Wahlen
Nur ein Kandidat für den Gemeinderat: Im schlimmsten Fall droht Bünzen eine Zwangsverwaltung

Mit Stefan Kuhn tritt nur einer der Bisherigen zur Wiederwahl in den Gemeinderat an. Weitere Kandidaten haben sich nicht gemeldet. Gelingt es nicht, den Gemeinderat mit genügend Kandidaten zu besetzen, wird der Kanton mit einer Sachwalterschaft eingreifen.

Nathalie Wolgensinger
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In Bünzen tritt nur ein Kandidat zur Gemeinderatswahl an.

In Bünzen tritt nur ein Kandidat zur Gemeinderatswahl an.

Marc Ribolla

Alle vier Jahre wieder müsse er diese Frage beantworten, stellt Martin Süess, Leiter des Rechtsdienstes der Gemeindeabteilung des Kantons, lachend fest. Die Frage treibt vor allem kleinere Gemeinden um, denen es nicht gelingt, genügend Kandidaten für die frei werdenden Gemeinderatssitze zu finden. In der Regel, so fügt Süess an, gelinge es meistens im zweiten Wahlgang, die freien Sitze doch noch zu besetzen.

Wenn sich bis zur Wahl am 26. September aber keine weiteren Kandidaten melden, werde der Kanton der Gemeinde empfehlen, eine Infoveranstaltung zu organisieren. An dieser werde dann ein Vertreter des Kantons teilnehmen und aufzeigen, was geschieht, wenn auch bei einem zweiten Wahlgang keine weiteren Kandidaten gemeldet werden. «Dann setzt der Kanton einen Sachwalter ein», so Süess. Das rüttle die Leute jeweils auf, die Kosten für den Sachwalter müssen die Gemeinden nämlich selber tragen. Und die gehen ganz schön ins Tuch.

Es gibt keinen Amtszwang

Zur Wahl stellt sich in Bünzen bloss der bisherige Gemeinderat Stefan Kuhn. Er tritt zur Wahl als Vizeammann an. Was geschieht, wenn ihn die Bünzer zum Gemeindeammann wählen? Dann habe er drei Tage Zeit, sich dies zu überlegen und diese Wahl anzunehmen oder nicht, so Süess. Falls er nicht Amme werden wolle, dann gelte er als Vizeammann gewählt. Dasselbe gilt für jene Kandidaten, die zwar nicht offiziell zur Wahl antreten, aber dennoch von den Bünzern auf den Wahlzettel notiert werden. Sollten sie das absolute Mehr erreichen, können sie sich frei entscheiden, ob sie die Wahl annehmen wollen. «Wir kennen im Kanton Aargau keinen Amtszwang», fügt Süess an.

Dass eine Gemeinde einen Sachwalter einsetzen muss, komme äusserst selten vor, erzählt der Leiter Rechtsdienst. Zum letzten Mal war dies der Fall 2007 in Rekingen am Rhein. Die 950 Einwohner zählende Gemeinde wurde durch den Kanton zwangsverwaltet, weil es wegen eines Streits unter den Behörden zu Demissionen der Gemeinderatsmitglieder gekommen war. In Rekingen ging es bei der Sachwalterschaft in erster Linie darum, wieder Leute für das Führungsgremium der Gemeinde zu finden – was auch gelang. Dieser Schatten tauchte aber 2013 wieder in der Fricktaler Gemeinde Hornussen auf. Dort fehlten vorerst drei Gemeinderäte. Die Sachwalterschaft konnte aber mit einer weiteren Kandidatur abgewendet werden.

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