Wohlen

Wahre Geschichten aus dem Bremgarter Nebelmeer

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Der Kabarettist Philipp Galizia (links) und seine Gäste Silvio Blatter und Josef Sachs auf «Freiämter Mission.»

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Silvio Blatter und Josef Sachs traten am zweiten Abend von «Mission Freiamt» auf. Blatter stellt dabei klar: «Ich habe kein Heimweh nach dem Freiamt» und erklärt, weshalb die Jungen Bücher von Lorenz Stäger lesen sollten.

In der zweiten Staffel der «Mission Freiamt» wanderten der Kabarettist Philipp Galizia und der az-Journalist Jörg Meier mit dem Schriftsteller Silvio Blatter und dem Psychiater Josef Sachs durch das Freiämter Nebelmeer.

In Bremgarten habe es oft Nebel, so erinnerte sich Blatter an seine Jugendzeit. Anders erlebte Sachs sein Heimatdorf Winterschwil am Horben, das im Normalfall über die Nebelgrenze hinausgekommen sei.

Der Nebel wurde dem angehenden Psychiater Josef Sachs auf seinem Kiltgang zu seiner Braut und heutigen Frau Margrit fast zum Verhängnis. «Ich fand den Weg ins Luzerner Hinterland noch zielsicher. Aber auf dem Heimweg musste ich im dicken Nebel an jeder Strassenkreuzung anhalten und mich neu orientieren», berichtete Sachs.

Auch bei seiner Arbeit müsse er sich im Nebel zurechtfinden, bekannte der Psychiater. Wie er denn die Wahrheit finden könne, fragte ihn Philipp Galizia. «Ich habe die Wahrheit noch nie gesucht. Jeder nimmt für sich seine eigene Wahrheit wahr», antwortete Sachs.

Seltsam, im Nebel zu wandern

Im Zeichenunterricht an der Bezirksschule Muri habe der Lehrer Rico Galizia ihn und seine Mitschüler eine Landschaft im Nebel zeichnen lassen, berichtete Sachs. Das erinnerte die Runde an Hermann Hesse: «Seltsam, im Nebel zu wandern! Einsam ist jeder Busch und Stein, Kein Baum sieht den anderen, Jeder ist allein.» Aber das Gedicht geht noch weiter: «Voll von Freunden war mir die Welt, als noch mein Leben licht wahr; Nun, da der Nebel fällt, Ist keiner mehr sichtbar.» Man fand leider keine Zeit mehr, um über die Einsamkeit zu philosophieren.

Jörg Meier eröffnete zum Start mit Silvio Blatter den ersten «Freiämter Literaturclub». Blatter erzählte, dass er 1958 in Bremgarten einen Boxclub gegründet und am Kiosk seines Grossvaters viel gelernt habe. «Ich las auch Micky-Mouse-Heftlein.» Wäre es nach seinem Vater gegangen, hätte Blatter Velomechaniker werden sollen. «Da kam es zum ersten Mal zu einem ernsthaften Disput.» Blatter setzte seinen Wunsch durch, das Lehrerseminar zu besuchen und Bücher zu schreiben – inzwischen sind es siebzehn.

Silvio Blatter hat kein Heimweh

Jörg Meier konfrontierte Blatter mit seinem Jugendroman «Zunehmendes Heimweh», der auch im Freiamt viele Freunde fand, aber auch grosse Irritationen auslöste, weil Blatter sich bei der Beschreibung von Örtlichkeiten wie dem Fussboden im Bahnhof Buffet Wohlen dichterische Freiheiten herausnahm. «Ich habe kein Heimweh nach dem Freiamt», betonte der Schriftsteller, der seit 1962 nicht mehr in Bremgarten lebt. Den jungen Lesern empfahl Blatter die Bücher von Robert und Lorenz Stäger und von Josef Villiger.

Das Freiämter Staatsorchester und – in einem Film – die First Harmonic Brass Band aus Wohlen traten ebenfalls auf. Philipp Galizia glänzte mit seiner Geschichte über den Totengräber Lunzi. Zum Schluss sang man das Freiämter Lied von Kurt Seiler.

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