Widen

Wahlkrimi: anonyme Angriffe, eine Stimme Abstand und eine Anzeige

Urs Leuenberger (hier bei der Eröffnung der Quellfassung Mittelholz im Jahr 2009) ist es momentan gar nicht ums Lachen: Ein anonymer Brief im Gemeinderatswahlkampf gibt ihm zu denken. Dno/Archiv

Urs Leuenberger (hier bei der Eröffnung der Quellfassung Mittelholz im Jahr 2009) ist es momentan gar nicht ums Lachen: Ein anonymer Brief im Gemeinderatswahlkampf gibt ihm zu denken. Dno/Archiv

Der Wider Vizeammann Urs Leuenberger (CVP) überlegt sich nach der denkbar knappen Wiederwahl in den Gemeinderat, ob er im Herbst nochmals als Ammann kandidieren will. Ein anonymer Brief mit persönlichen Angriffen hat ihn und seine Familie getroffen.

«Es ist ein Zufallsresultat, dass ich mit einer Stimme Unterschied die Wiederwahl geschafft habe», sagt Urs Leuenberger offen. Der CVP-Grossrat, bisher Vizeammann in Widen, holte am Sonntag mit 700 Stimmen den letzten Platz im Gemeinderat.

Abgewählt wurde der parteilose Alfred Graber, der mit 699 Stimmen denkbar knapp hinter Leuenberger blieb. «Bei einem solchen Resultat muss sich Freddy Graber nicht fragen, was er falsch gemacht hat», sagt Leuenberger, der die Abwahl seines bisherigen Gemeinderatskollegen bedauert.

Der CVP-Mann, der bei der Gemeindeammannwahl klar das beste Resultat erzielte, macht sich aber Gedanken zu seiner eigenen Situation. «Ich bin mit der sehr knappen Wahl abgestraft worden, aber das Resultat ist für mich nicht völlig überraschend», sagt Leuenberger.

Er meint: «Weil ich das Bauressort führe, biete ich sicher mehr Angriffspunkte als andere Gemeinderäte». Als konkrete Beispiele nennt er die Opposition aus der Bevölkerung gegen eine geplante Mobilfunkantenne an der Bellikonerstrasse 219.

Gegen das Projekt wurde am 20. März eine Petition mit mehr als 550 Unterschriften eingereicht. «Mir als Bauvorsteher werfen einige Anwohner vor, ich sei untätig und wehre mich nicht genug für ihre Interessen», erklärt Leuenberger.

Er ergänzt, auch die Hochwasserschutzmassnahmen in der Gemeinde, für die einige Grundbesitzer in der Imbismatt enteignet wurden, hätten ihm nicht nur Freunde eingebracht.

«Und es gibt auch Leute, die der Meinung sind, bei der Einzonung des Rebbergs würden sich persönliche Vorteile für mich ergeben, obwohl ich bei diesem Thema in den Ausstand trete», hält er fest.

Anzeige nach anonymen Angriffen

Daneben spielte im Wahlkampf auch ein anonymes Schreiben mit persönlichen Vorwürfen gegen Urs Leuenberger eine Rolle. Leuenberger weiss, dass der Brief in Papierform an einen einzelnen Empfänger in Widen ging.

Dieser hat das Schreiben eingescannt und per Mail weiterverbreitet – auf diesem Weg ist es schliesslich auch zu Leuenberger gelangt. «Mein Anwalt hat bei der Staatsanwaltschaft eine Anzeige gegen den unbekannten Verfasser und eine Anzeige gegen jene Person eingereicht, welche den Brief weiterverbreitet hat», sagt Leuenberger.

Über den Inhalt möchte der Vizeammann nicht sprechen. «Die Vorwürfe in diesem Brief sind zum Teil primitiv und haben mich und meine Familie sehr getroffen», betont der langjährige Politiker.

Leuenberger hält fest: «Sollte der Brief an die Öffentlichkeit gelangen, bin ich bereit und in der Lage, alle Punkte zu widerlegen.» Weil es sich nicht um politische Fragen, sondern um persönliche Angriffe handle, möchte er derzeit aber nicht näher darauf eingehen. «Ich stelle mich gerne jeder sachlichen Diskussion, auch wenn sie hart ist, aber das geht unter die Gürtellinie.»

Mit dem Wider Einwohner, der den Brief erhalten und per Mail weiterverbreitet hat, hat Leuenberger inzwischen gesprochen. «Ich glaube, er hat eingesehen, dass seine Aktion nicht in Ordnung war», sagt der wiedergewählte Gemeinderat.

Sollte sich der Einwohner bei ihm offiziell entschuldigen, könnte sich Leuenberger unter Umständen vorstellen, «meine Anzeige zurückzuziehen». Für die anderen Gemeinderatskandidaten legt Leuenberger seine Hand ins Feuer. «Ich bin mir 100-prozentig sicher, dass keiner meiner Mitbewerber mit dem anonymen Brief etwas zu tun hat», hält er fest.

Kandidatur noch unsicher

Obwohl er im Kampf um das Amt des Gemeindeammanns klar das beste Resultat erzielte, hat sich Urs Leuenberger noch nicht entschieden, ob er im zweiten Wahlgang am 22. September nochmals antritt.

«Wir werden diese Frage heute Dienstag an der Vorstandssitzung der CVP besprechen», sagt er. Leuenberger räumt ein, dass die Aktion mit dem anonymen Brief nicht spurlos an ihm und seiner Familie vorübergegangen sei.

«Ich überlege mir, ob ich mir das weiter antun will», erklärt der Landwirt, der weitere persönliche Angriffe befürchtet. Andererseits habe ihm seine Frau geraten, sich nicht entmutigen zu lassen und im zweiten Wahlgang nochmals anzutreten.

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