Lucie Heskett-Brem
Von New York bis London: Freiämter Goldweberin feiert international Erfolge

Lucie Heskett-Brem ist Bürgerin von Rudolfstetten-Friedlisberg und mit ihrer Kunst international erfolgreich. Begonnen hatte alles in der Migros-Klubschule.

Eddy Schambron
Merken
Drucken
Teilen
Lucie Heskett-Brem arbeitet in ihrem Atelier in Meggen; sie machte erst mit fast 30 Jahren eine Lehre als Goldschmiedin.

Lucie Heskett-Brem arbeitet in ihrem Atelier in Meggen; sie machte erst mit fast 30 Jahren eine Lehre als Goldschmiedin.

Eddy Schambron

Normalerweise bewegt sie sich in Luzern und New York, London oder Los Angeles. «Aber ich war auch schon in Rudolfstetten-Friedlisberg», sagt sie mit ihrem fröhlichen Lachen. Nur: Richtig erinnern, wie es dort aussieht, kann sich die Goldschmiedin Lucie Heskett, als «The Gold Weaver of Lucerne», die «Goldweberin», international bekannt geworden, nicht. Mit Rudolfstetten-Friedlisberg als Heimatort im Pass ist sie eine Freiämterin, genauso wie ihr Vater, der 2014 verstorbene berühmte Bildhauer Rolf Brem. Jetzt feiert sie das 25-Jahr-Jubiläum ihrer Goldschmiedekunst in ihrem Atelier in Meggen. Ihr Bruder übrigens, Louis Brem, ist ebenfalls erfolgreich – als Fotograf in Luzern – und gleichfalls auf internationalem Parkett unterwegs.

Immer in Bewegung

Lucie Heskett-Brem kann eines kaum: Die Finger ruhig halten. Sie ist praktisch dauernd und überall damit beschäftigt, kleine und kleinste Teile aus Gold mit der Zange abzukneifen, zu biegen, zusammen zu knüpfen, aneinander zu reihen. Sie ist trotzdem konzentriert, zum Beispiel in einem Gespräch. Das vermeintliche Chaos in ihrem Atelier ist keines, sondern «Lucie-Ordnung» – sie findet jedenfalls (fast) sofort (fast) immer (fast) alles. Etwas näher als Rudolfstetten-Friedlisberg liegt ihr - zumindest geografisch - das obere Freiamt. «Gelegentlich sind wir mit dem Schlauchboot auf der Reuss von Gisikon bis Rottenschwil unterwegs», erklärt sie. In Muri hat sie auch schon Ausstellungen besucht. «Mein Vater hatte noch einen stärkeren Bezug zum Aargau, jedenfalls betonte er immer wieder, dass er aargauische Wurzeln habe.»

Werke von Rolf Brem im Aargau

Bildhauer Rolf Brem, der Vater von Lucie Heskett-Brem, wurde 1926 geboren und verstarb 2014. Er besuchte in Luzern 1945 bis 1948 die Kunstgewerbeschule und arbeitete danach neun Jahre mit seinem wichtigsten Lehrer, Karl Geiser, in Zürich. Nach Studienaufenthalten in Paris, London und Florenz wirkte er in Rom als Mitglied des Istituto Svizzero di Roma. Seit 1957 arbeitete er in eigenen Ateliers in Meggen, Luzern und im Tessin als Bildhauer. 1977 erhielt er den Kunstpreis der Stadt Luzern, 1992 präsentierte Harald Szeemann 136 seiner Porträtköpfe an der Weltausstellung in Sevilla. Seine Werke sind an zahlreichen Orten im öffentlichen Raum zu sehen. Der «Hirt mit Schafen» vor dem Stadttheater Luzern ist eines davon. In seinem Heimatkanton Aargau ist er mit «Christine» (Grafische Fachschule Aarau) und mit dem «Feilenmann» (Berufsschule Brugg) vertreten.

Der Vater wollte sich eigentlich in Luzern einbürgern, wurde aber abgelehnt. Als Sohn Rolf Brem als Bildhauer Berühmtheit erlangt hatte, kam die Stadt Luzern, in der er lebte, diesbezüglich auf ihn zu. «Aber da lehnte mein Vater das Bürgerrecht ab.» 2011 erhielt er das Ehrenbürgerrecht seiner Arbeitsgemeinde Meggen, wo er seit 1957 sein Atelier hatte. «Da rief sich bei ihm auch der Kanton Aargau in Erinnerung», schmunzelt seine Tochter.

Auf Umwegen zum Ziel

Die Goldschmiedin, die gegenwärtig mit speziellen Ausstellungen in Seattle (Pattern, Rhytm, Repetition) sowie in Grono und in San Vittore im Tessin (La belezza del corpo) präsent ist, hat einen aussergewöhnlichen, bewegten Werdegang hinter sich. Sie hat eine Ausbildung als Sekretärin absolviert, die Hotelfachschule besucht, bei einer Zeitung Korrespondentenberichte abgetippt, Lastwagen fahren gelernt und als Übersetzerin und Dolmetscherin in Englisch gearbeitet. Erst über einen Hobby-Schmuckschmiedekurs in der Migros-Klubschule fand sie zu ihrer wahren Leidenschaft. Mit fast 30 Jahren entschloss sie sich, eine Lehre als Goldschmiedin zu machen. «Do hämmer dänkt, woaaah, au das no, woaaah - esch jo au gliich. Und plötzlich hets griffe, plötzlich het mer gmerkt, es goht öppis», sagt dazu ihr Vater in einem Dokumentarfilm über seine Tochter. Nach dieser Lehre gelangte sie sehr schnell zu grosser Anerkennung.

Ein Jahr nach dem Lehrabschluss wurde der Londoner Hofjuwelier Bentley & Skinner auf sie aufmerksam. 1995 schrieb die Fachzeitschrift «Jewellery International» von «The Gold Weaver of Lucerne», weil sich ihre Schmuckstücke so fein anfühlen wie weiche Textilien. Tatsächlich entstehen unter ihren nimmermüden Händen aus dünnen Drähten, die sie selber in 20-Karat-Legierung walzt und zieht, zahllose Glieder und Kleinstteile. Diese werden in unzähligen Arbeitsstunden zu filigranen Netzen, die sich zart auf die Haut legen, zu feingliedrigen, natürlich bewegbaren Schlangen, zu exklusiven Halsketten oder kostbaren Armbändern verarbeitet. Die Schauspielerin Nicole Kidman trägt ihren Schmuck genauso wie die englische Primaballerina Darcey Bussell. Die Goldschmiedin mit Freiämter Wurzeln zeigt ihre Kunst in grossen Ausstellungen in London, Edinburgh, New York, Los Angeles oder in Adelaide, Australien. Ihre Werke sind auch immer wieder im Inland zu bewundern. Das Museum of Arts and Design in New York hat 2009 «The Big Spiderweb» angekauft, das Smithsonian Design Museum Cooper Hewitt in New York 2015 «The Pyramid».

25-Jahr-Jubiläumsausstellung: Samstag, 19. August, 11 bis 18 Uhr, Sonntag, 20. August, 11 bis 16 Uhr, Orangerie St. Charles Hall, Meggen.