Wohlen
Von medizinischer Laborantin zum Bücherwurm: Jetzt tritt Bibliothekarin ab

Die passionierte Bibliothekarin Brigitta Loher tritt wehmütig und dennoch froh ab. Als sie vor elf Jahren zum Bibliotheksteam stiess, betrat sie noch Neuland.

Jörg Baumann
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Brigitta Loher: «Als Bibliothekarin muss man sich informieren und Trends im Markt erkennen.»

Brigitta Loher: «Als Bibliothekarin muss man sich informieren und Trends im Markt erkennen.»

zvg

Seit elf Jahren betreut Brigitta Loher aus Wohlen junge und alte Leserinnen und Leser, die zu ihr oder einer ihrer Kolleginnen in die Gemeindebibliothek in Wohlen kommen.

Vor sechs Jahren übernahm sie die Leitung der Bibliothek in einem Team, das heute sechs Personen zählt. Nun ist aber Schluss: Brigitta Loher hat auf Ende September die Kündigung eingereicht. Der Gemeinderat hat die Stelle zur Neubesetzung ausgeschrieben.

Beruflich Neuland betreten

Als Brigitta Loher zum Team der Bibliothek stiess, betrat sie beruflich Neuland. «Ich war vorher an verschiedenen Stellen als medizinische Laborantin tätig, bin aber schon lange ein richtiger Bücherwurm», sagt sie. So war die neue Tätigkeit in der Bibliothek wie geschaffen für sie. Sie arbeitete sich gründlich in das Fachgebiet und in den grossen Medienbestand der Bibliothek ein und war schnell in der Lage, die Kundinnen und Kunden gut zu beraten. «Als Bibliothekarin muss man sich ständig über wichtige Neuerscheinungen informieren und Trends im Markt erkennen können», sagt sie.

Noch intensiver als vorher beschäftigte sich Brigitta Loher mit allen möglichen literarischen Formen, auch mit E-Books und Hörbüchern, als diese in den Gemeindebibliotheken Eingang fanden. «Eng haben ich und meine Mitarbeiterinnen immer auch mit den Schulen zusammengearbeitet, die Schüler sind doch die Leser von morgen», erklärt sie.

Neue Bibliothek blieb ein Traum

«Eine Gemeindebibliothek hat auch einen sozialen Auftrag. In ihren Räumen soll das Gespräch unter den Leserinnen und Lesern angekurbelt werden. Aber gerade dafür ist unsere Gemeindebibliothek leider zu klein. Wir haben vor lauter Büchern viel zu wenig Sitzgelegenheiten», bemerkt sie. Das Bibliotheksteam machte sich deshalb immer wieder für eine grössere Bibliothek stark.

Das Anliegen wurde zwar auf die politische Ebene gehoben - bisher ohne erkennbaren Erfolg. Trotzdem warb Brigitta Loher unverdrossen weiter um neue Leserinnen und Leser: mit Einführungen für Kindergärtner und die untersten Primarschulklassen, mit Leseanimationen für Kinder im Bilderbuchalter, mit der Zusammenarbeit mit der Kulturbeiz und dem Sternensaal und der Vorstellung von Neuerscheinungen. «Ich habe einen wundervollen Job», sagt Brigitta Loher.

«Aber ich will ihn abgeben, solange er mir noch Freude macht. Ich werde nächstens 63 Jahre alt und gehe ein Jahr früher in den Ruhestand.» Etwas mehr Musse hat sie tatsächlich verdient. Brigitta Loher hat sich weit über das normale Mass für guten Lesestoff für alle Generationen engagiert.

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