Wofür der Verein Verträgliche Stromleitung Reusstal (VSLR) über Jahre kämpfen musste, bis sich am Horizont eine Lösung abzeichnete, das hat «Lothar» 1999 in wenigen Minuten erreicht: Der legendäre Sturm legte damals am Stephanstag im Freiamt nicht nur hektarenweise Wälder flach, sondern auch die Starkstromleitung im Mohrental. Damit das einem nächsten Sturm nicht mehr gelang, wurde die Leitung von der AEW dort auf einer längeren Strecke in den Boden verlegt. Ein paar Jahre später wurde von einem nächsten Sturm ein weiteres Leitungsteilstück im Gebiet der Rotwasserkurve auf der Verbindungsstrasse von Hermetschwil nach Waltenschwil flachgelegt. Auch dort wurde die Leitung damals ein Stück weit unter den Boden verlegt.

20 Jahre nach «Lothar» wollen die AEW Energie AG und die Axpo Power AG das Werk von «Lothar» vollenden. Die noch bestehenden Freileitungen im Raum Bremgarten-Hermetschwil sollen verkabelt werden, gleichzeitig ist eine Kapazitätserhöhung von 50 auf 110 kV (Kilovolt) geplant. Das entsprechende Plangenehmigungsverfahren liegt bis zum 14. Februar auf den Gemeinden Bremgarten, Zufikon und Unterlunkhofen – die alle vom neuen Trassee betroffen sind – öffentlich auf.

2005/06 war das AEW-Unterwerk Bremgarten für rund 12 Mio. Franken erneuert worden, damit der Strom künftig mit 110 statt wie bisher mit 50 kV fliessen konnte. Deshalb wurde am 22. Juni 2006 von AEW und Axpo (damals noch NOK) auch ein Neubau der entsprechenden Leitungen angegangen und ein entsprechendes Projekt öffentlich aufgelegt. Vorgesehen war damals eine kombinierte Variante von Freileitungen und Verkabelung.

Allein: Gegen die neue Freileitung gab es heftig Opposition. Die Verhandlungen zogen sich über Jahre hin. 2011 hiess das Bundesverwaltungsgericht eine Beschwerde von Anwohnern gut, die eine zumindest teilweise Verkabelung gefordert und dabei vor allem auch landschaftsschützerische Argumente ins Spielgebrachten hatten. Das Gericht wies das Projekt zur weiteren Abklärung an die Vorinstanz zurück. Die beiden Unternehmen akzeptierten den Entscheid und haben in der Folge die neuen Projekte erarbeitet.

Mit der Erhöhung auf die heute üblichen 110-kV-Kapazitäten wollen Axpo und AEW sich abzeichnenden Versorgungsengpässen vorbeugen. Mit den bisherigen Leitungen könnte die Versorgungssicherheit nicht auf Dauer gewährleistet werden, erklären die beiden Bauherrinnen.

Kapazitätsengpässen vorbeugen

Konkret geht es dabei um vier Leitungen, die ins AEW-Unterwerk beim Kraftwerk Zufikon münden. Den Strang nach Obfelden betreibt die Axpo, die regionalen nach Wohlen, Hermetschwil und Muri die AEW. Eine weitere AEW-Freileitung nach Rudolfstetten ist nicht Gegenstand des laufenden Projekts, sie soll in einer nächsten Phase verkabelt werden. Wenn die Umstellung und Neuverkabelung nicht durch Einsprachen verzögert wird, soll damit bereits im Sommer begonnen werden. Dauern würde der Bau der neuen Leitung laut Angaben der Betreiber rund ein Jahr.

Die bevorstehende Verkabelung der Starkstromleitungen dürfte insbesondere den eingangs erwähnten Verein freuen. Der VSLR macht sich seit Jahren dafür stark, dass die geplante 380-kV-Hochspannungsleitung von Niederwil nach Obfelden in den Boden verlegt wird. Auch diese Leitung ist schon seit 2006 im Gespräch. 2012 musste ein erstes Projekt nicht zuletzt wegen des Widerstands des VSLR begraben werden. Für das Alternativprojekt ist mittlerweile ein Korridor festgelegt worden, der bald präsentiert werden soll.