Villmergen
«Von Midlife-Crisis kann bei uns keine Rede sein»

Die Fasnachtsgesellschaft Heid Heid ist 50 Jahre alt und hat sich deshalb mit «Gwändli Show» und Live Konzert gefeiert.

Samuel Schumacher
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Gewänder aus 50 Jahren Vereinsgeschichte präsentierten die Heid Heid Guugger auf dem Villmerger Dorfplatz
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Gewänder aus 50 Jahren Vereinsgeschichte präsentierten die Heid Heid Guugger auf dem Villmerger Dorfplatz

Samuel Schumacher

Wenn ein Villmerger 50 wird, muss er an der Fasnacht güüggen gehen. Das ist fast seit jeher so. Was aber passiert, wenn eine Villmerger Fasnachtsgesellschaft 50 wird? Seit Samstag wissen wir es: Dann gibts ein rauschendes Fest auf dem Dorfplatz mit Live-Konzerten, Fan-Meile, temporärem Kultursaal, «Gwändli-Show» und anschliessendem Ball. Die Fasnachtsgesellschaft Heid Heid zeigte sich der Dorfgemeinschaft trotz beträchtlichem Alter in bester Verfassung. «Von Midlife-Crisis kann bei uns keine Rede sein», verkündete Heid Heid-Präsident Roger Köpfli. «Die Fasnacht boostet uns jedes Jahr, die Kreativität wächst und wächst, wir sind erstaunlich fit für fünfzig!»

Schwarzer Tag am Wohler Umzug

Um die guten alten Narrenzeiten auf dem modernen Dorfplatz noch einmal aufleben zu lassen, lud die «Heid Heid» am Nachmittag zu einer «Gwändli Show». Die Gesellschafts-Mitglieder präsentierten Kostüme und Accessoires aus den vergangenen 50 Jahren. Kleider machen Leute, Kostüme aber schreiben Geschichte. Bea Füglistaler, die lange Jahre als Schneiderin und Designerin für die «Heid Heid» im Einsatz stand, kommentierte die an einem Seilzug über den Dorfplatz schwebenden Kostüme, während sich die Musikanten auf der Dorftribüne in ihren historischen Gewändern fürs Jubiläumskonzert postierten. Als rot-weisse Clowns, gfürchige Trollen, edle Besucher aus dem Orient, schicke Franzosen und kecke Wikinger marschierten die «Heid Heid»-Guugger trompetend durch die Menge. Höhepunkte war die Präsentation des neuen «Wunderland»-Jubiläumgwändlis», entworfen von Romana Kammer.

Dass es in 50 Jahren Kostüm-Geschichte auch immer mal wieder kleinere Malheurs gegeben hat, war unumgänglich. Für einen wortwörtlich schwarzen Tag sorgten die eingefärbten Kopffedern des Vogel-Kostüms, mit denen die Heid Heid einst am Wohler Fasnachtsumzug mitmarschierte. «Am Umzug regnete es in Strömen. Die schwarze Farbe der Federn lief den Guuggern übers Gesicht und verdunkelte die farbigen Vogelkostüme ziemlich schnell», erinnerte sich Bea Füglistaler. Für einen etwas ruhigeren Fest-Höhepunkt sorgte der Villmerger Autor und ehemalige Heide Paul Steinmann mit seiner Lesung im kurzerhand auf dem Dorfplatz errichteten Kultursaal.

Mit Geschichten von Villmerger Säufern und Wohler Engeln, kurzen Gedichten und einem «Kultur»-Definitionsversuch entzückte Steinmann sein kunterbuntes Publikum und stellte unter Beweis, was sich wohl mancher Kultursaal-Besucher im Stillen dachte: Es ist jammerschade, dass der Kultursaal nach der Fasnacht wieder abgerissen wird und dass Villmergen nach wie vor kein eigenes Kulturlokal hat.