Abtwil / Sins
Vom Udo-Jürgens-Klassiker zum Ehestreik

Der Männerchor Sins lud zu Jahreskonzert und Theater. Trotz der Verlegung in die Mehrzweckhalle Abtwil erschienen die Besucher in Scharen.

Tim Honegger
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Jahreskonzert und Theater des Männerchors Sins
8 Bilder
Männerchor Sins mit Dirigent Helmut Seeg
Jahreskonzert und Theater des Männerchors Sins
Jahreskonzert und Theater des Männerchors Sins
Marianne (Edith Suter), Rädelsführerin Klementine (Bea Balmer) und Babett (Martina Bühlmann)
Xaveri (Alfred Naef) und seine Frau Babett (Martina Bühlmann)
Jahreskonzert und Theater des Männerchors Sins
Die Ehepaare Marianne (Edith Suter) und Hanspeter (Rolf Leu), Xaveri (Alfred Naef) und Babett (Martina Bühlmann)

Jahreskonzert und Theater des Männerchors Sins

Tim Honegger

Wer glaubt, Männerchöre und Theatergruppen seien verstaubte Vereine, hätte das Jahreskonzert des Männerchors Sins besuchen sollen. Durch Gesang und Schauspielerei vermit-
telte die Gruppe, wie Problematiken aus längst vergangener Zeit noch immer sehr aktuell sein können. Rund 350 Zuschauer fanden den Weg in die Abtwiler Turnhalle. «Damit haben wir nicht gerechnet», kommentierte Männerchorpräsident Rolf Leu angenehm überrascht.

Das Eis brachen allerdings nicht die gestandenen Sänger oder die Schauspielerinnen, sondern der 18-köpfige Kinderchor Abtwil. Ihr Auftritt war herzerwärmend, doch ebenso erstaunlich: Eines der fünf vorgetragenen Lieder war auf Englisch - und die Zöglinge beherrschten die Fremdsprache hervorragend.

Das Leben zelebrieren

Als die knapp 40 Sänger des Männerchors die Bühne betraten, schlug die Stimmung ins Ernsthafte um. Wer jedoch auf den Text achtete, merkte sogleich, wie viel Lebensfreude hinter dem Gesang steckt. In drei von fünf Liedern wird der Wein hoch gepriesen und das abschliessende Lied von Udo Jürgens lautet: «Mit 66 Jahren, das fängt das Leben an». Trotz - oder gerade wegen - dieser grossen Euphorie ist Präsident Rolf Leu erstaunt, wie wenige Leute sich für das Mitmachen in einem Chor begeistern können. Obwohl der Sinser Verein mit seiner stattlichen Anzahl an Mitgliedern keine schlechte Figur macht, sind die Sänger stets auf der Suche nach Neumitgliedern.

Emanzipation um 1920

Im darauffolgenden Theaterstück «Der Ehestreik» brachten 14 Schauspielerinnen und Schauspieler unter der Leitung von Andreas Naef ein amüsantes Stück auf die Bühne. Es handelt im Jahr 1920 in einem Dorf, in dem Unruhe herrscht: Seit eine
attraktive Serviertochter in der Beiz arbeitet, zieht es die Männer allabendlich ins Alkoholmekka – sehr zum Unmut ihrer Frauen.

Es dauert nicht lange, bis sie unter der Führung von Klementine Bättig zum Widerstand eine Allianz schmieden, um die hübsche Kellnerin aus dem Dorf zu jagen – quasi ein Akt der Emanzipation, und das vor 90 Jahren. Dies mündet in einen zähen Streit der Geschlechter: Bald geht es nicht mehr um die Serviertochter, sondern darum, wer im Haus das Sagen hat. Am Schluss tritt das klassische Happy End ein, und alle verzeihen sich.

Zeitlich strapaziöses Stück

Das Stück ist überaus unterhaltsam und die Darsteller agieren bis auf wenige Patzer hervorragend. Auffallend war Naef selbst, der den liebenswürdigen, doch tollpatschigen Vater spielt. Ein Kritikpunkt ist die Länge des Theaters: 2 Stunden und 30 Minuten dauert es – zusätzlich zur einstündigen Gesangsvorführung. Mit ein wenig Verdichtung wäre die Präsentation indes vollkommen.