«Erst die Tische, dann die Tafeln und am Schluss die Stühle», ruft der Vorarbeiter der Zügelmannschaft aus dem Container zu. Gehorsam schleppen seine Kollegen und die Mitglieder von Vereinlife das Mobiliar in gewünschter Reihenfolge zum Lastwagen.

Lauter Schulmöbel, an denen vor ein paar Jahren noch fleissige Schweizer Kinder rechnen und schreiben lernten, verlassen heute das Lager der Knobel Schuleinrichtungen AG in Fenkrieden (Sins), werden nach Basel gefahren, dort verladen und nach Rotterdam verschifft, wo sie am 14. Oktober den Hafen in Richtung Myanmar (Burma) verlassen.

Der Seniorchef, Eugen Knobel, freut sich über diesen Transport: «Das sind alles solide Möbel in einwandfreiem Zustand. In der Schweiz würde sie aber keine Schule mehr wollen, darum müssten wir sie entsorgen.» Knobel hörte vom Engagement des Vereinlife durch dessen Präsidenten, Roman Saxer, als dieser im Rotary Club Zug-Zugersee einen Vortrag hielt. Kurz entschlossen reiste er mit seiner Frau nach Myanmar, um sich vor Ort ein Bild zu machen (siehe Artikel Mitte).

So kam eins zum andern: Das jüngste Projekt von Vereinlife sieht vor, eine total heruntergekommene Schule in Mindat, einem kleinen Bergdorf im ärmsten der insgesamt 14 Bundesstaaten Myanmars, in Chin, zu renovieren.

18 Wandtafeln, 92 Stühle

Mitte November wird der Container mit den 42 Schultischen, 92 Stühlen, 18 Wandtafeln, 13 Beamern und vielen Kisten voller Kleider und weiterer Naturalspenden im Hafen von Yangon ankommen. Da die Strassen in Myanmar in sehr schlechtem Zustand sind, müssen die Güter auf kleine Transportfahrzeuge verladen und in einer mindestens zweitägigen Fahrt zum Zielort auf 1500 Metern gebracht werden.

Wenn man Myanmar schon «das Armenhaus Südostasiens» nennt, dann sei Chin «das Drittestweltland der Welt», meint Vereinlifepräsident Roman Saxer. Der weitgereiste Luftverkehrsangestellte landete 2002 zum ersten Mal in Myanmar. Die Schönheit des Landes und die Armut seiner Bevölkerung liessen ihn nicht mehr los, und so begann er zu sammeln. Nach der politischen Öffnung des Landes 2011 gründete er den Verein, der seither ein Altershospiz, einen Kindergarten und eine Schule gebaut hat, eine Pflegefamilie für zehn Strassenkinder unterstützt und auch schon diverse Einzelschicksale durch Spenden verbessern konnte.

«Was wir dabei gelernt haben», sagt der gebürtige Waltenschwiler, «ist, dass man mit relativ wenigen Mitteln viel erreichen kann. Bei uns fliessen 99 Prozent der Spenden direkt in die Projekte. Wir alle arbeiten ehrenamtlich und berappen unsere Auslagen selber. Nur unser Verbindungsmann in Myanmar erhält von uns einen kleinen Lohn für seine Vermittlungs- und Kontrollaufgaben vor Ort.»

Als Vereinsmitglied aufgeführt ist auch der pensionierte Notar Ernst Häuselmann. Er lebt in Rheinfelden und Yangon. Zusammen mit seiner burmesischen Frau hat er den Verein Books for Children of Myanmar (BCM) gegründet. Dieser eröffnet kleine Bibliotheken in abgelegenen Gebieten Myanmars. Dazu verschifft Häuselmann Bücher und Schulmöbel aus der Schweiz nach Südostasien. Auch er hat gestern kräftig mitangepackt für die Zukunft der Kinder von Myanmar.

Mehr Infos zum Verein und den Projekten finden Sie online unter www.vereinlife.org