Was haben fromme Frauen mit Tabakwaren zu tun? Was geschah nach der Aufhebung des Klosters Gnadenthal? Wie spielte sich das Leben in der alten Pflegeanstalt ab? Auf diese und viele weitere Fragen rund um das in Niederwil an der Reuss gelegene ehemalige Kloster werden in der Aufarbeitung von der Geschichte des Konvents Antworten zusammengetragen.

Tabakfabrik und Pflegeanstalt

Nun, was hat es mit den Stumpen paffenden Ordensfrauen wirklich auf sich? Die Antwort ist in der Zeit der Aufhebung des Klosters durch den Aargau, im Jahr 1876, zu suchen. Die Anlage wurde damals vom Kanton für 185 000 Franken an Industrielle aus Baden verkauft. Diese eröffneten 1877 die «Aargauische Tabak- & Cigarren-Fabrik Gnadenthal Schweiz». Aber schon wenige Jahre danach wurde die unrentable Fabrikation in der alten Klosteranlage geschlossen. Dekan Nietlispach aus Wohlen, Pfarrer Döbeli aus Muri und der Zürcher Arzt Emil Pestalozzi-Pfyffer erwarben das einstige Kloster für 160 000 Franken – sie richteten dort eine Pflegeanstalt für ältere Menschen und Chronischkranke ein.

Viele Höhen und Tiefen ziehen sich wie ein roter Faden durch die Vergangenheit des Klosters Gnadenthal, das um die Mitte des 13. Jahrhunderts aus einer Siedlung frommer Frauen entstanden ist, wie Forscher vermuten. Die Anlage gilt heute als nationales Kulturdenkmal und wurde in den Jahren 1978/1981 saniert. Seit jener Zeit gibt es ein kleines Museum, das einen ersten Einblick in die Geschichte des ehemaligen Zisterzienserklosters ermöglicht. Auch werden im Museum Unterlagen und Exponate aus der Geschichte der ehemaligen Pflegeanstalt ausgestellt.

Neues Vermittlungsangebot

Die Verantwortlichen wollen es jedoch nicht dabei bewenden lassen, denn die Pflegeanstalt (heute Reusspark, Zentrum für Pflege und Betreuung) begeht 2019 das 125-Jahr-Jubiläum. Der Vorstand des Vereins Gnadenthal, die Trägerschaft des Reussparks, hat auf Antrag der Geschäftsleitung entschieden, auf das Jubiläumsjahr hin das heutige, doch schon 35-jährige Vermittlungsangebot komplett aufzufrischen und neu zu gestalten: «Wir möchten den veränderten Bedürfnissen und heutigen Möglichkeiten Rechnung tragen und Anpassungen vornehmen», war von Direktor Thomas Peterhans zu erfahren. Die bewegte Geschichte des Zisterzienserklosters und vor allem auch die Geschichte des Reussparks beziehungsweise der Pflegeanstalt Gnadenthal soll bis 2019 aufgearbeitet und zeitgerecht vermittelt werden. «Eine grosse und auch sehr spannende Projektarbeit, die uns in den nächsten zwei Jahren beschäftigen wird», so der Direktor. Koordinatorin des Projekts wird Irene Briner, die bisherige Kulturbeauftragte im Reusspark.

Zentrale Informationsstelle

Im Klostertrakt baut das geplante Vermittlungsangebot auf Bestehendem auf und steigert die Attraktivität des Orts als Ausflugsdestination. Neu können sich die Besucherinnen und Besucher an einer zentralen Stelle über die Anlage und das gesamte reichhaltige Angebot vor Ort informieren.

Geheimnisse werden gelüftet

Im Zuge der neuen Gesamtvermittlung des Angebots ist die Umgestaltung des Museums geplant. «Schliesslich soll die Geschichte des Gnadenthals auf lebendige Weise erzählt werden, und zwar von den Anfängen bis heute», führte die Projektbeauftragte, Irene Briner, weiter aus. Man wolle alles berücksichtigen und auch eher dunkle Kapitel aus der Geschichte der Klosteranlage beleuchten. So darf man gespannt sein, welche Geheimnisse im Gnadenthal nach und nach gelüftet werden.

Die verschiedenen Angebote und das neu zu gestaltende Museum sollen in eine Gesamtvermittlung zusammengeführt werden. Daraus ergeben sich unter anderem Beschriftungen mit Übersichtsdarstellungen, Wegweisern, Text- und Bildtafeln sowie Informationsstationen, verteilt auf dem gesamten Areal.

Die markante Architektur soll künftig besser in die Präsentation der Anlage eingebettet werden. Eine multimediale Intro-Station im Foyer wird einen Abriss der Klostergeschichte zeigen und den Werdegang des Pflegeheims darstellen. Die Vertiefung der historischen Darstellungen ist in einer Ausstellung im Refektorium, dem ehemaligen Speisesaal, vorgesehen.

Einige hunderttausend Franken

Für das neue Vermittlungsangebot im Gnadenthal ist nach Angaben von Direktor Thomas Peterhans mit «Kosten von einigen hunderttausend Franken» zu rechnen. Rund 250 000 Franken aus Sponsorings seien bereits vorhanden, davon 150 000 Franken von Swisslos.