Renovation
«Völlig überwältigt, dass so viele Leute hier sind» – ein Schatz fürs Schlössli

Das älteste Wohler Gebäude bekommt ein neues Gesicht – und zudem eine Zeitkapsel, gefüllt mit Allerlei: Etwa eine aktuelle Ausgabe der az.

Dominic Kobelt
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Wilfried Geissmann, Vorstandsmitglied vom Verein Schlössli, füllt zusammen mit der ehemaligen Einwohnerratspräsidentin Ariane Gregor die Zeitkapsel für zukünftige Generationen. Dominic Kobelt

Wilfried Geissmann, Vorstandsmitglied vom Verein Schlössli, füllt zusammen mit der ehemaligen Einwohnerratspräsidentin Ariane Gregor die Zeitkapsel für zukünftige Generationen. Dominic Kobelt

«Ich hätte gedacht, dass die neun Sektgläser reichen, die ich von zu Hause mitgebracht habe. Ich bin völlig überwältigt, dass so viele Leute zum Start der Renovationsarbeiten gekommen sind», freute sich Fabian Furter, Präsident des Vereins Schlössli.

Noch viel grösser war die Freude darüber, dass die Renovation des ältesten Gebäudes in Wohlen überhaupt zustande gekommen ist: Dies dank Beiträgen der Ortsbürgergemeinde (400 000 Franken), der Einwohnergemeinde (100 000 Franken), von Stiftungen, dem Heimatschutz und 155 Zusagen von Privaten und Firmen, die als Schlossdamen und Schlossherren je 1000 Franken beisteuern. Das Projekt kostet rund 900 000 Franken.

Zum Start der Bauarbeiten wurde feierlich eine Zeitkapsel mit verschiedenen Andenken gefüllt. Eine Ausgabe des Wohler Anzeigers, in dem das Baugesuch publiziert wurde, fand ebenso Platz wie eine aktuelle Ausgabe der az, der Baueingabeplan, der Finanzierungsschlüssel, der Kostenvoranschlag, eine Handvoll Münzen sowie ein Brief an die zukünftige Generation. «Ich hoffe, das Schlössli wird ein Ort der Begegnungen und von der Bevölkerung rege genutzt», sagte Furter.

Gebäude wird ausgehöhlt

Aus dem Schlössli soll ein offenes Kulturhaus werden. Der Verein Kultur im Sternensaal möchte es bereits im nächsten August benutzen. «Damit sind wir etwas unter Druck», gab Architekt Hans Furter zu.

«Es gibt eine grosse Unbekannte, und das ist die Temperatur – je nachdem, wie kalt der Winter wird, kommen wir schneller oder langsamer voran.» Zuerst werde das Dach entfernt und ein Betonkranz angebracht, der das Gebäude stabilisiert.

So wird das Schlössli nach der Renovierung aussehen.

So wird das Schlössli nach der Renovierung aussehen.

zvg

«Erst wenn das neue Dach drauf ist, ist das Gebäude genug stabil, dass wir die Balken herausnehmen können.» Das Schlössli wird quasi ausgehöhlt, am Volumen wird nichts verändert.

Auf eine Wärmedämmung würde verzichtet, denn das Haus soll nur bei Bedarf geheizt werden. Der Innenausbau beschränkt sich auf einen möbelartigen Einbau, in dem die Elektro- und Sanitärinstallationen, die Heizung und die Küche untergebracht sind.

Wann das Schlössli erbaut wurde, ist nicht ganz klar, einige Quellen verweisen auf das 15. Jahrhundert, andere besagen, dass das Gebäude schon im 12. Jahrhundert bewohnt war. Im ältesten Steinhaus der Gemeinde richteten vermutlich die Herren von Wohlen über ihre Untertanen. Um 1800 bestand in dem Haus eine Dorfbeiz.

Neben dem Schlössli erhob sich die «Unterhilfikers Scheune», sie brannte jedoch 1891 ab. Mehrmals zündeten Brandstifter das Schlössli an, was Schäden verursachte. Auch der Abbruch des Gebäudes stand schon zur Diskussion. Sicherlich interessanter Gesprächsstoff für künftige Generationen, wenn sie denn einmal die Zeitkapsel öffnen, die nun als Schloss-Schatz die Jahre überdauern wird.