Muri
Volksmusik im HB, auf der Strasse oder der Alp

Das Ensemble «ilsah» aus Muri tritt heute Freitag mit Volksmusik aus aller Welt an den Stanser Musiktagen auf. Die 15 Musiker spielen mit Herzblut und Seelenwärme, was sonst nur den Südländern nachgesagt wird.

Tabea Baumgartner
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Die Murianer Band «ilsah» mit Johannes Wipf (Cello), Thomas Meyer (Banjo) und René Keusch (Gitarre). Christoph Küng/zvg

Die Murianer Band «ilsah» mit Johannes Wipf (Cello), Thomas Meyer (Banjo) und René Keusch (Gitarre). Christoph Küng/zvg

Eine weite Landschaft im tiefen Balkan, wehmütige Klänge, pulsierende Rhythmen: Wenn die Musiker von «ilsah» die Bühne betreten, die Saiten ihrer Instrumente in Schwingung geraten, vergisst einer, dass er sich im Freiamt befindet: Vom ersten Moment an lebendig und bewegend, spielen die 15 Musiker mit Herzblut und Seelenwärme, was sonst nur den Südländern nachgesagt wird.

Sie könnten auch unterwegs sein, irgendwo draussen in der Welt, des Musizierens nimmer müde. Ihr Spiel atmet eine Lebensfreude, erzählt von der Lust zum Aufbruch. Eine ganze Nacht wollte man zu diesen Balkan-Rhythmen tanzen, ohne Pause, ohne Wenn und Aber.

Mazedonien bis Irland

«Jovano Jovanke» ist eine traditionelle Volksmelodie aus der Region Mazedoniens. Danach verschlägt eine Hirtenflöte das kleine Orchester ins tiefgrüne irische Weideland. Etwas Verträumtes, etwas Melancholisches schwingt in ihrem Klang mit.

Und dann, ganz überraschend: «Zoge’n’am Boge de Landamme tanzet» – statt zu spielen, singen die Musiker das Schweizer Volkslied, munter und gespickt mit einer gelungenen Ironie. Der Flötenspieler und «ilsah»-Saxofonist Heinz Gautschi spricht von einer «stetigen Frische» – die Klangfarben ihrer Instrumente seien unverwechselbar.

Mit Balalaika und Tuba

«ilsah» scheut sich nicht davor, nebst Violinen, Cello, Kontrabass, Gitarre und Akkordeon ein Banjo, eine Oboe oder eine Mandoline ins Ensemble einzubinden. Je nach Stilrichtung lassen sie gar die Balalaika oder die Tuba erklingen.

«Eine Rockband ist gefangen im Strom, sie ist stets auf die Technik angewiesen», sagt Thomas Meyer, Banjospieler und Initiant von «ilsah». Das Ensemble bestehe seit fast 8 Jahren. «Wir können überall hingehen und dort aufspielen, sei es auf der Strasse, im Hauptbahnhof Zürich oder auf einer Alp.»

Gautschi erinnert sich: «Wir mussten mit unseren Instrumentenkoffern durch die Heuwiese auf die Alp wandern – wie zu Gotthelfs Zeiten». Das gemeinsame Erleben der Musik verbinde sie, sagt Meyer. Und wo sie hingehen, hätten die Leute Spass, sagt Cellist Johannes Wipf. «Das Repertoire aus Volksmusik aus aller Welt ermöglicht es, dass wir fast jedes Publikum ansprechen.» Er gehört zur jüngeren Generation von «ilsah» – dank Altersmix lassen sich Jung und Alt begeistern.

Ihr 100. Auftritt

Heute Abend reisen «ilsah» nach Stans: Sie wurden an die Stanser Musiktage in der Sparte «Neue Volksmusik» eingeladen – eine Ehrensache für die Gruppe aus Muri – und dürfen am «World und Jazz»-Festival auftreten. Jährlich finden 30000 Besucher den Weg an die Musiktage. Konzerte vor grossem Publikum sind für das Ensemble keine Seltenheit: Sie haben bereits am Volksmusikfestival und an Open Airs gespielt.

«Stans ist unser 100. Auftritt», sagt Thomas Meyer nicht ohne Stolz. Und er schwärmt: «Sobald wir anfangen zu spielen, sind wir eine Einheit.» Tatsächlich: Sie pulsieren gemeinsam, die Köpfe wippen, Blicke kreuzen sich, während ihre Volksmusik zum Tanz auffordert: «ilsah» ist wie eine Grossfamilie, angetrieben durch ein inneres Feuer und eine Leidenschaft für die Musik.

Nächste Konzerte von ilsah: Heute Freitag, 20. April, 20.30 Uhr, Stanser Musiktage; Samstag, 21. April, 21.45 Uhr, Hotel Ochsen, Muri; Samstag, 2. Juni, 19.30 Uhr, alte Trotte Birmenstorf AG.