Heute geht man zum Arzt oder ins Spital, wenn man krank ist oder sich krank fühlt. Es steht nicht nur ein enormes Fachwissen zur Verfügung, sondern auch modernste diagnostische Möglichkeiten und hochtechnische Gerätschaften zur Behandlung. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit war das anders: Für das einfache Volk gab es zunächst keine und dann nur sehr beschränkt gelehrte Ärzte und meistens nur in den Städten. Vielleicht kümmerte sich ein Bader oder Barbier um Kranke und Verletzte, später taten dies Wundärzte, die aber nicht über eine universitäre Ausbildung verfügten. Als erste studierte Stadtärzte von Bremgarten sind Franziskus Bucher (1646 – 1686) und sein jüngerer Bruder Johann Christophorus Bucher (1665 – 1740) dokumentiert, wie in der Festschrift zum 150-Jahr-Jubiläum des Freiämter Ärzteverbandes nachzulesen ist. Es gab auch inoffizielle Heilkundige. Sie wurden von den bereits etablierten Therapeuten als Kurpfuscher und Scharlatane bezeichnet.

Nur jedes zweite Mädchen und jeder dritte Knabe erreichte das Erwachsenenalter. Geboren wurde zu Hause, gestorben meist auch. Als guter Tod galten das Sterben im Kindesalter und der Tod für eine gute Sache, zum Beispiel der Tod in der Schlacht. Als schlechter Tod galten beispielsweise der Suizid und die Hinrichtung am Galgen oder auf dem Rad. Man hatte weniger Angst vor dem Tod als vor der ewigen Verdammnis in der Hölle.

Lückenlose Protokolle

Vor 150 Jahren, 1867, wurde als erster Bezirksverein nach der Gründung des Aargauer Ärzteverbandes der Freiämter Ärzteverband gegründet. «Die ärztliche Gesellschaft aus dem Freiamt» bezweckte laut den ersten Statuten unter anderem die «gegenseitige wissenschaftliche Anregung und Förderung der Kollegialität». Mitglieder besuchten Vorlesungen an den Universitäten und berichteten in den Versammlungen über das Erfahrene. Stand bei den Zusammenkünften der Freiämter Ärzte von Anfang an die Weiterbildung im Vordergrund, gewannen ab Mitte des 20. Jahrhunderts organisatorische und standespolitische Fragen an Bedeutung. Die Krankenkassen nahmen Einfluss im Tarifwesen, der Notfalldienst bekam mehr Gewicht und musste detailliert geregelt werden. Die Interessen der einzelnen Ärztegruppen wurden durch die Spezialisierung immer unterschiedlicher. Ab dem 21. Jahrhundert änderten sich die Zeiten schneller als zuvor. Das Gesundheitswesen wurde zu einem riesigen Dienstleistungsgebilde, in dem nicht nur Medizinalpersonen, sondern auch Politik, Verwaltung, Versicherungen, Industrie und Forschung eine Rolle spielen.

Die Festschrift gibt es für sieben Franken in der Buchhandlung Furrer im Sunnemärt in Bremgarten; bei MuriInfo und bei der Papeterie Huber in Muri.