So vielfältig war der Internationale Museumstag am 18. Mai in Bremgarten noch nie: Gleich drei Museen öffnen mit dem Reusskraftwerkmuseum Bruggmühle, dem Stadtmuseum und der St.-Anna-Kapelle ihre Türen. Unter dem Motto «Netzwerk Museum» spannen die drei Institutionen zusammen.

Erste Petrollampe wird ausgestellt

Überall treffen die Besucher auf Spezialitäten, die es so nur in Bremgarten gibt: In der Stadt nahm die Stromproduktion 1892 im Kraftwerk Bruggmühle ihren Anfang. Das Kraftwerk lief bis 1998. Enthusiasten brachten den Betrieb wieder auf Vordermann und gründeten das Museum. «Am gleichen Ort standen schon im Mittelalter die ersten Mühlen von Bremgarten», erklärt der pensionierte Elektroingenieur, Stadtrat und Technikumslehrer Alfred Koch, der von der Gründermannschaft noch an Bord ist. Er kann dem Publikum am Museumstag einige Trouvaillen zeigen: nicht nur das Kraftwerk, das immer noch Strom erzeugt, sondern auch eine der ersten Petrollampen, die vor 1850 in Bremgarten in Betrieb waren, und die Lichtbogenlampe, die auf dem Vorplatz der Büromöbel-Fabrik Bremgarten stand. Der Schuljugend will Koch anhand von einfachen Modellen an diesem Tag erklären, was Elektrizität überhaupt ist. «Das ist eine gute Vorübung auf den Physikunterricht», sagt er.

Alter Plan von Bremgarten

Das 1997 eröffnete Stadtmuseum in der Unterstadt trumpft mit dem 1748 vom Feldmesser Anton Baille erstellten Grundrissplan von «der löblichen Stadt Bremgarten» auf. «Unser Museum stellt den Alltag und seine Menschen in den Vordergrund. Diese können genau so wichtig sein wie eine Staatsaktion», bemerkt der Museumsleiter und Historiker Fridolin Kurmann. Ausserdem stellt das Museum das Original des sogenannten «Delfins» aus, eine Skulptur, die einem Fabelwesen und nicht etwa einem Delfin nachgebildet wurde, und dessen Kopie am Hirschengässli steht.

Eine Tradition, die noch lebt

Auf die kirchliche Tradition des Bremgarter Augenheiligen Synesius konzentriert sich die Ausstellung in der früheren St.-Anna-Taufkapelle, die heute für sehenswerte Wechselausstellungen genutzt wird. Der pensionierte Lehrer und Lokalhistoriker Heinz Koch stellte zusammen mit seinem Mitstreiter Hugo Huwyler Bildmaterial zum Thema und Pläne von den Katakomben zusammen, aus denen die Reliquien von Synesius 1653 nach Bremgarten geholt wurden.

Die Translationsfeier war ein grosses Spektakel. Der Klosterbruder Kaspar Bürgisser, später Abt im Kloster Wettingen, komponierte für diese Feier die Musik zu einem Festspiel. «Die Musiknoten sind leider nicht mehr auffindbar. Dafür zeigen wir das in Öl gemalte Porträt Bürgissers», erklärt Koch. Dokumentiert werden auch die Umstände, die 1853 beinahe dazu geführt hätten, dass die liberale Aargauer Regierung die Feier untersagte. Das konnten die Stadtoberen dank ihrer harschen Intervention verhindern. «Wir stellen eine alte Tradition dar, die mit dem Synesiustag in Bremgarten bis heute überlebt hat», erläutert Koch.

Museumstag: Sonntag, 18. Mai, 14 bis
17 Uhr, Führungen ab 14 Uhr zu jeder vollen Stunde. 15 Uhr spezielles Kinderprogramm im Museum Bruggmühle.