Bünzen

Vor Feuerwehrfusion: Fast 200 Jahre Feuerwehr-Geschichte an der letzten Übung

Die letzte Schlussübung der Feuerwehr Bünzen vor der Fusion mit Boswil und Kallern war ein beeindruckendes Schauspiel.

Schnell, wie es nur die Feuerwehr sein kann, kommen die Männer die Strasse Richtung Gasthof Hirschen heruntergeeilt, sie ziehen eine sperrige Handdruckspritze mit sich. Es eilt, ein Haus brennt. Das Wasser für die Spritze muss in Eimern aus einem Brunnen geholt werden. «Wir brauchen Freiwillige», ruft einer der Feuerwehrmänner den Zuschauern zu.

Einige sind schnell bereit, mit anzupacken, doch es genügt nicht. Noch einmal fordert einer der Männer: «Kommt helfen pumpen, es geht um Leben und Tod!» Da rennen weitere der Umstehenden über die Strasse, tragen Eimer oder helfen, die schwere Pumpe zu betätigen.

Die Realität war zum Glück nicht so dramatisch. Die Feuerwehr Bünzen hatte sich vor der Fusion mit den Wehren Boswil und Kallern zur «Regio-Feuerwehr Freiamt-Mitte» ab Januar 2020 noch etwas Spezielles zum Abschluss einfallen lassen. Kommandant Andreas Müller: «Wir wollten die Meilensteine in der Entwicklung des Materials und den technischen Fortschritt aufzeigen.»

Dank des Feuerwehrvereins Bünzen sei das möglich, der habe viele historische Geräte, wie eben eine Handdruckspritze aus dem Jahr 1822. Diese kam sogar beim Klosterbrand in Muri 1889 mit zum Einsatz. Am Samstag gab es nicht nur die Schlussübung, an verschiedenen Posten wie beispielsweise Atemschutz, Sanität und TLF konnte die Feuerwehr hautnah miterlebt werden.

Von der Holzleiter zur Autodrehleiter

Die eindrucksvolle Schlussübung war eine Reise durch die Jahrzehnte der Feuerwehr-Historie. Eine Sequenz zeigte die Rettung eines Mädchens aus dem brennenden Haus. Vom schweren Leitermaterial aus dem 19. Jahrhundert, dessen schwierige Aufstellung der Feuerwehrverein zu Beginn der Übung demonstrierte, ging die Zeitreise zur leichteren Aluminiumleiter.

Mithilfe eines Rettungsschlittens, der auf der Leiter angebracht wurde, zeigte die Wehr, wie Verletzte aus Gebäuden transportiert wurden. «Jahrzehntelang wurden so steigunfähige Personen im Aargau gerettet, bis ab 2012 das neue Höhenrettungskonzept mit der Autodrehleiter zum Einsatz kam», informierte der Kommandant. An der historischen Übung fehlten natürlich keine Tanklöschfahrzeuge.

1983 habe Bünzen erstmals ein TLF erworben, das sei nun in der Ukraine. Boswil half mit einem Fahrzeug aus einem ähnlichen Jahrgang aus. Vor 13 Jahren sei das aktuelle Fahrzeug in den Dienst gestellt worden. Müller dazu: «Es ist unser fahrendes Magazin.»

Einen Ausblick gab es auch, der Stützpunkt Muri präsentierte einen Grosslüfter, der einen Wasserverbrauch von 200 Litern pro Minute aufweist und damit eine beeindruckende Wasserwand entstehen liess. «Der Lüfter kann eben nicht nur entrauchen und entlüften», erläuterte Müller, «durch einen Wasseranschluss kann er auch Wasser vernebeln.» Auf diese Weise sei Brandschutz für Gebäude möglich.

Wehmut und Freude bei der Feuerwehr Bünzen

Nach der Übung sagte Müller: «Ein wenig wehmütig bin ich schon. Wir alle sind gespannt, wie die Fusion funktionieren wird, doch alle sind auch irgendwie glücklich, dass es zu diesem Schritt gekommen ist und es bald losgeht.» Schliesslich sei die Zusammenlegung auf Anregung der Feuerwehren gestartet worden.

Bünzen werde mit 36 topmotivierten Leuten dabei sein. Als Fazit stellte Andreas Müller fest: «Es war ein sehr gelungener Tag, der Aufwand hat sich gelohnt!».

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