Fahrplanwechsel
Vorstoss beim Kanton: Neat-Schnellzüge sollen im Freiamt halten

Die Kommission öV der Regionalplanungsverbände will, dass der Kanton bei den SBB Druck macht.

Toni Widmer
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Geht es nach den SBB, fahren die Schnellzüge in Richtung Neat an Wohlen vorbei, die Regionalplanungsverbände setzen sich für einen Halt ein. Toni Widmer

Geht es nach den SBB, fahren die Schnellzüge in Richtung Neat an Wohlen vorbei, die Regionalplanungsverbände setzen sich für einen Halt ein. Toni Widmer

Toni Widmer

«Wahnsinnig toll – die kleine Schweiz baut den längsten Eisenbahntunnel der Welt. Doch hat der Aargau auch etwas davon? Nein! Für uns soll es einen Anschluss an die Neat nur mit einem Umweg über Zürich geben. Ich frage mich, wie lange sich der Aargau von den Verantwortlichen noch als Randregion abspeisen lässt», hat der Wohler Nationalrat und Präsident der FDP Aargau, Matthias Jauslin, am 3. Juni in der Rubrik «Gseit isch gseit» von Radio Argovia gefragt. Jauslin setzt sich seit Jahren für eine bessere Anbindung des Aargaus – und insbesondere des Freiamts – an den öffentlichen Verkehr ein.

Schnellzug ohne Halt im Freiamt

Für das gleiche Anliegen kämpft – mittlerweile seit Jahrzehnten – auch die Gruppe öV Freiamt. Die vom Bremgarter Fredy Zobrist präsidierte gemeinsame Kommission der Regionalplanungsverbände Oberes Freiamt, Unteres Bünztal und Mutschellen, Reusstal Kelleramt, hat im Rahmen des aktuellen Fahrplanverfahrens einen Vorstoss beim Kanton eingereicht. Und der ist äusserst brisant.

Fredy Zobrist, dem als ehemaligem Betriebschef der BDWM-Bahn im Fahrplanentwurf kein Detail entgangen ist, hat entdeckt, dass neu zumindest am Wochenende ein Gotthard-Schnellzug durch das Freiamt flitzt, aber leider nicht Halt macht: «Der IR 2891 fährt vom 14. April bis 29. Oktober jeweils am Samstag und Sonntag ab Zürich durch das Freiamt und über die Gotthard-Bergstrecke nach Bellinzona.

Würde der Interregio 2891 auf der Hinfahrt am Morgen in Wohlen und Muri halten und der Interregio 2894 auf der Rückfahrt am Abend ebenfalls, dann hätten wir künftig am Wochenende eine deutlich schnellere Verbindung ins Tessin, und das erst noch ohne Umsteigen», sagt Fredy Zobrist.

Anschluss an die Neat gefordert

«Es kann nicht sein», sagt Fredy Zobrist weiter, «dass mit der Neat immer mehr Güterzüge die Bevölkerung des Aargaus mit Lärmimmissionen belasten, die Bevölkerung von diesem Jahrhundertbauwerk aber nicht direkt profitiert.» Es zeuge von grosser Arroganz der Verantwortlichen, wenn dem Freiamt mit dem IR 2891 nun noch die Durchfahrt eines Personenzuges vor die Nase gesetzt werde.

Neben dem Halt dieses Schnellzuges in Wohlen und/oder Muri fordert die öV-Kommission der Freiämter Replas in ihrem Begehren zuhanden der Abteilung Verkehr im Departement Bau, Verkehr und Umwelt auch zwei Regio-Express (RE) Zugspaare an Samstagen und Sonntagen von Aarau nach Arth-Goldau. «Damit könnte wenigstens an den Wochenenden ein schneller Neat-Anschluss aus dem Freiamt ohne Umweg über Zürich gewährleistet werden», erklärt Zobrist.

Leider habe sich die Hoffnung zerschlagen, dass dieser ab dem 11. Dezember mit der S26 gewährleistet werde. Vorgesehen war, dass die Gotthardzüge wegen des Umbaus der Strecke Zug–Walchwil–Arth-Goldau über Rotkreuz verkehren und dort einen Freiämter Anschluss gewährleisteten.

Diese Streckensanierung wurde aber verschoben, die Reise ab dem Freiamt führt weiterhin über Zug und Walchwil in Richtung Gotthard. Eine Möglichkeit, von der Neat profitieren zu können, sieht die öV-Kommission auch mit einem Halt der Luzerner Neat-Schnellzüge in Rotkreuz: «Damit», sagt Fredy Zobrist, «könnten täglich nicht perfekte, aber gute Anschlüsse mit nur einmaligen Umsteigen geschaffen werden.»

Bevölkerung kann unterstützen

Die Freiämter Bevölkerung kann bis zum Sonntag, 19. Juni, selber Druck für bessere Anschlüsse an die Neat machen. Über die Website www.fahrplanentwurf.ch läuft die aktuelle Vernehmlassung zum neuen Fahrplan.

Fredy Zobrist sieht für einen Halt von IR 2891 und 2894 gute Chancen: «In meinen Augen kann es keine allzu grosse Sache sein, dass dieser Schnellzug auf seiner Durchfahrt durch das Freiamt ein- oder zweimal einen kurzen Halt einschaltet. So hätten wir wenigstens ein bisschen etwas von der Neat und nicht nur den Lärm der Güterzüge.»

Bestrebungen, die Situation mit den fehlenden Schnellzugshalten zu verbessern, laufen auch auf der politischen Ebene. Neben Matthias Jauslin hat sich bisher insbesondere der Murianer CVP-Grossrat Herbert Strebel stark engagiert.