Neujahrsblätter 2021
Von Hexenmord bis Corona: Ereignisse, die die Bremgarter prägten

Die Bremgarter Neujahrsblätter 2021 bieten Spannendes zu Ereignissen in den vergangenen 500 Jahren – aber natürlich darf das speziellste Thema des Jahres 2020 auch nicht fehlen.

Marc Ribolla
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Die Bremgarter Persönlichkeiten Andreas Burlet, Biggi Winteler, Raymond Tellenbach, René Holenweger und Stephan Troxler (von links) erzählten im September von der Coronapandemie. Die «Rüssgfrörni» 1929 in Bremgarten.

Die Bremgarter Persönlichkeiten Andreas Burlet, Biggi Winteler, Raymond Tellenbach, René Holenweger und Stephan Troxler (von links) erzählten im September von der Coronapandemie. Die «Rüssgfrörni» 1929 in Bremgarten.

Lis Glavas Bild: Sammlung Rolf Meyer

«Noch in den Sportferien nahm das Leben seinen Lauf. Dann verhängte der Bundesrat ein Veranstaltungsverbot für Grossanlässe. Es war der Reusslauf, der als erster in der Region von heute auf morgen abgesagt werden musste.» Mit diesen Worten leitet Reto Jäger seinen Beitrag «Bremgarten im Corona-Stillstand» in den Neujahrsblättern 2021 ein. Das Mitglied der Redaktionsgruppe zeichnet darin ein Stimmungsbild des Städtchens während des Lockdowns im Frühling. Angereichert mit vielen ungewöhnlichen Fotos.

«Als wir uns für ‹Aussergewöhnliche Ereignisse› als Schwerpunktthema in der diesjährigen Ausgabe entschieden, konnten wir noch nicht ahnen, was mit der Coronapandemie auf uns zukommt», sagt Fridolin Kurmann, Präsident der Schodoler-Gesellschaft, die seit 1959 die Neujahrsblätter herausgibt. Aus aktuellem Anlass würden deshalb die ersten drei Beiträge davon handeln.

Zu Wort kommen zum Beispiel in «Eine Momentaufnahme im September» von Lis Glavas fünf Personen des öffentlichen Bremgarter Lebens. Sie erzählen, wie das Coronavirus die lokale Gesellschaft und Wirtschaft im Griff hielt und immer noch hält.

Von der «Rüssgfrörni» und dem Bankenskandal

Doch nebst dem Virus geschahen in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder Ereignisse, die die Bremgarterinnen und Bremgarter prägten – in positiver wie negativer Sicht.

Von einem besonderen Spektakel berichtet Historiker Patrick Zehnder. Mitte Februar 1929 war die Reuss derart zugefroren, dass die Menschen ungefährdet vom Stauwerk Emaus bis nach Rottenschwil von einem Ufer zum anderen gehen konnten. Eine «Rüssgfrörni», wie man sie sich heute nicht mehr vorstellen kann. Eine spezielle Wetterlage führte damals über Wochen zur Eiseskälte, die die «Rüssgfrörni» überhaupt erst möglich machte.

In einem weiteren Beitrag befasst sich AZ-Senior-Reporter Jörg Baumann mit einem Bankenskandal, der Bremgarten ausgerechnet am Freitag, 13. Februar 1913, erschütterte. Die damalige Spar- und Leihkasse Bremgarten machte Konkurs und viele Bewohner verloren ihre Ersparnisse. Baumann erzählt die dramatische Geschichte aufgrund von Gerichtsakten und Zeitungsberichten.

Weit zurück in der Geschichte geht in ihrem Artikel Joy Knecht. Sie bringt dem Leser das Schicksal von Anna Maria Kaufmann näher, die 1668 als 12-jähriges Mädchen wegen Hexerei in Bremgarten hingerichtet wurde. Knecht ergänzt den Beitrag, der auf ihrer Maturarbeit 2019 beruht, mit einem fiktiven Gedankenmonolog des Mädchens.

Die alten Ausgaben werden nun digitalisiert

Insgesamt umfassen die Neujahrsblätter heuer rund 170 Seiten mit zwölf Artikeln in einer Auflage von 600 Exemplaren, wie Fridolin Kurmann ausführt. Zu kaufen gibt es sie in verschiedenen Lokalen und am Schalter der AVA. «Es besteht zudem die Absicht, die Neujahrsblätter zukünftig digital abrufbar zu machen. Die alten Ausgaben sind zurzeit bei der ETH-Bibliothek im Digitalisierungsprozess und sollten in etwa einem Jahr fertig sein», sagt Kurmann.