An der Bünzstrasse 1, dort, wo im 19. Jahrhundert der Strohindustrielle Jakob Isler Hüte flechten liess, gibts nun vietnamesische Frühlingsrollen oder Club-Sandwiches.

René Holenweger lässt kulinarische Gegensätze aufeinandertreffen. Der gebürtige Mellinger Hotelier verbrachte über 23 Jahre seines Lebens in Hongkong, das Konzept «East meets West» ist von seinen Erfahrungen in China geprägt.

Auf der automatisch sich selbst beleuchtenden Speisekarte, laut Holenweger ein Import aus Hongkong, findet man asiatische Spezialitäten, aber auch westliche Besonderheiten. «Damit ist für jeden Gast etwas Passendes dabei», meint der gelernte Koch. «Wir möchten den Wohlern etwas bieten, an dem sie Freude haben.»

Passenderweise nennt er das Restaurant «Marco Polo», kulinarische Entdeckungsreisen in einem Gebäude, aus dem früher original Wohler Strohgeflecht in die ganze Welt hinaus verschickt wurde.

Seit dem 1. Juli ist das Lokal eröffnet. Der ehemalige Besitzer des Restaurants Ibarus hatte mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen.

Ziel Holenwegers: Langsam, aber sicher soll sich das «Marco Polo» zum neuen In-Treff in Wohlen entwickeln, dafür sollen auch Livemusik und andere Events sorgen. «Das Gebäude wurde 1835 erbaut und steht unter Denkmalschutz, es bietet die perfekte Kulisse», sagt Holenweger.

Aus Alt mach Neu

Der Schweizer Hotelier leitet aber nicht nur Marco Polo Restaurant und Bar: Das gleichnamige Hotel, 200 Meter vom Restaurant entfernt, wurde auch von ihm eröffnet. «Marco Polo – Business Apartments» ist die Idee von sieben Investoren, die zusammen mit Holenweger die finanziellen Mittel aufgebracht haben, das 180-jährige Haus an der Bünzstrasse 12 zu renovieren.

«Wir waren auf der Suche nach etwas Speziellem, etwas Älterem. Die Mischung zwischen neu und alt verleiht dem Gebäude einen Charakter, das gefällt den Gästen.» Der Mellinger führte in Hongkong drei Firmen und war der Chef von Hunderten von Angestellten, warum setzt er nun ausgerechnet in Wohlen sein neues Projekt um?

«Ich sehe Potenzial in Wohlen, und hier haben wir die perfekte Immobilie für unser Hotel gefunden. Die Übernahme des Restaurants hat sich eher spontan ergeben», antwortet er. Wohlen sei ein guter erster Standort für «Marco Polo», gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr und wachsende Industrie sollen die Gäste anlocken.

Die Business Apartments sind zwölf moderne, geräumige Zimmer mit Einbauschrank und -küche. Der Hotelier vermietet sie hauptsächlich an Geschäftsreisende, die mehrere Wochen darin wohnen, aber auch an Touristen und Familien, die Wohlen als Ausgangszentrum für Tagesausflüge nutzen.

Ausserdem möchte Holenweger die Apartments in den Rest des Aargaus ausbreiten: «Momentan haben wir Immobilien in Bremgarten und Brugg im Auge. Aarau und Baden stehen auch auf der Liste.» Auch in Wohlen möchte er sich vergrössern und baut die ehemaligen Räume des Rüebliland-Beck, der nun im Café Widmer eingezogen ist, in einen Bankettsaal um.

Doch nicht nur die Zukunft sieht rosig aus, auch die Monate seit der Eröffnung haben die Erwartungen übertroffen: «So eine gute und stetige Nachfrage für die Apartments haben wir nicht erwartet. Auch das Restaurant hat im ersten Monat Gewinne eingebracht.» Holenweger und seine Angestellten fühlen sich also wohl in Wohlen und wahrscheinlich auch bald im ganzen Aargau.