliche Einsteigerprüfung und soll den Nachwuchs fördern und unerfahrenen Pferden und Fuhrleuten die Möglichkeit bieten, den Einstieg in diesen spezifischen Pferdesport zu finden. Hier braucht es eine perfekte Arbeitssymbiose zwischen Mensch und Tier, um den anspruchsvollen Parcours, wo das Pferd einen am Geschirr befestigten Baumstamm hinter sich herzieht, absolvieren zu können. Organisatorin Meier freut sich: «Der Zugpferdesport kippt langsam von einer Männerdomäne in eine Frauendomäne, es sind immer mehr Frauen am Start, und das gilt es unbedingt zu fördern.»

Parcours simuliert Waldarbeit

Die Hindernisse des Parcours wurden der Arbeit mit Pferden im Wald nachempfunden und sollen zeigen, was die geschickten Tiere leisten können. Das Arbeiten mit den Huftieren im Wald ist boden- und ressourcenschonend und erst noch ökologisch. «Wir möchten das Bewusstsein fördern, respektive aus der Vergessenheit hervorholen, welche Vorteile es haben kann, mit einem Pferd zu arbeiten. Beispielsweise bei Einzelschlägen, im Falle eines Borkenkäferbefalls, ist man viel schneller und wendiger mit einem Pferd als mit einer Maschine», erklärt Ursula Meier weiter.

Die Teilnehmer sind zum Teil von weit her angereist, aus dem St. Galler Rheintal oder gar aus Deutschland. Neben den etwas häufiger anzutreffenden Pferderassen wie Haflinger, Freiberger und Noriker sind an diesem Sonntag die amerikanisch-belgische Kaltblutstute Sunshine und die Percheron Stute Tara du plessis von Besitzer Otto Waibel aus Balgach die Stars auf dem Platz. Die beiden edlen Kolosse bringen zwischen 900 und 960 Kilogramm auf die Waage. Belgische Kaltblüter sind übrigens in der Schweiz auch bestens bekannt als Brauereipferde. Sie ziehen für die Bierbrauerei Feldschlösschen jeweils im legendären Sechsspänner den berühmten Fasswagen.