Wohlen

Vorschlag von zwei Einwohnerräten: Soll die Bibliothek in den Chappelehof?

Die Idee der beiden Einwohnerräte ist verlockend: Im Chappelehof in Büchern schmökern und dabei einen Kaffee geniessen.

Die Idee der beiden Einwohnerräte ist verlockend: Im Chappelehof in Büchern schmökern und dabei einen Kaffee geniessen.

Zwei Einwohnerräte lancieren mittels Postulat neue Ideen für die künftige Ausrichtung des 54-jährigen Wohler Gebäudes. Das freut Gemeinderat Paul Huwiler überhaupt nicht.

Die Idee hört sich verlockend an: Bücher ausleihen, einen Kaffee trinken und Freunde treffen – und das alles im Chappelehof. Das ist der Vorschlag von Einwohnerrat Ruedi Donat (CVP), den er an der Einwohnerratssitzung vom Montag in Form eines Postulates einbrachte. Er fordert den Gemeinderat auf, zu prüfen, ob die Gemeindebibliothek im Chappelehof untergebracht werden könnte. Damit, so ist er überzeugt, schlage man zwei Fliegen mit einer Klappe. Die Bibliothek erhalte endlich mehr Platz, und der Chappelehof als kultureller Standort erfahre eine Aufwertung.

Eine ähnliche Idee formuliert Laura Pascolin (SP) in ihrem Postulat, das sie ebenfalls am Montagabend beim Gemeinderat deponierte. Sie möchte prüfen, ob ein Gemeinschaftszentrum im Chappelehof eingerichtet werden könne. Dies sei für ein lebendiges Dorf enorm wichtig, findet sie und fordert deshalb den Gemeinderat auf, zu prüfen, wie das Zentrum von möglichst allen Bevölkerungsgruppen genutzt werden kann. Unter anderem schlägt sie ebenfalls vor, die Bibliothek zu integrieren.

Über fremdes Eigentum befinden?

Man kann sich nun fragen, warum die Einwohnerräte Laura Pascolin und Ruedi Donat diese Ideen ausgerechnet jetzt lancieren. Fakt ist, dass sie damit eine Idee aus dem Hut zaubern, die der Diskussion um die Nutzung des Chappelehofes eine neue Richtung gibt. Das freut Gemeinderat Paul Huwiler überhaupt nicht. Und dies sagt er in seiner Funktion als Präsident des Vereins St. Leonhard, dem das Gebäude gehört. Er moniert: «Diese beiden Postulate weisen den Gemeinderat an, über fremdes Eigentum zu bestimmen.»

Seit Jahren wird über die Zukunft des Chappelehofes und seine Nutzung diskutiert. Im Juni vor einem Jahr kündigte die Kirchgemeinde an, dass sie sich an der 14 Mio. Franken teuren Sanierung des Gebäudes nur begrenzt – und nicht wie einst vorgesehen zur Hälfte – beteiligen wird. Der Verein beschloss, das fehlende Geld mittels Sponsoren und zinslosen Darlehen aufzutreiben.

«Nun müssen wir nochmals über die Bücher»

Zuerst jedoch gab der Vorstand ein Vorprojekt in Auftrag. Nachdem die Kirchgemeinde nämlich ihren Rückzug bekannt gegeben hatte, entsprach das Sanierungsprojekt aus dem Jahr 2012 nicht mehr den aktuellen Anforderungen. Diese Arbeiten wurden mittlerweile an die Hand genommen. «Nun hat sich mit der Kündigung der Pächterinnen der Kulturbeiz eine neue Ausgangslage ergeben», seufzt Huwiler. Man müsse die Situation neu beurteilen, fügt er an. Geplant wäre gewesen, die Ergebnisse des Vorprojektes im Herbst der Öffentlichkeit zu präsentieren. «Nun müssen wir nochmals über die Bücher und uns überlegen, ob wir mit oder ohne Restaurant planen», so Huwiler. Bestehen bleiben die Alterswohnungen und der Saal.

Seit Jahren ein Thema: Wohin mit der Bibliothek?

Nicht nur über die Zukunft des Chappelehofes wird seit Jahren beraten, auch über jene der Gemeindebibliothek. Sie platzt bekannterweise aus allen Nähten. Immer wieder wurden Ideen lanciert und alsbald wieder verworfen. Aktuell steht zur Diskussion, sie in der geplanten Überbauung auf dem Jacob-Isler-Areal unterzubringen. Wie an der Einwohnerratssitzung am Montagabend bekannt wurde, ist der Gemeinderat bezüglich dieses Areals noch nicht weitergekommen. Es werden derzeit die Anforderungen an einen möglichen Investor definiert.

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