Flugblatt

Von nichts gewusst und auch nicht mit dabei

Hinter dem Flugblatt, das in den letzten Tagen den Beriker Wahlkampf geprägt hat, steht ein überparteiliches, bürgerliches Wahlkomitee. Politiker von FDP und SVP geben sich ahnungslos und wollen nichts damit zu tun zu haben.

«Es freut mich, dass es bürgerliche Kräfte in Berikon gibt, die es ähnlich sehen wie ich», diese praktisch identische Antwort gaben Samuel Sommerhalder (FDP), Viktor Hüsser (FDP) und Gregor Biffiger (SVP) auf die Frage, was sie von dem Beriker Flugblatt halten. Alle drei beteuern aber, dass sie weder von dem überparteilichen, bürgerlichen Wahlkomitee in Berikon gewusst hätten, noch dass sie ihm angehörten. Die Auswahl der drei Beriker Politiker ist nicht zufällig. An Gemeindeversammlungen und politischen Anlässen haben sie dem Gemeinderat

Punkte vorgeworfen, die sich in den 16 Punkten des Wahlkomitee-Flugblatts wieder finden. Der ehemalige Gemeindeammann Viktor Hüsser gibt aber auch zu, «dass, wenn ich in diesem Komitee wäre, ich nicht weiss, ob ich das zugeben würde.»

«Botschaft ist angekommen»

Die drei Politker beteuern auch niemanden zu kennen, der in diesem Komitee mitmachen würde. Noch nicht einmal Rita Zimmermann, die das Flugblatt gezeichnet hat, kennen die bürgerlichen Politiker. Wie es passieren konnte, dass sich ein bürgerliches Komitee in Berikon gebildet hat, ohne dass die Präsidenten von FDP und SVP davon Kenntnis hatten, können sie nicht erklären. Alle drei angefragten Politiker finden das Flugblatt gut. «Vieles davon kann ich unterstützen», erklärt etwa Gregor Biffiger. Allerdings hätte für ihn das Flugblatt früher erscheinen sollen, damit die darin enthaltenen Themen auch hätten diskutiert werden können. Und Gemeindeammannkandidat Samuel Sommerhalder freut sich, «dass meine Botschaft bei den Bürgern anscheinend angekommen ist.»

Er frage sich, woher Rita Zimmermann Kenntnis von so vielen Details habe, sagte Gemeindeammann Peter Oggenfuss. «Dabei handelt es sich nicht um Insider-Informationen», entgegnet Rita Zimmermann. Die Informationen habe das Komitee an Gemeindeversammlungen und aus der Presse gesammelt. Im Flugblatt seien nur Fakten aufgezählt. Die Rentnerin lebt seit über 70 Jahren in Berikon, war 30 Jahre lang Geschäftsfrau, hat ihr eigenes Unternehmen geleitet und dabei auch die Finanzbuchhaltung geführt. Wer noch in dem Wahlkomitee mitmacht, will sie aber nicht verraten. «Nur so viel, es ist eine Gruppe von Leuten, die allesamt gute Steuerzahler sind und die es interessiert, wofür das Geld ausgegeben wird.» Sie sei aber die Einzige, welche mit ihrem Namen dafür einstehe.

Informationen aus dem Gemeinderat?

Für Peter Oggenfuss ist aber klar, dass es sich um Insider-Informationen handelt. Zum Beispiel habe der Gemeinderat die Legislaturziele nie publiziert und das Komitee könne auch nicht wissen, wie oft er mit der Verwaltung Gespräche führe. Für Peter Oggenfuss ist auch klar, «dass die Informationen von Leuten aus dem Gemeinderat kommen oder von Personen, die sich diese Informationen auf der Gemeindekanzlei beschafft haben.» Und Rita Zimmermann habe sich diese nicht beschafft.

«Wir sind eine Kollegialbehörde»

Ein Nachbar von Rita Zimmermann ist Gemeinderat Felix Baur (FDP). Er gibt auch zu, dass er Rita Zimmermann von Kindsbeinen an kennt. Mit ihr über das Flugblatt oder das Komitee habe er aber nicht gesprochen. «Das Flugblatt hat mich erstaunt und als Gemeinderat fühle ich mich genauso angegriffen wie meine Kollegen.» Felix Baur gibt zu, dass er am Gemeinderatstisch ein «Polderi» sei und manchmal eine andere Meinung vertrete als seine Kollegen. «Aber wir sind eine Kollegialbehörde. Wenn ein Entscheid getroffen wurde, stehe ich voll und ganz dazu.» So stehe er auch zu der vom Gemeinderat veröffentlichten Antwort auf das Flugblatt.

Der abtretende Gemeindeammann Peter Oggenfuss spricht von einem Graben, der aufgerissen wurde, zwischen dem bisherigen Gemeinderat und politischen Newcomern. Er ist überzeugt, dass dieses Gebaren dem grössten Teil von Berikon nicht passt, und hofft, dass nach den Wahlen die entstandenen Gräben bald wieder zugeschüttet werden können.

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