Beinwil

Wachsende Bevölkerung hat keine Zukunft ohne Regionalplanung

Kurzes Podiumsgespräch mit dem Aargauer Landammann Roland Brogli, Bundesrätin Doris Leuthard, Moderatorin Claudia Hoffmann, dem Zuger Landammann Beat Villiger und Pius Wiss, Präsident des Regionalplanungsverbandes Oberes Freiamt (von links).

Kurzes Podiumsgespräch mit dem Aargauer Landammann Roland Brogli, Bundesrätin Doris Leuthard, Moderatorin Claudia Hoffmann, dem Zuger Landammann Beat Villiger und Pius Wiss, Präsident des Regionalplanungsverbandes Oberes Freiamt (von links).

Der Regionalplanungsverband Oberes Freiamt feierte auf dem Freiämter Hausberg sein 50-jähriges Bestehen. Bundesrätin Doris Leuthard sprach über die Herausforderungen einer wachsenden Bevölkerung im Zusammenhang mit der Raumplanung.

Wie wichtig regionale Zusammenarbeit ist und noch verstärkt sein wird, zeigte Bundesrätin Doris Leuthard am 50-Jahr-Jubiläum des Regionalplanungsverbandes Oberes Freiamt auf: Die Raumplanung ist eine riesige Herausforderung, welche nicht gemeindeweise gemeistert kann.

Klar ist für die Bundesrätin, dass die Regionalplanungsverbände wie schon bisher in raumplanerischen Fragen eine bedeutende Rolle einnehmen werden. «Es gibt ein Raumkonzept 2030, was ihr daraus macht, entscheidet ihr selber.»

Baut Dachstöcke aus, räumt mit veralteten Bauhindernissen auf, forderte Leuthard die Gäste an der Jubiläumsfeier auf - darunter zahlreiche Gemeindevertreter, Grossräte und die beiden Landammänner Roland Brogli, Aargau, und Beat Villiger, Zug. Die stetig wachsende Bevölkerung brauche nämlich Platz, und der könne nicht unbeschränkt zulasten des Kulturlandes geschaffen werden.

Verdichtetes Bauen und neue Lösungsansätze, bestehende Bauten zu Wohn- und Arbeitszwecken zu nutzen, sind deshalb ein Gebot der Stunde. Eines, das der Regionalplanungsverband Oberes Freiamt schon früh erkannt hat. Leuthard lobte denn auch seine früheren und heutigen Exponenten: «Von Ihnen könnten andere eine grosse Scheibe abschneiden.»

Mit Weitsicht

Schon 1964, bei der Gründung, habe die Repla Weitsicht bewiesen, stellte auch Landammann Roland Brogli fest. Und heute müsse, wo die Ansprüche an Wohnraum, Verkehr und Landschaft zunehmen, eine geschickte regionale Planung ihren Beitrag für eine wirtschaftliche und organische Entwicklung leisten.

«Die Repla Oberes Freiamt schaut auch über die Kantonsgrenze hinaus, der interkantonalen Zusammenarbeit kommt eine grosse Bedeutung zu.» Das ist nicht zuletzt so, weil es laut dem Zuger Landammann Beat Villiger, übrigens ein Freiämter, «viel Verbindendes zwischen unseren Regionen gibt.» Verkehrsbelastung, Hochwasserschutz, die Verbesserung des öffentlichen Verkehrs seien etwa gemeinsame Themen.

Grenzen verlieren an Bedeutung

In einem von der Kallerer Frau Gemeindeammann Claudia Hoffmann moderierten Podiumsgespräch zeigte sich, dass vermehrt in Funktionalräumen gedacht werden muss und gewachsene Grenzen in verschiedenen Bereichen an Bedeutung verlieren werden. Es wurden aber auch kritische Töne laut. So gab Villiger der Bundesrätin mit auf den Weg nach Bern, «die Regulierungswut runterzubremsen.»

Diese koste die Kantone viel Aufwand und auch viel Geld. Schliesslich wollen sich die Zuger in Sachen Finanzausgleich nicht mehr als Milchkuh der Nation verstanden wissen. Pius Wiss, Präsident der Repla, brachte die besondere Herausforderung des oberen Freiamtes auf den Punkt: Als Zuwanderungsregion mit einer schönen Landschaft und noch erschwinglichem Wohnraum gelte es, Wachstum mit der Erhaltung der Lebensqualität zu verbinden.

Doris Leuthard wiederum stellte fest, dass beim Bund ein «gewisser Konkurrenzkampf unter den Kantonen» festzustellen sei, was ihr Sorge bereite. «Wir müssen miteinander wieder solidarischer sein.» Und die Bundesrätin machte auf eine interessante Möglichkeit aufmerksam: Mit dem Agglo-Programm könnten erhebliche Bundesgelder für Projekte ausgelöst werden. «Der Kanton Zug und das Freiamt erfüllen die Kriterien jeweils allein nicht, aber vielleicht zusammen.»

Zum Apéro rief Peter Hägler die spannende und bewegte Geschichte des Oberen Freiamtes in Erinnerung. Das Alphorntrio Argovia und die Band Naturabläch aus dem Raum Sins umrahmten die Jubiläumsfeier, die mit gegen 100 Leuten in der Alpwirtschaft Horben abgehalten wurde.

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