Neue Kinderbuchserien und moderne Kultbücher – jedes Jahr kommen neue Werke zur Schülerbibliothek der Primarschule Halde hinzu. Ältere Bücher werden übersehen und im Regal stehen gelassen, bis sie aussortiert, verschenkt oder – wie die meisten – weggeworfen werden.

Nicht so in diesem Jahr: «Anstatt sie wegzuwerfen, haben wir beschlossen, die Bücher nochmals zu gebrauchen», erzählt Klassenlehrerin Brigitte Thurnherr. Es war ihre Idee, die Kinder eigene Geschichten zu den Buchtiteln schreiben zu lassen und die Bücher entsprechend umzugestalten. So entstanden unter Anleitung von ihr und Klassenlehrerin Barbara Wehrli völlig neue, fantastische, kreative und spannende Geschichten, auf welche die eigentlichen Autoren der Bücher mit Sicherheit nie gekommen wären.

Das Wildschwein auf dem Mond

«Als ich den Buchtitel ‹Im Höhlenlabyrinth› gelesen hatte, kam mir gleich eine Geschichte in den Sinn», erinnert sich Winona (10). Das Buch, in dem es um den bekannten Collie Lassie geht, hat sie nicht gelesen – das war auch nicht ihre Aufgabe. Ihr eigenes Höhlenlabyrinth liegt auf der Sonne, wo ein Mann mit seinem Wildschwein Franz, die eigentlich auf dem Mond wohnen, einen Dieb fangen muss. Die beiden werden von einem Drachen erschreckt. Winona erklärt: «Man bekommt schon Angst, wenn man so rennt, und dann steht da plötzlich eine riesige Pfote.»

Winona hatte Spass an der Arbeit. Auch bei der Umgestaltung des Buches hat sie sich sehr viel überlegt: «Die Sonne sollte viel weiter hinten sein als der Mond, und ich wollte
sie nicht nur gelb anmalen, das
wäre ja langweilig», erklärt sie. Also hat sie die Textur der Sonne mit einer gelben Feder nachgeahmt und die Sterne mit Papierkügelchen an den Himmel gepappt, während der Mond jetzt ganz im Vordergrund schwebt.

«Die Schüler haben sich wirklich viel Mühe gegeben», freut sich Brigitte Turnherr. «Einige hatten zwar etwas Mühe, aber andere haben bis zu fünf Kapiteln geschrieben.»

Wie echte Schriftsteller

Benoît (10) hat aus seinem Buchtitel «Notsignal im Schulhauskeller» einen spannenden Krimi gemacht. Ein Schulhaus, das sehr weit weg vom Haus dreier Freunde stand, wurde gesprengt. Erst am Ende merkt man, dass es die Tante der drei gewesen war, die nicht wollte, dass ihre Neffen sie verliessen. «Ich habe mir lange überlegt, ob ich sagen soll, weshalb die Tante das gemacht hat», sagt er. Ein Gedanke, wie er auch echte Schriftsteller plagen könnte.

Von Jonathan und Fledermäusen

In Karstens (10) Geschichte zum Titel «Olis grosse Hilfsaktion» wird der 9-jährige Oli vom König beauftragt, «einen Kannibalen zu vermöbeln», worauf er in seinen Ferrari steigt und den Dieb sucht. Bei Josefinas (10) «Komma und die Galgenstricke» folgen Peter und die Fledermaus Fledi einer Spur aus Kommas und Blutflecken. Ihr Fazit: Am Ende hat Peter einen echten Freund und keine Angst mehr vor Fledermäusen. Celine (11) verrät in «Jonathans Geheimnis», was es mit einem ominösen rot-schwarzen Hebel in der Wiese auf sich hat. Und Jessica (10) erzählt in «Packt das Gespenst» von drei Kindern, die einen berühmten Mörder fangen, der ihren 101-jährigen Onkel getötet hat. «Am Anfang fand ich die Idee mit den Büchern blöd. Aber dann habe ich gemerkt, dass es doch nicht so blöd ist», gesteht sie.

Vom 15. bis zum 26. Februar werden die Geschichten und Bücher in der Gemeindebibliothek ausgestellt, wo die Kinder ihre Geschichten auch vorlesen.