Villmergen
Vor dem Abriss: Kammerdiener «Lunzi» kommt heim ins «Rössli»

Der Rösslisaal wurde für den «Kammerdiener» ein letztes Mal herausgeputzt. Das Theater, das in drei Monaten Premiere feiert, basiert auf dem gleichnamigen Buch des Wohler Autoren Lorenz Stäger.

Andrea Weibel
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Zum letzten Mal wird im Rösslisaal gefeiert, und das auch noch mit «Der Kammerdiener», dessen Geschichte zum Teil tatsächlich hier spielte. Paul Koch, Pascal Meier, Yvonne Sax, Präsidentin Hildegard Hilfiker, Niklaus Meyer und Regisseur Paul Steinmann (von links) von der Theatergesellschaft Villmergen freuen sich.

Zum letzten Mal wird im Rösslisaal gefeiert, und das auch noch mit «Der Kammerdiener», dessen Geschichte zum Teil tatsächlich hier spielte. Paul Koch, Pascal Meier, Yvonne Sax, Präsidentin Hildegard Hilfiker, Niklaus Meyer und Regisseur Paul Steinmann (von links) von der Theatergesellschaft Villmergen freuen sich.

Andrea Weibel

Es ist ein Jammer, dass so ein schmucker Saal samt Bühne und Balkon abgerissen werden soll. Doch zumindest geht er mit Pauken und Trompeten: Der Rösslisaal darf ein letztes Mal aufblühen und Schauplatz der Geschichten sein, die sich in seinen vier Wänden jahrhundertelang abgespielt haben oder zumindest dort erzählt wurden. Dabei bleibt er sich selber: Der Rösslisaal ist historisch verbürgter Schauplatz der Geschichte um Kammerdiener Leonz «Lunzi» Koch. Dessen Mutter hat ihren Geburtstag beispielsweise ebendort gefeiert. «Es ist ein riesiges Glück, dass wir hier spielen dürfen», freut sich Hildegard Hilfiker, Präsidentin der Theatergesellschaft Villmergen.

Churchill und Karl May

Das Theater «Der Kammerdiener», das in drei Monaten Premiere feiert, basiert auf dem gleichnamigen Buch des Wohler Autoren Lorenz Stäger. Der Roman ist eine Mischung aus Biografie und Fiktion und umfasst das ganze Leben des jungen Schuhputzers, der ein so schlauer und «gmögiger» Typ gewesen sein muss, dass er erst eine Lehre als Kellner machen konnte und sich anschliessend als Kammerdiener für einige der reichsten Leute der Welt anstellen liess.

Auf seinen Reisen traf er neben dem Russischen Zaren und dem Persischen Schah auch auf Persönlichkeiten wie Winston Churchill oder Karl May und arbeitete für den schwer kranken Pianokönig William Steinway. Er sprach fliessend englisch und französisch und erlebte, so zumindest die Romanfassung, die verschiedensten Liebesgeschichten. Doch als er im Alter von 50 Jahren beschloss, genug gearbeitet zu haben, konnte er sich nicht mehr in Villmergen wohlfühlen – das Bauerndörfchen war ihm einfach zu klein. Ihm, der von Hawaii und New York über London bis Russland die ganze Welt bereist hatte.

29 Schauspieler, 70 Rollen

«Es ist nicht leicht, in einem einzigen Stück all die Leute, Orte und vor allem die grosse Zeitspanne abdecken zu können», macht Regisseur Paul Steinmann bewusst. «Es sind 29 Schauspieler zwischen 12 und 71 Jahren, die rund 70 Rollen in 60 Szenen abdecken. All diese Szenen spielen an etwa 30 verschiedenen Schauplätzen.» Ausserdem gehört nur etwa die Hälfte der Spielenden der Theatergesellschaft an, alle anderen sind freiwillige Laien, die Lust hatten, mitzuspielen. Doch Steinmann freut sich: «Die Truppe ist sehr diszipliniert. Vor allem spürt man, dass ihnen bewusst ist, dass die Geschichte etwas mit unserem Dorf zu tun hat.»
Es ist ein Glücksfall für die Theatergesellschaft, dass sie Steinmann als Regisseuren gewinnen konnte, auch er stammt ursprünglich aus Villmergen. Ein ebensolcher Glücksfall ist der Koch, der für das passende Essen vor den 13 Vorstellungen sorgen wird: Hugo Weibel war Chefkoch in Gstaad und ist ebenfalls Villmerger. «Servieren werden echte Kammerdiener», so Hilfiker.

Wählen kann man zwischen «Lunzis Lieblingsässe ‹Wie Diheime›» und den Reisemenüs, die Lunzis Aufenthalte in aller Welt kulinarisch wiedergeben. «Das einzige, was uns momentan noch fehlt, sind Wiener Stühle, also alte hölzerne Saalstühle, und ein Klavier», sagt Bühnenbauchef Niklaus Meyer. Auch der Vorverkauf ist bereits sehr gut angelaufen: «Seit Pfingsten sind schon ein Viertel der 2500 Tickets weg», freut sich die Präsidentin.

Der Kammerdiener 31. August bis 29. September, Infos und Reservation unter www.theater-villmergen.ch

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